Die gute Nachricht: In ihrem neuen Film "10 Coverfield Lane" spielt sie eine echte Badass-Heldin.

Je weniger man über "10 Coverfield Lane" weiß, desto mehr Spaß macht der Psycho-Mystery-Thriller.

Deswegen sprechen wir mit Hauptdarstellerin Mary Elizabeth Winstead beim Interviewtermin in New York so wenig wie möglich über den Film und lieber über andere Themen, vor allem über Frauen auf der Leinwand.

Du bist in "10 Cloverfield Lane" in jeder Szene zu sehen. Ziemlich viel Verantwortung.

Mir macht das Spaß. Ich mache diesen Job schon so unglaublich lange und habe so viele Nebenrollen gespielt, dass ich mich jetzt immer freue, wenn ich mal wirklich entscheidenden Anteil an einem Film habe. Klar, das kann bei einem Film wie diesem auch echt anstrengend sein und die Arbeitstage sind furchtbar lang. Aber unter Druck setzt mich das nicht. Ich stelle mir immer vor, dass ich gerade mal wieder einen winzigen Independentfilm drehe, den am Ende eh keiner sieht. Das schont die Nerven!

Wer ist ​Mary Elizabeth Winstead?

Mary, Jahrgang 1984, wollte eigentlich Balletttänzerin werden. Stattdessen landete sie als Schauspielerin auf der Leinwand, in "Final Destination 3" zum Beispiel, "Stirb langsam 4.0" und "Death Proof".

Ohne über Michelle, deine Rolle im Film, zu viel zu verraten, kann man sagen: Sie entwickelt sich zu einer echten Badass-Heldin.

Deswegen wollte ich sie auch unbedingt spielen. Beim Lesen des Drehbuchs dachte ich mir: Diese Frau ist eine geniale Mischung aus Ellen Ripley aus "Alien" und Bruce Willis als John McClane in "Stirb langsam". Und wie oft kommt einem so etwas in Hollywood schon unter, vor allem als Frau?

In der Fotostrecke zeigen wir ein paar Filmszenen
1/12
Wie kommt es, dass Ripley immer noch das Maß aller Dinge ist, wenn es um starke Frauen in Actionfilmen geht?

Sigourney Weaver war in dieser Rolle einfach unglaublich. Ripley war intelligent und stark, ohne Wenn und Aber und wusste sich ihrer Qualitäten von Anfang an zu bedienen. Sie war nicht erst ein liebes Hascherl, das erst in der Not über sich herauswächst oder entdeckt, welche Talente in ihr schlummern. So war das ja vor "Alien" meistens – und ist es ehrlich gesagt in typischen Hollywood-Filmen auch heute noch oft so: Da müssen die Dummerchen immer erst ihre Lektion lernen, bevor sie stark sein dürfen.

Worum geht es in dem Film?

Eine Frau erwacht im Bunker eines Mannes, der vor der Tür den Weltuntergang wähnt. Viel mehr sollte man gar nicht wissen über diesen Film, der mit dem Found Footage-Grusel des 2008er "Cloverfield" letztlich nichts zu tun hat, aber als klaustrophobischer Thriller mit den überzeugenden Hauptdarstellern Mary Elizabeth Winstead und John Goodman viel Spaß macht. Zumindest bis er im letzten Drittel eine erstaunliche Wendung nimmt.

Aber ein bisschen was tut sich doch diesbezüglich inzwischen, oder?

Klar, es gibt auf jeden Fall auch positive Gegenbeispiele. Dass "10 Cloverfield Lane" von J.J. Abrams produziert wurde, ist kein Zufall: Der versteht was von starken Frauen, das sieht man auch am neuen "Star Wars"-Film. Wenn er auf der Leinwand von Frauen erzählt, dann fehlt dieser typisch männliche Blick, den leider die meisten anderen Filme haben. Gleich bei meinem ersten Treffen mit ihm und Regisseur Dan Trachtenberg haben wir genau darüber gesprochen und ich habe gemerkt, dass ich hier auf der sicheren Seite bin. Denn statt bloß die Kamera auf Michelle zu richten, haben sie tatsächlich ihre Sichtweise eingenommen.

Steckt auch viel von dir selbst in Michelle?

Naja, so weit würde ich nicht gehen. Zumindest bin ich weder Badass noch Heldin. Aber wir haben chronologisch gedreht, was normalerweise nie vorkommt. Mir hat total geholfen, mich in Michelle hineinzuversetzen und mich nach und nach mit ihr weiterzuentwickeln.

Wie würde ein Film aussehen, den du selbst produzierst und mit spannenden Frauenrollen besetzt?

Ich habe schon damit angefangen, in dem ich "Faults" produziert habe, den Debütfilm meines Mannes. Die Hauptrolle habe ich gleich noch gespielt. Es ist allerdings nicht unbedingt meine Sache, mir selbst auch eine Rolle auf den Leib schreiben, so wie Amy Schumer das gemacht hat. Zumindest habe ich im Moment nicht das Gefühl, als Autorin besonders viel zu taugen.

Und wie steht’s mit Regie? Oder mag der Gatte keine Konkurrenz?

Haha, das ist mit Sicherheit gar kein Problem! Wenn mir eine tolle Geschichte in den Schoß fällt, kann ich mir das schon vorstellen. Wobei ich darauf wahrscheinlich nicht warte, sondern mich auf die Suche nach einem tollen Projekt begeben sollte, dem ich mich mit Haut und Haar verschreiben will. Also anders gesagt: Das mit dem Inszenieren werde ich sicher früher oder später ausprobieren. Und zum Üben fange ich am besten mit einem Kurzfilm an.

Im Bereich Horror, Grusel oder Action?

Weil ich schon so viele Filme und Serien in diesen Genres gedreht habe? Ich glaube nicht unbedingt, dass solche Geschichten mein absolutes Spezialgebiet sind. Klar, ich habe da schon ein Faible für und habe schon als Jugendliche alles geliebt, was düster und verstörend war. Egal ob es um Filme oder Bücher oder Musikvideos ging. Aber als Schauspielerin fühle ich mich in einem Kostümdrama genauso wohl wie in einem Science Fiction-Film. Die Mischung macht’s!

Verrätst du uns dein nächstes Projekt?

Das wird eine unglaublich smarte, schräge und irre komische Fernsehserie namens "BrainDead", von den Machern von "The Good Wife". Im Juni läuft sie in den USA an. Da geht es um eine Tochter einer Politikerdynastie, die mit dieser Welt gebrochen hat und Dokumentarfilmerin wurde, aber sich aus Geldgründen doch wieder nach Washington und in die Fänge ihrer Familie locken lässt. Der Clou an der Sache: Im Kongress merkt sie irgendwann, dass dort nicht alles mit rechten Dingen zuzugehen scheint. Mehr will ich jetzt an dieser Stelle nicht verraten. Doch eines ist natürlich klar: Eine starke Frau verkörpere ich auch darin wieder.

Mehr Frauen im Film