Bild: ZDF
Das ZDF versucht sich mit Bastian Pastewka an einer Serie á la Walter White. Wie kommt das an?

"ZDF plant deutsches Breaking Bad" lauteten die Schlagzeilen vor knapp zwei Jahren. Hätte der Sender stattdessen angekündigt, binnen zwei Jahren eine bemannte Mars-Mission organisieren zu wollen, hätte das wohl nur geringfügig größenwahnsinniger geklungen.

Das ZDF, dessen Durchschnitts-Zuschauer 60 Jahre alt ist, will jetzt plötzlich bei den ganz großen der Fernsehunterhaltung mitmischen und etwas abliefern, was an die Geschichte von Walter White, der vom Chemielehrer zum Drogenboss wird, heranreichen kann?

Mehrere Nummern kleiner als das Vorbild

Nun läuft das Ergebnis, die Miniserie "Morgen hör ich auf" samstags um 21:45 im ZDF. Bastian Pastewka alias Jochen Lehmann wird darin als am Rande der Pleite stehender Familienvater und Druckereibetreiber zum Geldfäscher.

Die vollmundige Ankündigung als deutsches "Breaking Bad" hat "Morgen hör ich auf" natürlich ordentlich Aufmerksamkeit beschert. Gleichzeitig werden so Erwartungen geschaffen, die unmöglich erfüllt werden können. Es ist nämlich alles eine oder mehrere Nummern kleiner, als beim berühmten Vorbild.

Das fängt schon formal an: "Breaking Bad" hatte fünf Staffeln mit 62 Episoden, um Walter Whites Wandel zum Bösen in all seinen Facetten zu erzählen. "Morgen hör ich auf" hingegen nimmt sich gerade fünf Folgen Zeit, um seine Geschichte zu Ende zu bringen.

Walter White bekommt in der ersten "Breaking Bad"-Folge eröffnet, dass er sterbenskrank ist und fängt an, Crystal Meth zu kochen, um an Geld für seine Familie zu kommen. Jochen Lehmann kann seine Tankfüllung nicht bezahlen, bangt um den nächsten Kredit und begeht deshalb Betrügereien mit gefälschten 50-Euro-Scheinen. Die Unterschiede in der Fallhöhe sind also gewaltig.

Einschalten oder nicht?
(Bild: ZDF)

Trotzdem lohnt sich das Einschalten. Bastian Pastewka, der mit der nach ihm benannten Serie schon einmal eine US-amerikanische Vorlage in etwas Eigenes verwandelt hat, überzeugt auch als ernster Schauspieler, ohne ein Abklatsch von Brian Cranston/Walter White sein zu wollen. Nach einem etwas gemächlich anlaufenden Aufbau vermag die Serie, auch ordentlich Spannung aufzubauen. Und ein Verbrecher in der Hauptrolle ist für das deutsche Fernsehen auch noch eher unbekanntes Territorium, auch wenn Geldfälschen noch ein paar Stufen unter Crystal Meth-Kochen steht.

Deutschland ist "Tatort", nicht "Game of Thrones"

"Morgen hör ich auf" kann gar nicht das deutsche "Breaking Bad" sein, dazu fehlt es hier einfach an einer Tradition großer Serien. Ein Schritt in die richtige Richtung ist es aber allemal. Deutschland ist halt das Heimatland von "Tatort" und "Traumschiff", nicht von "Game Of Thrones" oder "The Wire". Um mit einer deutsche Serie in diese Gefilde vorzustoßen, muss noch einiges passieren. Bis es soweit ist, kann man "Morgen hör ich auf" aber durchaus eine Chance geben.

Wer sich selbst ein Bild machen will: Die ersten beiden Folgen gibt es in der ZDF Mediathek zu sehen.

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