Bild: Netflix; Montage: bento
Ist das okay?

Die "MeToo"-Debatte bringt immer wieder neue Vergewaltigungsvorwürfe und Anschuldigungen über sexuelle Belästigung hervor. Begonnen hatte alles mit dem einflussreichen Filmproduzenten Harvey Weinstein – mittlerweile wurden viele weitere Schauspieler, Regisseure und Produzenten mit Vorwürfen konfrontiert. 

Die Liste mit mutmaßlichen Tätern wird immer länger. Und die Debatte schärfer – zuletzt hatte Salma Hayek ihre Erlebnisse mit Weinstein in einem einfühlsamen Essay geschildert (hier mehr bei bento).

Nun gibt es eine Art Online-Pranger, der Filme in gut oder schlecht sortiert – je nachdem, ob einer der mutmaßlichen Täter daran beteiligt war.

Die Website "Rotten Apples" checkt, ob eine Person, der sexuelle Belästigung vorgeworfen wird, in ein Filmprojekt involviert ist. 

Sie ist als einfache Suchmaschine aufgebaut. Man gibt einfach einen Filmtitel (auf Englisch) ein und bekommt dann ausgespuckt, ob der Film okay ist und wer daran beteiligt war.

  • Der Psychotitel "Sieben" von 1995 wird als "verfaulter Apfel" bezeichnet. Der Grund: Kevin Spacey ist dabei, er soll mehrere Männer sexuell belästigt haben. Netflix hat sich bereits von ihm getrennt (bento).
  • Der neue "Star Wars"-Film "Die letzten Jedi" sei hingegen ein "frischer Apfel" und daher unbedenklich. Über keinen der mitwirkt, sind bislang Vorwürfe bekannt.

"Rotten Apples" listet neben Spacey auch Weinstein und den Regisseur Roman Polanski auf, aber auch den Schauspieler Casey Affleck, Arnold Schwarzenegger und den Produzenten Brett Ratner.

Klickt man auf einen der Namen, leitet die Homepage auf einen News-Artikel weiter, der über die Anschuldigungen gegen denjenigen informiert. 

Die Seite wirft die Frage auf, ob es okay ist, Filme zu mögen, in die mutmaßliche Straftäter involviert sind. 
Oder anders: Verliert Kunst plötzlich an Wert, wenn man weiß, dass der Schöpfer ein Arschloch ist?

Die Homepage kann darauf keine Antwort liefern. Wer Filme boykottieren will, wird hier fündig – wer komplexere Antworten sucht, eher nicht. Denn "Rotten Apples" vereinfacht unklare Fälle: Die meisten Enthüllungen rund um Weinstein und Spacey sind bisher bloße Anschuldigungen. Manche Promis haben Fehlverhalten zugegeben, andere streiten alle Vorwürfe ab. 

Juristisch aufgearbeitet ist bislang nichts.

Ein Film wird nicht weniger gut oder schlecht, nur weil einer seiner Schauspieler andere belästigt haben soll. Aber er kann sich beim Zuschauen anders anfühlen, wenn man um die mutmaßlichen Verfehlungen weiß. "American Beauty" ist ein anderer Film – wenn man in dem von Spacey gespielten Familienvater nicht nur den Familienvater, sondern eben auch Spacey sieht.

"Rotten Apples" selbst macht es sich übrigens leicht, um dem Vorwurf des Online-Prangers zu entgehen. 

Im Impressum steht:

"Diese Datenbank ist nicht perfekt, die Ergebnisse sollten nicht als Fakten betrachtet werden. Jeder Link führt auf einen existierenden Artikel und spiegelt nicht unsere eigene Meinung wider."

Außerdem schreiben die Macher, es ginge ihnen nicht darum, Filme zu brandmarken – sondern vielmehr die Debatte um "MeToo" lebendig zu halten. 

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