Bild: Bild: Krists Luhaers / Unsplash Montage: bento
Popcorn essen, Jacke ausziehen, reden – gehört verboten

Ein Kino ist für mich ein Ort der Ruhe. Auf der Leinwand: Schreie, Schüsse, Schmerzen. Im Kinosaal: bitte keinen Mucks. Ich will nicht eine Sekunde verpassen, nicht auf die Toilette müssen, den Film inhalieren. Ein Kinobesuch gleicht Meditation – wären da bloß nicht andere Besucher.

Kürzlich war ich allein im Kino. Der Saal war bis zum letzten Platz gefüllt. Mein Abend wurde gleich zu Beginn zerstört. Bis die zwei grauhaarigen Frauen und ich – zehn Minuten nach Filmanfang! – geklärt hatten, dass mir Platz 2, Reihe 2 gehört, und auf ihren Karten die Plätze 2 und 3 in der vierten Reihe vermerkt waren, verging eine gefühlte Ewigkeit. 

Anschließend dachte ich, jetzt ist Ruhe. Aber nein. Statt Marie Bäumer als Filmlegende Romy Schneider in "3 Tage Quiberon" beim Champagner trinken zuzuschauen, hörte ich nur Gummibär-Tüten knistern und Lolly-Schmatzen. Der Herr rechts schlürfte Bier. 

Ich selbst aß vorbeugend schon innerhalb der Werbepause die Popcorn-Tüte leer. Denn der Verzehr selbiger verursacht die lautesten Essgeräusche der Welt. Und die haben im Kino nichts verloren.

Doch die Geräuscheparty nahm kein Ende. 

Während Romy in der Entzugsklinik unter Tränen zusammenbrach, fiel irgendwo eine Glasflasche um, kurze Zeit später streckte sich der Kinobesucher hinter mir und drückte dabei seine Kniescheiben in meine Wirbelsäule. Ich drehte mich um, warf ihm einen bösen Blick zu. Er trat noch einmal extra fest zu. Die Heulattacke auf der Leinwand verpasste ich zur Hälfte, dankeschön.

Eine Stunde später hatte ich das Gefühl, endlich vertieft zu sein. Ich war kurz davor, ein Taschentuch rauszuholen. Romy, I feel you. 

Aber nein. In diesem Moment legte meine Sitznachbarin nämlich mit einer persönlichen Filmrezension los. Während. Des. Laufenden. Films. "Was für ein Arschloch", beschimpfte sie die Nebenrolle. "Ich könnte dem gleich eine reinhauen." Sie klang wie ein Fußballkommentator.

Sie würde Romy am liebsten die Schlaftabletten aus den Händen reißen, sagte sie. "Nein, tu es nicht!"

Doch, Romy Schneider wird es tun, hätte ich sie am liebsten angeschrien. Das hier ist eine Dokumentation! Da kann man das Ende nicht umschreiben!

Ihre Freundin wiederum kicherte bei jeder nur ansatzweise heiteren Szene. Als der Kellner mit Romys Freundin flirtete, zum Beispiel: "Oh ist der süß", schob sie hinterher. 

Für Kinos wünsche ich mir künftig einen Schaffner, der wie im Bahn-Ruheabteil die Telefonierenden zurechtweist. 

Beim nächsten Quatschen würden sie von ihm aus dem Saal geschmissen. Wer zu spät kommt, würde den Einlauf bekommen, den er verdient. 

Als Sitznachbar wünsche ich mir außerdem Tom Cruise. Kinobesucher sollten sich wie er in "Mission Impossible" verhalten, als er von der Decke hängt und versucht, ohne jegliche Berührung an den Server in der CIA-Zentrale zu gelangen. Er existiert, ohne zu stören

(Bild: Giphy)

Klar, wenn ich ins Kino gehe, bin ich mir durchaus bewusst, dass ich den Raum nicht für mich alleine habe. Aber es gibt eben Besucher, die sind zu viel für mein Kinoherz.

Ich möchte einen Film genießen, ohne dass Leute sich dabei umziehen, am Popcorn verschlucken oder das Drehbuch neu schreiben. Ein Kino ist kein Wohnzimmer. Zurückspulen ist nicht möglich, die DVD zum Film noch lange nicht erschienen.  Romy Schneider und ich haben nur diesen einen Moment. Lasst ihn mir. 


Style

Diese Jeans besteht eigentlich nur noch aus Löchern
Wenn das Mutti sieht!

Schon als vor ein, zwei Jahren immer mehr Jeans mit immer größeren Löchern in den Läden hingen, meldeten sich die ersten Zweifler. Warum, so die Frage, sollte ich eine Hose kaufen, die schon kaputt ist?

Vor allem die älteren Generationen hatten für diesen Trend nur wenig Verständnis. Es soll Fälle gegeben haben, in denen Mutti die schicke neue Jeans nach dem Waschen mit zwei sauber geflickten Hosenbeinen zurückbrachte.