Bild: DC/Warner Bros; Montage: bento
Dabei war gerade "Wonder Woman" eigentlich weiter

"Wonder Woman" war ein Lichtblick. Als die Comic-Verfilmung im Juni in die Kinos kam, machte sie viel richtig: Die dienstälteste Superheldin wurde als selbstbewusste, starke Frau gezeigt, bei der im Sprint auch mal ein Oberschenkel cellulite-verdächtig zitterte. 

Wonder Woman, das ist eine griechische Amazone und auch wenn diese Kämpferinnen vermutlich irgendeiner Männerfantasie entsprungen sind – im Comic-Original hatte der Stamm immer angenehm selbstbestimmt und selbstbewusst gewirkt. 

Das war auch in den Film transportiert worden, selbst bei kleinen Details wie den Outfits zum Beispiel. Die Garderobe der Amazonen war nicht bauchfrei, nicht zu knapp und nicht gnadenlos-peinlich auf sexy getrimmt.

Nun ist Wonder Woman wieder im Kino zu sehen – in dem Superhelden-Team-up "Justice League". Und plötzlich sind viele Amazonen halbnackt. 

Das ist ein großer Rückschritt für den DC Verlag, der die Comics rund um "Wonder Woman" und "Justice League" verfilmt. 

Klar, Sexismus in großen Hollywoodproduktionen ist keine wirkliche Überraschung. Was aber überrascht, ist, dass die DC-Produzenten aus dem unerwarteten Erfolg von "Wonder Woman" im Sommer offenbar nichts gelernt haben. Denn der große Zuspruch war ein Hinweis darauf, dass man dem Publikum durchaus gut durchdachte Geschichten, vielschichtige Frauencharaktere und ein Abweichen von der Hollywoodnorm zumuten kann. Mehr noch, dass es den Zuschauern gefällt.  

DC ist eine der erfolgreichsten Comic-Verlage der Welt – und bringt seit 2013 seine Helden in einer neuen Reihe in die Kinos. Die Filme sollen ein Gegenentwurf zum ewigen Konkurrenten Marvel sein, der bereits vor knapp zehn Jahren ein eigenes Comic-Kinouniversum mit Iron Man, Captain America & Co. gestartet hat. 

Während die Marvel-Filme von Erfolg zu Erfolg eilen, scheitern die DC-Filme an der Kinokasse. 

"Wonder Woman" war dann plötzlich der erste Ausbrecher.

Der Film ist im Umgang mit Frauen angenehm entspannt. Während männliche Superhelden oft in ewig gleichen Posen heroisch in der Landschaft herumstehen, wälzt sich Wonder Woman im Dreck. 

Es gilt einen Schurken zu besiegen und die Welt zu retten – schön aussehen kann man später. 

Hinter dem Erfolg steckt vor allem Regisseurin Patty Jenkins, die die Superheldin in den Mittelpunkt rückte, ohne sie dabei zu überhöhen. Und die eine starke Frauenrolle schaffen konnte, ohne dabei die Männer im Film zu Witzfiguren umzudeuten. Umgekehrt geht das in Hollywood oft schief: Wenn Männer einen Film dominieren, sind die Frauen oft nicht mehr als schönes Beiwerk in Nöten. 

Die neuen knappen Outfits in "Justice League" zeigen: Jetzt ist wieder alles beim (oder bei den) sexistischen Alten.

Der Fortschritt bei "Wonder Woman" wirkt wie eine feministische Eintagsfliege, eine PR-Nummer – was mindestens unfair ist und weder der Film noch seine Macherinnen verdient haben.

In "Justice League" stellt Batman (Ben Affleck) ein Team von Superhelden zusammen, um die Erde vor einer außerirdischen Bedrohung zu schützen. Aquaman (Jason Momoa) und Flash (Ezra Miller) sind unter anderem mit dabei, und eben Wonder Woman (Gal Gadot).

So weit, so superhelden-gewöhnlich.

Spoiler-Warnstufe orange

Wir verraten hier etwas über die Serie oder den Film. Nicht das komplette Ende. Nicht die Mörder-Überraschung. Falls du dich aber ärgerst, wenn wir hier gleich Ereignisse vorwegnehmen: Lieber erst anschauen und dann hierher zurückkommen.

Im Film tauchen neben Wonder Woman auch andere Amazonen auf. In einer kurzen Szene werden sie auf ihrer griechischen Insel angegriffen, es kommt zum Schlagabtausch mit den Eindringlingen. 

Für diese Kampfszenen wurden die Kostüme geschneidert, die nun für Empörung sorgen. Einige Fans sagen, sie sind deutlich knapper als zuvor – ein Rückschritt. 

Der Vorwurf: Nur Männer waren am Entstehen des Filmes beteiligt. Mal wieder, denn nicht nur in der Comic-Branche sind Frauen immer noch massiv unterrepräsentiert. (bento)

Allgemein sieht es in der amerikanischen Filmbranche in Sachen Gleichberechtigung schlecht aus. Cutter, Kameramänner, Regisseure – alles Männer dominierte Segmente. Was man dann wiederum in den Produktionen merkt. (bento)

Die Art und Weise, wie Superhelden in diesem Film dargestellt werden, ist allgemein recht merkwürdig.

Auch die Männerkörper werden in "Justice League" auffällig häufig zur Schau gestellt.

Ein paar Beispiele (Achtung, hier gibt's richtig starke Spoiler, die die Handlung des Films erklären):

Aquaman (Jason Momoa) ist mehrmals mit freiem Oberkörper zu sehen – okay, er ist ein Meermann. Aber er zieht auch blank in Momenten, wo er nicht müsste.
In einer Szene steigt er für einen Tauchgang ins Wasser – zieht aber vorher fotogen das Oberteil aus. Die Jeans lässt er zum Schwimmen aber an.
Superman (Henry Cavill) wird im Film wiederbelebt. Zuerst liegt er in seinem Totenanzug da – dann ist er nach der Reanimation plötzlich oberkörperfrei.
Für mehrere Minuten bleibt er halbnackt. Erst als seine Mutter auftaucht, hat der gute Junge wie aus dem Nichts ein Flanell-Hemd an.
1/12

Klar, Aquaman gehört ins Wasser – aber was soll die Botschaft sein, wenn immer nur sein Bizeps oder sein unbekleideter Body im Bild ist? DC packt "Justice League" mit schönen Menschen voll, anstatt sich wirklich für die Entwicklung der Charaktere zu interessieren. Oft stehen sie einfach nur heldenhaft in der Gegend rum – während die Kamera an ihren Waden und Hintern entlangfährt. 

Das hat leider eher weniger mit gutem Storytelling oder guter Unterhaltung zu tun. 

Mit dem Körperfetisch geht der Film noch weiter vom Comic-Ursprung weg. Zwar werden Superhelden schon immer sehr athletisch gezeichnet. Dass sie in ihren Outfits halbnackt und mit 90-60-90-Figur rumlaufen mussten, war aber nicht immer der Fall. (Geek.com)

(Bild: DC Comics)

Immerhin: Die Fortsetzung von "Wonder Woman" könnte wieder besser werden. Nachdem mehrere Frauen Belästigungsvorwürfe gegen den Produzenten erhoben hatten, geht es nun ohne ihn weiter:


Gerechtigkeit

Genial: Mit einem Kartenspiel soll Trumps Mauerbau verhindert werden
Cards against Humanity against Trump

Wenn die Politik zur Satire wird, muss eben die Satire Politik machen. So haben sich das sicher die Macher der schwarzhumorigen Kartenspiels "Cards Against Humanity" gedacht. Die Firma hat jetzt ein Grundstück entlang der amerikanisch-mexikanischen Grenze gekauft. 

Warum? Um es der Trump-Regierung "so zeitaufwendig und teuer wie möglich zu machen", dort eine Grenzmauer zu bauen. 

Das gab die Firma jetzt bekannt. Mehr noch: Sie will Mini-Grundstücke der Mauerzone weiterverkaufen.