Wenn ein Film überall Höchstwertungen einstreicht, für die wichtigsten Preise der Branche nominiert wird und seine Regisseurin über Nacht berühmt macht, dann lohnt es sich wohl, diesen Film genauer zu betrachten. Genau dieses Kunststück gelang Greta Gerwig mit "Lady Bird"

Dabei wirkt der Film auf den ersten Blick wie eine weitere Coming-of-Age-Geschichte: Christine, die sich selbst den Namen Lady Bird verpasst hat, ist genervt. Sie sitzt in Sacramento fest, der verschlafenen Hauptstadt von Kalifornien.

Viel lieber träumt die 17-Jährige von einer schillernden Zukunft unter Künstlern. Die vermutet sie an der Ostküste, wo sie zur Uni gehen will. Hierfür fehlt Lady Birds Arbeiterfamilie allerdings das Geld. Nicht nur deshalb gerät die Jugendliche regelmäßig mit ihrer Mutter Marion aneinander.

Ein ambitionierter Teenie, eine verständnislose Mutter, das bevorstehende Ende der Schulzeit: "Lady Bird" könnte kaum klassischer aufgestellt sein. Doch der Schein trügt.

Was Greta Gerwig im bekannten Setting des Teenie-Films präsentiert, haben wir so noch nicht gesehen.

"Ich habe noch nie eine junge weibliche Heldin wie diese gelesen", sagt Hauptdarstellerin Saoirse Ronan über ihre Rolle als Lady Bird. "Eine, die sich selbst auch wirklich als Heldin sieht. Man sieht in Filmen einfach keine jungen Mädchen, die sich selbst wirklich lieben." (YouTube)

1/12

Tatsächlich hat Lady Bird keine der Sorgen, mit denen jugendliche Protagonistinnen sich üblicherweise herumschlagen müssen: 

  • Sie hat keine Probleme mit ihrem Körper; 
  • schmachtet nicht seit Jahren den Schulschwarm an 
  • und träumt auch nicht davon, Abschlussball-Königin zu werden.

Sie will mehr. Und sie ist in der der festen Überzeugung aufgewachsen, dass sie alles sein und erreichen kann, was sie will – nun muss sie herausfinden, ob das auch stimmt.

Wenn Lady Bird ein Problem hat, dann ist es zu viel Selbstvertrauen. Weder ihre Mutter, noch ihr Priester, noch die Berufsberatung können sie ins Grübeln bringen. Das könnte sie schnell unsympathisch machen, wenn sie dabei nicht so verdammt aufrichtig rüberkäme. Lady Bird will niemanden verletzen – sie weiß es einfach (noch) nicht besser.

Mindestens ebenso bemerkenswert ist Lady Birds Mutter Marion, gespielt von Laurie Metcalf. In den allermeisten Coming-of-Age-Geschichten sind Erwachsene bestenfalls Pausenclowns, schlimmstenfalls Hindernisse für die jugendlichen Helden.

"Lady Bird" macht klar: Eltern sind auch nur Menschen.

Hier erfahren wir fast genau so viel über Marion wie über ihre Tochter. Da sie selbst in zwei Jobs arbeitet, um die Familie über Wasser zu halten, wird verständlich, warum sie Lady Birds Träume mit Skepsis betrachtet. Gleichzeitig sind Mutter und Tochter sich ähnlicher, als sie ahnen: Der Film lässt uns wissen, dass auch Marion heimlich von einem anderen Leben träumt – in ihrer seltenen Freizeit besichtigt sie luxuriöse Häuser, die sie sich niemals wird leisten können.

Marion hätte eine stereotype nörgelnde Mutter sein können – stattdessen ist sie die zweite Hauptfigur des Films und die wohl interessanteste Mutter, die eine Coming-of-Age-Geschichte jemals hervorgebracht hat.

Natürlich gibt es in "Lady Bird" auch einen Abschlussball, aber der ist hier weder der Höhepunkt noch das Ende der Geschichte. Dass es in diesem Film, der alle Konventionen eines ausgelutschten Genres auf den Kopf stellt, kein billiges Happy End gibt, versteht sich von selbst.


Gerechtigkeit

Deutschland nimmt 10.000 neue Flüchtlinge auf
Es geht um ein besonderes Schutzprogramm.

Die Europäische Union möchte mit einem neuen Schutzprogramm besonders bedürftigen Flüchtlingen aus Nordafrika und dem Nahen Osten helfen. Bis 2019 sollen auf diese Weise 50.000 Menschen auf legalem Weg direkt nach Europa kommen.

Einen besonders großen Anteil wird Deutschland übernehmen: 10.000 Flüchtlinge werden in die Bundesrepublik kommen.

Das verkündete nun die EU-Kommission. Eine entsprechende Zusage der Bundesregierung sei in dieser Woche bei der EU-Kommission eingegangen, sagte der EU-Flüchtlingskommissar Dimitris Avramopoulos den Zeitungen der Funke Mediengruppe. (SPIEGEL ONLINE/Tagesschau)