Bild: ARTE Mediathek

Over The Rainbow" und "Have Yourself A Merry Little Christmas" sind jetzt wieder an Weihnachten wieder oft zu hören – die Frau hinter der großartigen Stimme ist Judy Garland. Die Sängerin und Schauspielerin war zu ihrer Zeit ein so großer wie Popstar wie heute vielleicht Beyoncé. Judy Garland hatte diese Anziehungskraft, die nur von Menschen mit Persönlichkeit ausgeht. Wenn Garland sang, wusste man: Das ist echt.

Der spätere Hollywoodstar wird 1922 als Frances Ethel Gumm in Minnesota geboren. Sie war erst zwei Jahre alt, als es mit ihrer Karriere losgehen sollte. Judy konnte frei heraus "Jingle Bells" singen, also schickte ihre Großmutter die Kleine eines Abends auf die Theaterbühne ihres Vaters.

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In der Arte Mediathek ist aktuell eine Dokumentation von Annette Baumeister und Jobst Knigge über die Karriere der Sängerin zu sehen, die von ihren ersten Theateraufführungen bis zu unvergessenen Auftritten wie in “A Star Is Born“ führt.

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Wenn jemand für die Bühne gemacht war, dann wohl Judy. So schien es zumindest für die breite Öffentlichkeit. In Wirklichkeit steckte der Ehrgeiz einer Mutter dahinter, die selbst nie genug Talent hatte. “Ich sang Jingle Bells und niemand sagte mir, dass ich aufhören sollte, niemand fragte nach meinen Bedürfnissen“, wird sich die ältere Garland später dazu äußern. Ihre beiden Schwestern waren ebenfalls Sängerinnen, doch diese ganz besondere Stimme gehörte Judy. Das merkte auch die Mutter.

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Sie nahm Judy nach ihrem Umzug von Grand Rapids mit in die großen Theater von Los Angeles. Die Familie musste weg aus Minnesota, weil sich der Vater an kleine Jungs rangemacht hatte. Die Homosexualität ihres Vaters war seither ein offenes Geheimnis. Er starb, als sie ein Teenager war. „Jetzt bin ich alleine. Niemand steht hinter mir“, erinnerte sich Garland.

Das musikalische Bestreben stand seit jeher im Vordergrund. Judy war nach der Schule oft müde. Und wenn Judy müde war, musste man sie wieder fit bekommen. Mit Aufputschmitteln, die sie später nicht schlafen lassen würden. Dagegen gab es Schlaftabletten. Es waren die Anfänge ihrer Drogenkarriere.

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32 Filme, 30 TV-Shows, 500 Radioauftritte und 1100 Konzerte absolvierte sie. Ihre Autobiografie bleibt unvollendet, es sind nur wenige Tonbänder erhalten. Die nimmt sie auf, wenn sie alleine ist: „Ich ärgere mich über diese Maschine. Das ist wohl das Dümmste, was ich je gemacht habe.“

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Judy Garland war 16 Jahre alt, als sie mit ihrer Verkörperung von Dorothy in “Der Zauberer von Oz“ zum Weltstar wurde. Es war die Rolle ihres Lebens.

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„Over the Rainbow“, das sie erstmals im Film singt, kennen auch spätere Generationen noch. Die Hymne für Menschlichkeit und Toleranz machte sie zu einer der ersten Ikonen der Schwulenbewegung. „Judy hatte einen großartigen Sinn für Humor. Sie lachte über alles und jeden. Nur nicht über Over the Rainbow. Das war ihre Religion“, sagt Garland-Biograf Gerald Clarke in der Dokumentation.

Zum 75. Jahrestags des Film hat sich auch Alecia Moore an dem Titel versucht.

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Es ist ein Lied ohne Ende, ohne Fazit. Der Track vermittelt viel mehr ein Gefühl von: Es ist egal, was mir passiert. Ich muss weitermachen.

Nicht alle waren mit Judys natürlichem Aussehen einverstanden. Man nannte sie die kleine Bucklige. Ihre Zähne wären nicht gerade, die Augen zu weit auseinander. Sie nahm leicht zu, was bei einer Körpergröße von 1,51 sofort zu erkennen war. Sie sollte Gewicht abnehmen und bekam: wieder Pillen, unter anderem Speed. Aufgeputscht und runtergeholt. Als sie Dorothy spielte, wurden ihr die Brüste abgebunden, um sie weniger weiblich wirken zu lassen.

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Sich heute vorzustellen, wie berühmt Judy Garland war, ist schwer. Sie war nicht nur Sängerin, sondern auch Comedian und Schauspielerin. Eine Schönheit, so heißt es in der Dokumentation, war sie nicht. Darunter habe sie Zeit ihres Lebens gelitten.

Sie träumte von Männern, die sie schön und lustig fanden. Judy verliebte sich sehr schnell, in Schauspieler und andere berühmte Leute. 1941 heiratet sie David Rose, einen bekannten Komponisten. Sie wird schwanger, aber die Mutter und ihr Studio beschließen: Das Kind muss weg. Dabei liebte Judy Kinder. Garland wurde gegen ihren Willen zu einer Abtreibung nach Los Angeles gebracht. Die Ehe wird geschieden, es folgen zahlreiche Affären und vier Ehen.

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Selbst wenn ihre Drogenprobleme die Arbeit von Zeit zu Zeit behinderten: Meet Me In St. Louis (1944) wird ein weltweiter Erfolg.

Sieben Jahre später heiratet sie Sidney Luft. Später werden Zeitzeugen sagen, dass er die Art von Mann war, den sie die ganze Zeit gesucht hat. Supermaskulin, jemand, der für sie kämpft. Er half Judys Karriere wieder zu beleben. Sie drehte einen weiteren Film: „A Star Is Born“.

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Als ihre Karriere Ende der 1940er Jahre nicht mehr so wirklich in Schwung kommen möchte, ist die Bühne ihre Rettung. Die Ehe mit Sid wird ebenfalls nach zehn Jahren geschieden. Judy selbst äußert sich nicht gerade freundschaftlich: „Sid Luft ist ein Tier und ich sage der Welt wann immer ich kann: Er ist ein Dieb, ein Sadist. Ein Mann, der sich um keine andere lebende Seele schert.“

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Judy Garland war eine der ersten starken Frauen, die ursprüngliche Version von Beyoncé oder Adele. Ohne sie wären Songs aus dem Liebesgenre nicht das, was sie heute sind. „The Man That Got Away“ aus „A Star Is Born“ gilt nicht umsonst als Standardrepertoire. Mit dieser Rolle wird Garland 1955 erstmalig für den Oscar nominiert.

Am 22. Juli 1969 stirbt Judy an einer Tablettenüberdosis in London. Sie wird 47 Jahre alt.

Für die Kunst, für den Auftritt alles zu geben, das kostet einen hohen Preis. Judy Garland war eine Künstlerin, deren Schaffen bis heute Gänsehaut bereitet.