Wie es jetzt weitergeht

Brendan Dassey kommt frei. Das hat ein Richter im US-Bundesstaat Wisconsin entschieden. Der heute 26-jährige Dassey war eine der Hauptfiguren in der Netflix-Serie "Making a Murderer" – und sitzt seit seinem 16. Lebensjahr "lebenslänglich" im Gefängnis, weil er seinem Onkel bei einem Mord geholfen haben soll. Dass es daran immer größere Zweifel gibt, hatten wir bereits berichtet.

Kommt Brendan Dassey jetzt wirklich frei?

Ja, so hat es der Richter angeordnet. Bereits im August war entschieden worden, dass er freikommen soll, wenn der Bundestaat Wisconsin innerhalb von 90 Tagen nicht wieder die Ermittlungen aufnimmt. Diese Frist ist nun vorbei.

Dassey kommt allerdings nicht sofort frei. Erst einmal muss er den Behörden melden, wo er plant, in Zukunft zu leben. Denn auch nach seiner Freilassung soll er weiterhin überwacht und kontrolliert werden. Außerdem gibt es feste Auflagen für ihn. So darf er sich in Zukunft nicht der Familie des Opfers nähern. Auch der Kontakt zu seinem Onkel und Mitangeklagten Steven Avery ist strikt untersagt.

Dasseys Anwälte sagten, sie hofften darauf, dass ihr Mandant zu Thanksgiving wieder bei seiner Familie sein kann. Das ist am 24. November.

Worum ging es in dem Fall überhaupt?

Brendan Dassey wurde 2005 als 16-Jähriger zu lebenslanger Haft verurteilt. Er soll gemeinsam mit seinem Onkel Steven Avery die 25-jährige Fotografin Teresa Halbach umgebracht haben. Mit der Zeit wurden jedoch immer mehr Ungereimtheiten bekannt, die Zweifel an dem Verfahren laut werden ließen. Die Netflix-Serie "Making a Murder" rollte den Fall noch einmal auf und sorgte dafür, dass der Fall öffentlich neu diskutiert wurde.

Ist der Fall damit gelöst?

Noch lange nicht, im Gegenteil. Bislang ist vor allem klar, was alles nicht mehr klar ist. Und die Rolle von Dasseys Onkel Steven Avery gibt bis heute Rätsel auf. Die Macher der Netflix-Serie haben deshalb bereits angekündigt, eine zweite Staffel von "Making a Murderer" veröffentlichen zu wollen.


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Razzia bei Salafisten: Darum hat die Polizei 200 Wohnungen und Büros durchsucht

Mit einer Großrazzia in zehn Bundesländern ist die Polizei am Dienstagmorgen gegen deutsche Islamisten aktiv geworden. Durchsucht wurden mehr als 200 Wohnungen und Büros, die größtenteils in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Bayern lagen. Nach SPIEGEL-Informationen hat Bundesinnenminister de Maizière (CDU) außerdem den salafistischen Verein "Die wahre Religion" verbieten lassen.

Das wird den Salafisten konkret vorgeworfen

Der Verein "Die wahre Religion" wurde vor allem durch die Koran-Verteilaktion "Lies!" in deutschen Fußgängerzonen bekannt. Dabei verteilten Anhänger des Salafisten-Predigers Abou Nagie kostenlose Exemplare des Gottesbuches. Nach Überzeugung der Sicherheitsbehörden richtet sich der Verein jedoch "gegen die verfassungsmäßige Ordnung und den Gedanken der Völkerverständigung". Vor allem wird den Anhängern aber vorgeworfen, bei ihren Verteilaktionen Interessierte als potentielle Kämpfer für den Bürgerkrieg in Syrien zu rekrutieren. (SPIEGEL ONLINE)