Bild: ARD, ZDF, Getty Images; Montage: bento
Wir haben da mal nachgezählt.

Deutschland ist am Abgrund. Den Eindruck bekommt zumindest, wer sich nach 20 Uhr vor den Fernseher setzt und ARD oder ZDF einschaltet. In den Talkshows dort werden fast nur Krisen und Katastrophen behandelt – das werfen nun zumindest viele Zuschauer den Sendern vor.

Gefühlt geht es fast immer um Flüchtlinge und/oder Muslime, und wie sie die innere Sicherheit in Deutschland durch ihre bloße Anwesenheit gefährden. 

  • Am Mittwoch will Sandra Maischberger erörtern, wie viel Islam nach Deutschland passt. Sendungstitel: "Die Islamdebatte: Wo endet die Toleranz?"
  • Und erst am Montag diskutierte Moderator Frank Plasberg bei "Hart aber fair" über folgendes Thema: "Flüchtlinge und Kriminalität – Die Diskussion!" 

Im Netz war das vielen zu viel des Gleichen. Unter dem Hashtag #AlternativeFürPlasberg schlugen sie vor, womit sich die Talkshow eher mal beschäftigen sollte:

Aber stimmt der Vorwurf, dass es in Talkshows von ARD und ZDF immer nur um Flüchtlinge geht? Wir haben nachgezählt.

Wir haben alle Sendungstitel folgender Formate für das Jahr 2018 durchgesehen:

  • "Anne Will" (ARD) – 13 Folgen
  • "Maischberger" (ARD) – 16 Folgen
  • "Hart aber fair" (ARD – 18 Folgen
  • "Maybritt Illner" (ZDF) – 17 Folgen

Insgesamt kommen wir auf 64 Sendungen von Januar bis Anfang Juni. Die Titel haben wir nach Themen wie "Innere Sicherheit", "Sozialpolitik" und "Flüchtlinge" sortiert – dabei kann es vorkommen, dass eine Sendung auch mehr als ein Thema besetzt.

1.

Diese Themen wurden am häufigsten diskutiert:

  1. Außenpolitik – in insgesamt 16 Folgen
  2. Die GroKo – in insgesamt 12 Folgen
  3. Sozialpolitik – in insgesamt 10 Folgen
  4. Flüchtlinge, Innere Sicherheit und Wirtschaft – in insgesamt je 9 Folgen

In der Außenpolitik standen 7 Mal Donald Trump, 4 Mal Syrien, 3 Mal Recep Tayyip Erdogan und 2 Mal Wladimir Putin im Mittelpunkt. Die Flüchtlingsthemen überwiegen also die außenpolitischen Talkrunden.

Trotzdem: Nur in etwa jeder 7. Talkshow geht es um Flüchtlinge. Genauso oft werden Wirtschaftsfragen wie der Dieselskandal oder soziale Gerechtigkeit diskutiert. Deutlich öfter wird nur über die GroKo gestritten.

2.

Und diese Themen wurden am seltensten diskutiert:

  1. Islam – in insgesamt 4 Folgen
  2. Bildung und Sexismus – in insgesamt je 2 Folgen
  3. Umwelt – in insgesamt einer Folge

Wichtige Zukunftsfragen wie der Schutz der Umwelt spielen kaum eine Rolle, auch die "MeToo"-Debatte fand im TV kaum statt. Aber: Auch um den Islam geht es nur in etwa jeder 16. Talkshow.

3.

In diesen Sendungen ging es am häufigsten um das Thema Flüchtlinge:

  1. Angst auf der Straße: Muss der Staat härter durchgreifen? – "Maischberger" vom 11. April
  2. Die Islamdebatte: Wo endet die Toleranz? – "Maischberger" vom 6. Juni
  3. Fremde gegen Deutsche, Arme gegen Arme: Was zeigt der Fall der Essener Tafel? – "Hart aber fair" vom 5. März
  4. Islam ausgrenzen, Muslime integrieren – kann das funktionieren? – "Hart aber fair" vom 9. April
  5. Flüchtlinge und Kriminalität – Die Diskussion! – "Hart aber fair" vom 4. Juni
  6. Skandal um Echo-Verleihung, Attacke auf Kippa-Träger – verliert Deutschland den Kampf gegen Antisemitismus? – "Anne Will" vom 22. April
  7. Die Bremer Asyl-Affäre – Systemfehler oder Einzelfall? – "Anne Will" vom 27. Mai
  8. Streit um die Tafeln – wenn die Hilfe nicht für alle reicht – "Maybritt Illner" vom 8. März
  9. Chaos beim Asyl – warum hat der Staat versagt? – "Maybritt Illner" vom 31. Mai

4.

Und diese Themen wurden gar nicht diskutiert:

Die Themen Rechtspopulismus, Rente, Gleichberechtigung und Klimaschutz waren im Jahr 2018 noch kein Thema. Lediglich der Kampf gegen Plastikmüll war "Hart aber fair" im März eine Diskussionsrunde wert.

Fazit: 

Der Vorwurf, in den Talkshows von ARD und ZDF geht es immer nur um Flüchtlinge, ist falsch. Allerdings fehlt es den Formaten trotzdem an Vielfalt – Zukunftsthemen werden ausgeblendet.


Haha

In diesem lustigen Video spielt Marteria einen Zahnarzt
... und macht damit Werbung.

Marteria hat viele Talente. Als Jugendlicher spielte er Fußball bei Hansa Rostock, wäre fast Profi geworden. Auf einer Reise nach New York wurde er als Model entdeckt: Er gab das Fußballspielen auf und arbeitete für mehrere Marken. Bis er 2003 nach Berlin zog und eine Ausbildung als Schauspieler machte.

Die lohnte sich offenbar:

Er spielt jetzt die Hauptrolle in einem Kurzfilm. Genauer gesagt: In einer Werbung.