Bild: Constantin Film Verleih

Spoiler-Warnstufe orange

Wir verraten hier etwas über die Serie oder den Film. Nicht das komplette Ende. Nicht die Mörder-Überraschung. Falls du dich aber ärgerst, wenn wir hier gleich Ereignisse vorwegnehmen: Lieber erst anschauen und dann hierher zurückkommen.

Aufgetakelte Frauen, Autos im Pool und ganz viel Party: Das ist das Leben von Lars "Lenny" Reinhard in dem Film "Dieses bescheuerte Herz", der seit dem 21. Dezember in den Kinos läuft.

In dem Film wirft Lars, Ende 20, abgebrochenes Studium, Typ Aufreißer, mit dem Geld seines Vaters um sich, anstatt selbst welches zu verdienen. Lars, gespielt von Elyas M'Barek, wohnt noch zu Hause, mehrstöckige Villa, und hat für nur eins Gefühle: feiern!

Im krassen Gegensatz dazu erzählt der Film auch von einem anderen Leben – das Leben von David, 15 und schwer herzkrank. Er wird ganz anders erwachsen: zunächst im Hochhaus, dann im Krankenhaus. Lars und David könnten nicht unterschiedlicher sein, trotzdem lässt der Film sie einander begegnen – und Freunde werden. 

Eine Geschichte, die nach Gefühlskino klingt und nach Taschentücher-Alarm, nur: Das hier ist nicht ausgedacht, das ist wirklich so passiert, versprechen die Macher. Aber stimmt das auch? 

Das haben wir Lars Amend gefragt, der das Buch "Dieses bescheuerte Herz" über sein eigenes Leben geschrieben hat, eine wahre Geschichte. In der Verfilmung stellt Lenny Lars' Leben dar – gespielt von Elyas M'Barek.
Lars Amend(Bild: Melanie Koravitsch)

Lars, ist das wirklich alles so passiert, was der Film zeigt? 

Die ersten 20 Minuten sind schon sehr fiktiv. Der saufende, feiernde, koksende Lenny, der da gezeigt wird – so war ich nie. Mir wurde auch nie der Geldhahn zugedreht. Denn mein Vater ist kein Herzchirurg, so wie in dem Film, sondern Lehrer – also Normalverdiener. 

Statt zu feiern war ich damals auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Ich bin um die halbe Welt gereist, um zu einer Antwort zu gelangen. Gefunden habe ich sie dann durch eine Freundin, die ein Kinder-Hospiz geleitet hat. Dort bin ich auf Daniel getroffen und wollte ihm sofort helfen. 

Die Vorgeschichte stellt der Film also ganz anders dar. Aber der Rest ist ziemlich gut getroffen. 

Lars und Daniel: "Der feiernde Lenny war ich nie"(Bild: Gaby Gerster)

In dem Film sieht man dich und Daniel dann Autos klauen und mit Mädchen rummachen. Stimmt das denn? 

Es war kein Auto des Nachbarn, sondern das Auto des Lebensgefährten seiner Mutter. Wir haben uns heimlich rausgeschlichen, das Auto geklaut und sind rumgefahren. 

Natürlich ist das im Film ein bisschen überzogener dargestellt. Bei jeder Buchverfilmung haben der Drehbuchautor und der Regisseur logischerweise andere Bilder im Kopf. Ich glaube das ist ganz normal. 

Der Film im Schnelldurchlauf – in Bildern:
1/12

War es deine Idee, das Buch verfilmen zu lassen?

Nein, es war weder meine noch Daniels Idee. Obwohl wir das Buch über unsere Abenteuer zusammen erarbeitet und geschrieben haben, sind wir ja keine Drehbuchautoren. Aber als das Buch erschien, vor etwa fünf Jahren, hatten wir eine Woche später 20 Filmangebote auf dem Tisch liegen. Macht was aus eurem Leben, das ist die Message unseres Buches. Das fanden Filmemacher offenbar gut.

Und hattest du dann Mitspracherecht, als es um die Umsetzung ging?

Ich habe das Drehbuch gelesen, habe gar nichts dazu gesagt und war sofort einverstanden. Ich hatte das Gefühl, den Produzenten und Autoren vertrauen zu können. Und weil ich weiß, dass sich das eigene Leben nicht eins zu eins auf einen Film übertragen lässt, habe ich mich dann auch rausgehalten.

Lars und Daniel: "Ich habe das Drehbuch gelesen und war sofort einverstanden"(Bild: privat)

Wie war es dann für dich, das eigene Leben auf einer Kinoleinwand zu sehen?

Das war sehr skurril und am Anfang konnte ich das gar nicht richtig begreifen: Du gehst ins Kino, siehst den Film, und eine fremde Person spielt einen Teil deines Lebens nach. Da erkennst du Szenen und Dialoge, die genauso stattgefunden haben. Ich kam mir vor wie in Hollywood. Dieser Film ist was ganz Besonderes. Dafür bin ich sehr dankbar. 

Warst du denn direkt bei der Premiere?

Klar. Daniel und ich hatten einen Deal: Wir wollten uns den Film zum ersten Mal zusammen anschauen. Ich wäre ganz schön sauer geworden, wenn er vorher gestorben wäre. Die letzten fünf Jahre gab es so viele Momente, die kritisch waren. Aber er hat gekämpft wie ein Samurai und wir haben es geschafft, standen gemeinsam auf dem roten Teppich. Es ist schön zu sehen, wie gut Daniel das tut. Diese strahlenden Augen.

Buchtitel: "Dieses bescheuerte Herz"

Warum hast du die Rolle eigentlich nicht selbst gespielt? 

Das stand nie zur Debatte, ich wurde nicht gefragt. Dabei hätte ich mir durchaus vorstellen können, diese Rolle zu spielen. Dazu hätte ich vielleicht erst mal Schauspielunterricht nehmen müssen, aber dann hätte ich es vielleicht probiert. Letztendlich haben sich die Macher dann aber für einen professionellen Schauspieler entschieden. Und damit habe ich kein Problem.

War Elyas M’Barek denn von Anfang an für die Rolle vorgesehen? 

Ich hatte da nicht viel mitzureden. Ich weiß aber, dass ganz viele Schauspieler Interesse an dieser Rolle hatten. Auch sehr bekannte. Aber als dann Elyas gesagt hat, er würde die Rolle spielen, war die Freude natürlich groß. Es gibt aktuell wahrscheinlich keinen erfolgreicheren Schauspieler als ihn.    

Hat er dich so dargestellt, wie du es dir gewünscht hast?

Ich durfte das Drehbuch vorher lesen. Deswegen wusste ich, was da auf uns zukommt. Und Elyas hat das wirklich gut umgesetzt. 


Gerechtigkeit

Autohaus sagt syrischem Azubi-Bewerber ab, empfiehlt ihm, zurückzugehen

Ein syrischer Flüchtling lebt in Bonn und sucht eine Ausbildungsstelle. Ein Autohaus aus Warstein, etwa 2,5 Stunden entfernt, will sich vergrößern und sucht auf Facebook neue Azubis. Eigentlich hätte so die Geschichte einer gelungenen Integration beginnen können.

Stattdessen schickt ihm das Autohaus eine Absage. Und die Empfehlung, er solle in sein Land zurückgehen.

Den Brief veröffentlichte Migazin, ein Onlineportal, dass sich mit dem Thema Integration beschäftigt. Er sorgt für viel Aufmerksamkeit – mittlerweile musste sich das Autohaus für die verletzende Absage entschuldigen.