Bild: WDR

Die "Lindenstraße" wird eingestellt. Das hat die ARD nach 34 Jahren entschieden – in Serienjahren wirklich eine Ewigkeit. (SPIEGEL ONLINE)

Wer sich an die Sendung erinnert, denkt an spießige alte Leute, Mutter Beimer und überdramatische Abspann-Musik. Eigentlich nichts, was wir vermissen werden. Aber so staubig all das heute auf uns wirken mag:

Die Lindenstraße hat queere Menschen und ihren Alltag ins deutsche Fernsehen gebracht – fast ohne Klischees.

Ich war gerade neun Jahre alt, als ich 1996 in der "Lindenstraße" zum ersten Mal sah, wie sich zwei Frauen leidenschaftlich küssten. Tanja Schildknecht und Sonia Besirsky, eng umschlungen auf einer Wiese. 

Ich war fasziniert, verwirrt und hatte viele Fragen. Damals bekam ich von meiner Mutter zwar nicht alle Antworten, war aber trotzdem um einiges schlauer. So etwas gab es also auch.

Und zu diesem Zeitpunkt war das Thema in der "Lindenstraße" bereits seit fast zehn Jahren angekommen: Schon 1985 gab es mit Carsten Flöter (Georg Uecker) einen schwulen Charakter – und 1987 auch den ersten Kuss zwischen zwei Männern in der Serie. Dieser Kuss hat, so abgegriffen es auch klingen mag, damals Fernsehgeschichte geschrieben. 

Und dabei sollte man nicht vergessen, dass 1987 noch fast 15 Millionen Menschen vor dem Fernseher saßen, um sich die Serie anzuschauen (Meedia). Die "Lindenstraße" war einfach das, was man an einem Sonntagabend guckte. Allein deshalb, weil es zu diesem Zeitpunkt noch nicht allzu viele Alternativen aus dem Fernsehen gab. 

Während man mit so einer Szene heute kaum noch Zuschauer überraschen kann, wurden die Schauspieler Georg Uecker und Martin Armknecht damals nicht nur von der Presse beschimpft, sondern bekamen Morddrohungen und zeitweise Personenschutz. Der Bayerische Rundfunk entschied sich wegen "moralischer Bedenken" sogar dagegen, die Folge zu wiederholen. (Queer.de)

Die "Lindenstraße" war früh dran, wenn es um die Darstellung von queeren Charakteren im Vorabendprogramm ging. 

Während 1997 auf RTL der Frauenknast ("Hinter Gittern") mit Walter startete, wurde in der "Lindenstraße" bereits die erste gleichgeschlechtliche Hochzeit gefeiert.

Zum Ende der "Lindenstraße" sagt WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn: 

"So sehr der Abschied auch schmerzt, können doch alle Beteiligten sehr stolz sein, denn sie haben mit der 'Lindenstraße' geschafft, was keiner anderen deutschen Serie gelungen ist: über Generationen hinweg mitten aus dem Alltag der Menschen heraus große gesellschaftliche und politische Themen abzubilden." 

Und das gilt auch für Themen aus der Lebenswelt queerer Menschen, wie die "Ehe für alle", HIV oder Adoption. Ganz ohne die Themen als außergewöhnlich oder klischeebehaftet darzustellen. (B.Z.)

Im Frauenknast verkörperte Katy Karrenbauer überwiegend das typische Klischee einer Kampflesbe. Selbst die Netflix-Serie "Queer Eye" spielt noch heute mit dem Vorurteil, Schwule hätten einfach den besseren Geschmack.

In der "Lindenstraße" sind Homosexuelle genauso langweilig, liebenswert, lustig oder scheiße wie jeder andere Mensch auch. 

Carsten Flöter ist einfach ein netter Arzt, der zufällig schwul ist. Und kein Schwuler, dem noch schnell irgendein Beruf zugeschrieben wird. Im Laufe der Sendung hat Carsten verschiedene Partner, ist lange verheiratet und adoptiert ein Kind. Wow, so alltäglich, dass es fast schon langweilig ist. 

Wer am Ende noch alles mit wem rumgeknutscht, wer wen verlassen, betrogen oder umgebracht hat – keine Ahnung. Fest steht, dass die "Lindenstraße" Schwule und Lesben in Deutschland sichtbar gemacht hat, als es noch als Ausnahme galt. 


Fühlen

Vier Menschen erzählen von ihren schlechtesten Knutsch-Erlebnissen
Lass uns züngeln!

Du schließt die Augen, drehst den Kopf, spürst den Atem deines Gegenübers, öffnest leicht den Mund, überall kribbelt es. Gleich fällt der erste Kuss. 

Und dann kommt die pure Enttäuschung. 

Es soll BITTE nur noch aufhören. Jetzt! 

Eine schlechte Knutscherei erlebt in seinem Leben wahrscheinlich jeder mal. Wir haben Menschen nach ihren schlimmmsten Kusserlebnissen gefragt – und sie haben uns besonders eklige und absurde Erfahrungen geschildert. 

Ihre Namen mussten wir ändern. Das Risiko, danach nie wieder geküsst zu werden, war ihnen und uns einfach zu groß. 

Moritz, 26, aus Köln: die Beißerin