Are you happy?
"Bo Burnham hat ein neues Comedy-Special herausgebracht"

Wenn du oben stehenden Satz liest, gibt es zwei erlaubte Reaktionen: Entweder fragst du dich, wer dieser Bo Burnham ist. Oder du läufst so schnell wie möglich zum nächsten Bildschirm. So oder so kannst du dich glücklich schätzen, denn du darfst das neue Comedy-Special "Make Happy" von Bo Burnham gucken: Am vergangenen Wochenende wurde es auf Netflix veröffentlicht.

Bekannt wurde der 25-jährige Entertainer, wie sollte es heute anders sein, durch YouTube: Seinen Durchbruch erlangte er 2006 mit dem Video "My whole family (thinks I'm gay)". Was damals mit verpixelten Kinderzimmervideos am Keyboard startete, ist in den vergangenen Jahren zu einem genialen Mix aus Stand-Up, Poetry-Slam, Konzert und Psychologievorlesung geworden. Einige seiner Videos wurden 25 Millionen-Mal angesehen, mehr als 1,3 Millionen Menschen folgen ihm auf Twitter.

I've never been the victim of a random search for drugs, but you can't say my life is easy, until you've walked a mile in my uggs.
Bo Burnham in "Straight white male"

Das hat mehrere Gründe:

  • Burnham macht zwar "so etwas wie Comedy", spielt aber gleichzeitig auch immer mit ernsten Themen wie Depression, Rassismus oder Gender.
  • Nur geht er diese Themen komplett anders an, als seine Genre-Kollegen. Anstelle der immer wiedergekauten Klischees über Frauen/andere Hautfarben/andere Nationen singt er beispielsweise einen ironischen Song über die (nicht existenten) Hürden im Leben eines weißen, heterosexuellen Mannes. So verleitet er das Publikum dazu, die eigene Sichtweise zu hinterfragen und bringt große gesellschaftliche Debatten meisterlich auf den Punkt.
  • Er macht keine klassische Punchline-Comedy, bei der er stumpf Witze erzählt. Die Lieder und Gags sind immer sehr "meta", haben also mehrere Bedeutungsebenen.
  • Er kritisiert sich gern selbst, spielt meisterhaft mit den Erwartungen des Publikums, führt sie in die Irre und hält ihnen einen Spiegel vor. "Er hat sich der Kritik an der heutigen Comedy verschrieben [...] er dekonstruiert das Konzept von 'Wahrheit' in der Comedy", schreibt der Kulturjournalist Jessie David Fox auf Vulture. In einer Zeit, in der die meisten Stand-Up Auftritte nach dem Schema "Ihr werdet nicht glauben, was mir neulich passiert ist..." oder "Kennste, kennste?" beginnen, ist das ein wichtiges Anliegen.
In der Fotostrecke: So inszeniert Bo sich (und seinen Hund) auf Instagram
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Das erste Special "what." gibt es auch kostenlos bei YouTube:
Soziale Medien sind die Antwort des Markts auf eine Generation von Kindern, denen von ihren Eltern eingeredet wurde, sie würden mal ganz groß rauskommen. Und heute wissen wir: Es interessiert kein Schwein, was wir tun.
Bo Burnham

Seit vergangener Woche ist "Make Happy" auf Netflix zu sehen. Das einstündige Special basiert auf seiner gleichnamigen und noch laufenden Tour. Es fokussiert sich letztlich auf die simple Frage: "Bist du glücklich?"

In teils extrem witzigen, teils nachdenklichen und teils total absurden Songs und Monologen nähert er sich dem Konzept des Glücks. Er beschäftigt sich dabei unter anderem mit dem Selbstdarstellungszwang, der unserer Generation scheinbar eingeimpft wurde. Er, selbst ein Opfer dieses Triebs, versteht das Gefühl der Leere, der Suche nach Bestätigung und Aufmerksamkeit, das so viele antreibt. Deshalb redet er auch über seinen Traum, endlich ein Leben frei von Depressionen und Zweifeln führen zu können.

Am Ende der Show kann ihm nur wünschen, dass dieser Traum wahr wird. Man gönnt es ihm so sehr, denn als Zuschauer hat man etwas geboten bekommen, was einem kaum ein anderer Komiker geben können: ehrliche, beeindruckende, intelligente, todtraurige und gleichzeitig aufmunternde Unterhaltung.

Der Trailer zu "Make Happy":

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