Bild: Constantin Film Verleih GmbH / Christoph-Assmann
Jella Haase erzählt, wie sie wurde, was sie ist.

Bibi und Tina

(Bild: Kiddinx)

"Als Kind war ich ein riesiger Fan von 'Bibi und Tina'; ich hörte die Kassetten jeden Abend vor dem Einschlafen. Einmal – ich war acht oder neun Jahre alt – lag ich mit meiner kleinen Schwester im Hochbett, ich oben, sie unten. Ich hatte einen Walkman, meine Schwester nicht. Also sprach ich die Dialoge für sie mit und imitierte dabei die Tonlagen der einzelnen Charaktere. Im Nachhinein glaube ich: Das war mein erster Kontakt mit der Schauspielerei.

Ich war schon als Kind sehr kameraaffin. Immer wieder trommelte ich meine Freunde zusammen und überredete sie, Aufführungen mit mir zu spielen: Ich war die Zirkusdirektorin, die anderen mussten machen, was ich wollte. Unsere Eltern mussten uns dabei filmen.

Mir war schon früh klar, dass ich Schauspielerin werden wollte. Zwischendurch schrieb ich in Freundebücher auch mal Astronautin als Traumberuf. Oder Bankangestellte; irgendwie sehnte ich mich früher danach, spießig zu sein – und die adretten Kostüme gefielen mir. Schauspielerin war letztendlich aber die bessere Wahl, ich bin sehr schlecht in Mathe."

Hermine Granger

(Bild: dpa/Film Warner)

"Als der erste 'Harry Potter'-Film in die Kinos kam, war ich neidisch auf Emma Watson. Ich dachte mir: Oh man, das würde ich auch gerne machen. Denselben Wunsch hatte ich bei anderen Filmen: Bei 'Pünktchen und Anton' wollte ich unbedingt Pünktchen sein; bei dem Bibi-Blocksberg-Film wollte ich Bibi Blocksberg sein.

Schon in der Schule spielte ich Theater. Ich sollte eigentlich ein Musikinstrument lernen, probierte alle möglichen Instrumente aus – war aber total untalentiert. In meiner Schule in Berlin-Neukölln gab es auch eine Theatergruppe, da rutschte ich irgendwie rein.

Später machte ich ein Schülerpraktikum beim ZDF-Morgenmagazin. In den Redaktionssitzungen schlief ich immer ein; 5 Uhr morgens, das ist absolut nicht meine Zeit. Aber zumindest hatte ich dort mit Kameras zu tun, das fand ich toll.

Mit 15 bewarb ich mich bei einer Schauspielagentur. Ich wurde zum ersten Casting eingeladen, dann zum zweiten; eine Woche später kam der Anruf, dass sie mich gerne aufnehmen würden. Ich bin bis heute bei der gleichen Agentur."

Ari in "Lollipop Monster"

(Bild: Aries Images)

"'Lollipop Monster' war mein erster Kinofilm. Ich las das Drehbuch und wusste: Das will ich unbedingt machen. Leider ist der Film damals ein bisschen untergegangen; eigentlich hatte er Potenzial, eine richtig schöne Coming-of-Age-Geschichte.

Der Dreh war eine spannende, wilde Zeit. Meine Schauspiel-Kollegin Sarah Horváth und ich wohnten zusammen in einer Wohnung in Köln. Wir waren so unbedarft, machten das alles einfach, ohne lange nachzudenken. Bis heute gehört Sarah zu meinen besten Freundinnen.

Ari ist ein pubertierendes Mädchen, das ihre Eltern verachtet und sich gegen sie auflehnt. Meine Pubertät war nicht ganz so schlimm: Klar, ich rebellierte gegen meine Eltern, kämpfte um meine Freiheiten, aber nicht so extrem. Trotzdem flogen bei uns zuhause oft die Fetzen; meine Schwester und ich waren beide anstrengende Teenager.

Einmal musste mich meine Mutter bei der Polizei abholen. Sie hat total cool reagiert, war frech zu den Polizisten – und ging am nächsten Tag mit mir auf ein Patti-Smith-Konzert. Das hat mich geprägt: Ich wusste, wenn ich wirklich mal Mist baue, kann ich mich auf meine Eltern verlassen.“


Svenja in "Kriegerin"

(Bild: dpa/Ascot Elite Filmverleih/Alexander Janetzko)

"Auch bei 'Kriegerin' las ich das Drehbuch und dachte: Boah krass! Ich kriege oft Drehbücher, die falsche Vorstellungen wecken. 'Kriegerin' ist realistisch, ehrlich, knallhart; das hat mich sofort überzeugt.

Ich bin stolz, Teil eines solchen Films zu sein. Ich glaube, er war wichtig und richtig – und er war ein Vorreiterfilm. Er hat sich mit der Neonazi-Szene beschäftigt, als der NSU-Terror gerade ans Licht kam; deshalb war der Film hochaktuell. Der Regisseur David Wnendt hatte schon drei Jahre vorher in der Szene recherchiert.

Ich hatte keine Probleme, mich in die Rolle von Svenja einzufinden. Das lag vor allem an David: Er ist einer der stärksten Regisseure, mit denen ich je zusammengearbeitet habe. Er flüsterte mir immer ins Ohr, dass ich die Szenen mit einem Ziel spielen sollte; das löste in meinem Kopf total viel aus. Es kommt nicht oft vor, dass man inszeniert wird, ohne es zu merken."

Chantal in "Fack ju Göhte"

(Bild: Constantin Film Verleih GmbH / Christoph-Assmann)

"Manchmal wäre ich gern so selbstüberzeugt wie Chantal. Ich bin zwar relativ selbstsicher – aber sie ist schon echt mutig. Ich habe überhaupt kein Problem damit, dass die jungen Leute mich mit Chantal identifizieren. Es ist einfach so: Durch Chantal bin ich der breiten Masse bekannt geworden. Ich hätte nie gedacht, dass die Rolle so angenommen wird.

'Fack ju Göhte' war eine ganz neue Erfahrung für mich: Ich spielte neben Menschen, die damals schon berühmt waren. Ich schwärmte für Karoline Herfurth, Elyas M’Barek kannte ich aus 'Türkisch für Anfänger'. Das sind Menschen, zu denen ich immer aufgeschaut hatte.

Schauspielerisch brachten mich die beiden Filme total weiter. Ich war nie auf einer Schauspielschule, aber ich lerne viel von den Menschen, mit denen ich spreche und mit denen ich zusammenarbeite. Katja Riemann zum Beispiel, sie ist brilliant: Ich guckte mir so viele Dinge von ihr ab."

Lara in "4 Könige"

(Bild: Port au Prince Pictures)

"Ich spiele sowohl Komödien wie 'Fack ju Göhte' als auch Dramen wie '4 Könige' gern, aber ich glaube, dass mir Ernstes mehr liegt. Ich fühle mich darin sicherer, einfach weil ich schon mehr Erfahrungen gesammelt habe. Würde ich mehr Komödien drehen, wäre es wahrscheinlich umgekehrt. Lustig zu sein ist schwierig; da herrscht oft ein viel krasserer Druck.

'4 Könige' ist zwar ein Drama, aber ich finde, dass die Rolle der Lara auch witzig ist. Sie ist ein sehr sprunghaftes Wesen; sie kann total nett sein und im nächsten Moment richtig fies. Genau das war die Schwierigkeit an der Rolle: diese Sprunghaftigkeit darzustellen.

Lara hat Charakterzüge, die ich von mir selbst kenne: Ich bin anderen Menschen gegenüber sehr offen, kann mich aber auch schnell abwenden – genau wie Lara. Oder dieser Wunsch, geliebt zu werden, das kenne ich natürlich auch von mir selbst."