Bild: Universal Pictures

Hollywood hat in den vergangenen Jahren Filme auf den Markt geworfen, die bildgewaltiger waren als jemals zuvor. Leonardo DiCaprio ließ sich im "Revenant" so lebensecht von einem Grizzly zerfleischen, dass einem der Atem stockte. Sandra Bullock kämpfte in "Gravity" alleine gegen die Unendlichkeit des Weltalls. Und Matt Damon rast aktuell in "Jason Bourne" von einer Explosion zur nächsten.

Sie liefern Szenen, die echt wirken, die uns berühren, die uns Schauer über die Unterarme jagen. Aber gleichzeitig, ganz schleichend, passiert etwas anderes: Hollywoods Helden verstummen.

  • Matt Damon bringt es im neuen "Jason Bourne" auf sage und schreibe 42 Sätze.
  • Rund 130 Sätze presst Leonardo DiCaprio in "The Revenant" aus den gemarterten Lungen.
  • Sandra Bullock hat in "Gravity" zwar mehr als 500 Sätze – allerdings relativiert sich die Menge sofort mit einem Blick auf den eintönigen Inhalt: Der weitaus größte Teil besteht aus "No, no, no, no" gefolgt von "Come on, come on, come on" und "Fuck", "Shit" oder "Houston? Houston!".
  • Superman spricht in "Batman vs. Superman" 43 Sätze. (The Wrap)
(Bild: Giphy )

Es sind keine kunstvollen Dialoge, die Vergangenheit transportieren und versteckte Motivationen erklären, die Wendungen einleiten und einen "Aha"-Effekt auslösen. Doch die Acadamy feiert den neuen Stummfilm: "The Revenant" und "Gravity" sind mehrfach oscarprämiert, ebenso wie "There will be blood", in dem erst nach 15 Minuten das erste, richtige Gespräch aufkommt. Auch "Mad Max: Fury Road" zählt zu den Mehrfach-Gewinnern – Protagonist Tom Hardy liegt mit 52 Sätzen in Sachen verbalem Minimalismus nur knapp hinter Matt Damons "Jason Bourne".

Körper geht immer öfter vor Kopf, Action vor Tiefe. Aber warum eigentlich?

Der Blick der Regisseure und Produzenten geht dabei keineswegs mehr nur zu den Oscars. Sie hoffen auf Millionen-Einnahmen aus einem weit entfernten Markt: China wird mit seiner ständig wachsenden Mittelschicht und einem Boom an Multiplex-Anlagen den stagnierenden US-Markt voraussichtlich schon 2017 als größten Filmmarkt ablösen (Guardian). Millionen-Gewinne winken – dafür ist von Hollywood allerdings auch Anpassung gefragt.

Denn für ausländische Filmemacher ist es nicht leicht, diesen Markt zu erschließen: Um heimischen Produktionen einen Vorteil zu verschaffen, werden in China nur 34 ausländische Filme pro Jahr zugelassen. Die Hollywood-Filme müssen es durch die strenge Zensur schaffen, die Sex-Szenen und die Darstellung homosexueller Beziehungen aussortiert, sowie auf das Bild achtet, das in den Filmen von China transportiert wird. (Guardian)

(Bild: Giphy )
Weniger Dialog macht Filme leichter universell verständlich und mindert ihre Komplexität.

Es hilft deswegen, wenn Sandra Bullock in "Gravity" auf einer chinesischen Airbase Zuflucht findet und ein chinesischer Funker sie auf ihrem Rückweg zur Erde begleitet. Oder wenn einige Superhelden in "Captain America: Civil War" plötzlich auf die chinesische Handymarke Vivo umsteigen – die in den USA gar nicht vertrieben wird. Michael Bay drehte "Transformers: Age of Extinction" gleich zu großen Teilen in China, ließ die Weltpremiere in Hong Kong stattfinden – und wurde dort in weniger als zwei Wochen mit mehr als 222 Millionen Dollar Einspieleinnahmen belohnt.

Und es kann helfen, wenn Protagonisten schweigen. Weniger Dialog macht Filme leichter universell verständlich und mindert ihre Komplexität. "Jason Bourne", "The Revenant", "Batman vs. Superman" und "Gravity" jedenfalls schafften es alle drei durch die Sittenwächter-Schleuse. Die ersten drei sogar ganz ohne chinesische Drehorte und Anbiederungen im Drehbuch.

In der Slideshow: Mehr Action, weniger Dialog bei "Batman vs Superman"
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Ein weiterer Grund fürs Verstummen unserer Helden: Die Synchronisierung eines Films kostet Zeit, ausländisches Personal und vor allem Geld. Leaks und Raubkopien sind wahrscheinlicher, wenn Filme durch viele Hände und über Ländergrenzen hinweg bearbeitet werden müssen. Schon heute ist es bei Blockbustern deswegen Usus, nur ausgeschnittene Dialoge oder gepixelte Szenen ohne erschließbaren Zusammenhang an Synchronstudios weiterzugeben.

Nicht zu vergessen das Syndrom, an dem das amerikanische Kino schon seit Jahren leidet: dem Sequeling. War die Geschichte einmal erfolgreich, folgen Teil 2, 3 und 4 mit Sicherheit. Ob "Jason Bourne", "The Huntsman: Winter’s Game", "Alice through the Looking Glass", "Terminator", "Mission Impossible", "Star Trek" oder "Transformers". Hollywood scheint in der Wiederholung gefangen. Dialoge, die Welten erklären oder Figuren einführen? Überflüssig, ist ja alles schon bekannt.

(Bild: Giphy )

Oder wie Matt Damon, angesprochen auf die Sprachlosigkeit des jüngsten Bournes, es fasst: "Well, I’ve done it three times."

Doch langsam scheint das Heimat-Publikum genug davon zu haben: In diesem Jahr floppten viele der Sequels. (Hollywood Reporter) Ob das mehr Originale – und vor allem: mehr Dialoge - zur Folge hat, bleibt allerdings abzuwarten.

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So hat J.K. Rowling ihren Harry Potter gezeichnet

Harry Potter sieht aus wie Daniel Radcliff mit Brille. Klar, nach acht Verfilmungen hat jeder von uns ein klares Bild vom Zauberschüler.

Aber es gab auch eine Zeit vor den Filmen, alte Buchcover zeigen ganz eigene Interpretationen von Harry. Auf Pottermore tauchen Zeichnungen von J.K. Rowling selbst auf – und zeigen Harry und die Welt von Hogwarts so, wie die Autorin sie sich erträumt hatte.

Rowling hat Skizzen von Harry, den Dursleys, Quidditch-Spielen und Dumbledore angefertigt.

Hier sind die besten Zeichnungen: