Bild: Danjaq, MGM
Warum "MeToo" die Hollywood-Ikone in Ruhe lassen sollte.

Wie sexistisch ist eigentlich Bond, James Bond? Seit Monaten rüttelt die "MeToo"-Debatte Hollywood auf. Immer mehr Schauspielerinnen und Regisseurinnen prangern den strukturellen Sexismus hinter den Kulissen an. 

Nun wendet die Debatte auch den Blick auf die Leinwand: Was wird dort gezeigt? Und was sagt das über unser Frauenbild aus?

Mittendrin in der Diskussion ist plötzlich einer der ältesten Hollywood-Helden überhaupt: James Bond.

Derzeit wird der 25. Film des berühmten Filmagenten vorbereitet, der Oscar-Preisträger Danny Boyle soll die Regie übernehmen. Im ersten Interview machte er gleich mal klar: Bond soll weniger Macho werden und an den "aktuellen Zeitgeist" angepasst werden. (bento)

Auch ein bereits vor anderthalb Jahren veröffentlichtes YouTube-Video macht nun wieder die Runde. Es sammelt die sexistischsten Momente Bonds – vom ersten Film von 1962 bis zum jüngsten von 2015. Knapp acht Millionen Mal wurde es mittlerweile aufgerufen:

In dem Video würgt Bond Frauen, klapst ihnen auf den Hintern, erniedrigt sie. Der Geheimagent ist ein Macho, nimmt sich die Frauen, wie es ihm gefällt. 

Längst werden die Rufe nach einem künftigen von einer Frau gespielten Bond, einer Jane Bond, lauter. Zuletzt fordert der Schauspieler Idris Elba einen Geschlechterwechsel. (bento)

Echt jetzt, ein weiblicher Bond? Das wäre ein großer Fehler.

Denn es würde die Gleichberechtigung der Geschlechter nicht voranbringen. 

Sechs Darsteller haben Bond seit den Sechzigerjahren gespielt. Die Figur hat sich seither stark gewandelt – vom ersten Bond, der Frauen schlägt hin zum jüngsten, der für seine große Liebe den Job aufgibt. 

Der aktuelle Bond-Darsteller selbst, Daniel Craig, hat sich bereits Gedanken über das Image des Agenten gemacht. "Hoffentlich wird mein Bond nicht so sexistisch und frauenfeindlich [wie vorherige Inkarnationen]", sagte er dem "Esquire" vor dem Start des jüngsten Films "Spectre".

Das sind die bisherigen Bond-Darsteller:

Spielte in "Dr. No" (1962), "Liebesgrüße aus Moskau" (1963), "Goldfinger" (1964), "Thunderball (1965), "Man lebt nur zweimal" (1967) und "Diamantenfieber" (1971).
Spielte nur einmal in "Im Geheimdienst Ihrer Majestät" (1969).
Spielte in insgesamt sieben Filmen – nämlich "Leben und Sterben lassen" (1973), "Der Mann mit dem Goldenen Colt" (1974),
"Der Spion, der mich liebte" (1977), "Moonraker" (1979), "In tödlicher Mission" (1981), "Octopussy" (1983) und "Im Angesicht des Todes" (1985).
Spielte zwei Mal: In "Der Hauch des Todes" (1987) und "Lizenz zum Töten" (1989).
Spielte in "Goldeneye" (1995), "Der Morgen stirbt nie" (1997), "Die Welt ist nicht genug" (1999) und "Stirb an einem anderen Tag" (2002).
Spielte in "Casino Royale" (2006), "Ein Quantum Trost" (2008), "Skyfall" (2012) und "Spectre" (2015).
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Die Bond-Macher – hinter dem Unternehmen steht seit Jahren eine Frau – wissen also um das Image von 007. Und brechen es immer wieder.

Bond war einmal ein geprügelter Einzelgänger, der keine Bindungen hat, keine Gefühle zeigt. Bringt es die Gleichberechtigung weiter, wenn der nächste 007-Film nun eine Jane Bond zeigt, die einsam in ihrer Wohnung sitzt, wenn sie nicht gerade Männer niederschießt? Nicht wirklich.

Weiblichen Zuschauern kann sie kein Vorbild sein – aber männlichen Fans nichts über den modernen Mann beibringen.

Männliche Zuschauer können von einem Bond, der sich immer mehr wandelt, viel lernen. 

Wenn man die Bondfilme über die Jahrzehnte betrachtet, dann sind sie ein Spiegel der Männlichkeit. Sie zeigen, wie sich einst tumbe Typen, die nicht über Gefühle reden, in tatsächlich empathische Kerle verwandeln. 

Sean Connery hat Frauen noch Küsse aufgezwungen, um sie sich gefügig zu machen (in "Thunderball", 1965). Timothy Dalton bereits wurde zuerst von einer Frau geküsst und wusste gar nicht, was er sagen sollte (in "Lizenz zum Töten", 1989). Und Daniel Craig sitzt nun die ganze Nacht brav im Stuhl neben dem Bett, weil die Frau darin es so will (in "Spectre", 2015). "Nein heißt Nein" im Leinwand-Format.

Vor allem mit Craig haben die 007-Macher einen Wandel vollzogen. Er kann über Gefühle reden, er kann sie zeigen und zulassen. Für den Bond der Siebziger- und Achtzigerjahre wäre das noch undenkbar gewesen. Seine Entwicklung fortzusetzen ist der sinnvollste Dienst in Sachen "MeToo".

Was aber auch stimmt: Viele Bond-Girls könnten in der "MeToo"-Debatte eigene Storys von Erniedrigungen beisteuern.

Was muss also geschehen, damit die Filme weniger sexistisch werden? Die Frauen im Film müssen noch selbstbewusster dargestellt werden. Und das geht auch, ohne dass sie selbst zur 00-Agentin werden. 

Zuletzt sagte das auch Rosamunde Pike. Die Schauspielerin wurde einst selbst als Bond-Girl bekannt, nun sprach sie sich im Interview mit "Uproxx" gegen eine Jane Bond aus: "Du kannst nicht einfach sagen, Bond ist jetzt eine Frau. Ich meine, so werden Frauen erst unterschätzt." Stattdessen solle es lieber eine neue Agentin geben, die anderen "in den Hintern treten kann".

In den Romanvorlagen von Bond-Erfinder Ian Fleming ist das schon oft so gewesen: Oft sind es die Frauen, die den geprügelten Bond aus größter Not retten. Und selbst mit austeilen.

Das sind die Bond-Girls von "Dr. No" bis "Spectre":
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Was die Filme also brauchen: mehr starke Frauenrollen, die Bond auf Augenhöhe begegnen. 

Hier und da gibt es sie längst. Die 007-Filme sind ihrer Zeit immer ein Stück voraus. Männliche Zuschauer haben vielleicht gedacht, Machosprüche sind etwas Tolles. Weibliche Zuschauer hingegen haben gelernt, wie sie auf diese Sprüche reagieren können:

  • In "Casino Royale" (2006) wird Vesper zu Bonds großer Liebe. Aber nach ihren Regeln. Seine Flirtversuche wehrt sie ab, als er zu ihr in den Fahrstuhl will, sagt sie: "Nehmen Sie den nächsten. Hier ist nicht genügend Platz für mich und ihr Ego."
  • In "Goldfinger" (1964) trifft Bond auf Pussy Galore. Er will sie über einen gefährlichen Gegner belehren, dieser "töte kleine Mädchen wie dich". Ihre Antwort: "Kleine Jungs auch."
  • In "Thunderball" (1965) lernt Bond beim Baden Domino kennen. Er meint, die meisten Frauen "paddeln nur rum", sie schwimme aber wie ein Mann. Sie schaut ihn an und sagt: "Sie auch!"

Und selbst Bonds Chefin M sagt ihm im "GoldenEye", dass sie ihn für einen "sexistischen, frauenfeindlichen Dinosaurier" hält:

Zuschauerinnen brauchen also keinen weiblichen Bond, um Selbstbewusstsein zu lernen. Sie sehen es bereits an den bisherigen Bond-Girls.

Anstatt mit einem weiblichen Bond diese Entwicklung zu stoppen, sollten sie in weiteren Filmen ausgebaut werden. Frauen und Männer können sich nur gegenseitig dabei helfen, erfolgreich zu sein – es ist ein Miteinander, kein Gegeneinander. Ein Bond, der für eine moderne und gesündere Männlichkeit einsteht, ist mit Blick auf "MeToo" eine gute Entwicklung.


Gerechtigkeit

Der Gesetzentwurf für psychisch Kranke ist ein Verstoß gegen die Menschenwürde
Er behandelt Kranke wie Straftäter.

Zu sagen, dass man depressiv ist, ist an sich schon eine sehr schwierige Sache. Depressiv zu sein bedeutet, nicht mehr zu funktionieren und auf Hilfe angewiesen zu sein. Depressiv zu sein bedeutet, im schlimmsten Fall alles zu verlieren. Jobs, Beziehungen, Leben. Weil die Krankheit noch immer ein Tabuthema ist, noch immer nicht genauso bewertet wird, wie Diabetes, Krebs, Endokarditis. Dabei ist das Gehirn ein Organ, genauso wie die Bauchspeicheldrüse, die Lunge, das Herz.

Das alles ist nicht neu, das alles muss aber immer wieder betont werden, wenn wir darüber sprechen, was die Landesregierung in Bayern nun plant. Nämlich: Ein Gesetz, das psychisch Kranke wie Straftäter und Straftäterinnen behandelt. Und dieses Gesetz ist nicht nur ein Skandal, weil die meisten Menschen wissen, dass psychisch Kranke keine Kriminellen sind, nur weil sie krank sind. Es ist auch ein grundlegender Verstoß gegen die Würde eines Menschen.