Bild: Neo Magazin Royale

2016 gab es in Deutschland ganze 3,16 Milliarden Paketsendungen, mehr als 10 Millionen Pakete wurden pro Tag umgeschlagen – für das Jahr 2017 wurden ganze 3,34 Milliarden Paketsendungen geschätzt. (SWR)

Der Online-Handel boomt und der Druck auf Paketzusteller steigt. Wie schlimm es wirklich ist, hat Jan Böhmermann in seinem "Neo Magazin Royale" am Donnerstag gezeigt. 

Die Kritik von Jan Böhmermann bekommt vor allem DHL ab.

Dort müssten die Paketboten pro Tag 250 Pakete ausliefern, für jedes Paket hätten sie rund drei Minuten Zeit, sagt Böhmermann. Um all das zu schaffen, setze DHL auf ein bestimmtes Mitarbeitersystem. Dieses System erklärt er folgendermaßen:

"Es gibt Premiumzusteller, die bei der Post AG beschäftigt sind und die verdienen ganz gut und sind happy – und dann gibt es noch Paketzusteller, die für die Tochtergesellschaft der Post, 'DHL Delivery', arbeiten. Die machen exakt den gleichen Job, im gleichen Outfit, bekommen aber viel weniger Geld."

DHL-Zusteller bekommen demnach bis zu 1200€ weniger Gehalt als die Kollegen von der Post AG, müssen aber mehr arbeiten und bekommen dazu auch noch weder Weihnachts- noch Urlaubsgeld. Bei DHL-Delivery-Zustellern handelt es sich laut Böhmermann um "Mitarbeiter zweiter Klasse".

Es wird aber noch schlimmer.

Die Post AG arbeitet außerdem mit Subunternehmern zusammen – die haben keine DHL-Logos auf ihren Transportern. Für Post AG und DHL habe die Zusammenarbeit mit Subunternehmern folgende Vorteile:

  • Sie müssen direkt keine Mitarbeiter einstellen.
  • Sie müssen keine Fahrzeuge kaufen.
  • Sie sparen sich die Versicherungskosten für Mitarbeiter.

Die Subunternehmer übergeben ihre Arbeit oft an Subsubunternehmer, weil diese noch günstiger arbeiten – die Subsubunternehmer setzen wiederum auf freie Leiharbeiter

Das Gehalt: deutlich unter dem Mindestlohn.

Die freien Leiharbeiter kommen höchstens auf 6,50€ pro Stunde, der Mindestlohn liegt derzeit bei 8,84€ pro Stunde (DGB). Oft bekämen die Zusteller aber sogar nur 3 oder 4 Euro pro Stunde.

Was sagt eigentlich DHL dazu?

Gegenüber dem "Neo Magazin Royale" sagte das Unternehmen:

"Die Servicepartner werden (...) in Bezug auf die Arbeitsbedingungen bereits bei der Ausschreibung verpflichtet, alle gesetzlichen Regelungen, wie explizit auch das Mindestlohngesetz, zu beachten. Wir lassen uns dies bei Vertragsabschluss durch den jeweiligen Auftragnehmer schriftlich bestätigen."

Bei anderen Paketdiensten sieht es nicht besser aus.

Laut der Gewerkschaft "ver.di" wird in der gesamten "Paketbranche mit Subunternehmen und prekären Beschäftigungsverhältnissen gearbeitet". Das sei "mit Blick auf die schwere und verantwortungsvolle Arbeit der Zusteller völlig unangemessen". (ver.di)

Online-Lieferdienste stehen ebenfalls in der Kritik.

Auch die Lieferdienste "deliveroo" und "Foodora" bekamen im "Neo Magazin Royale" ihr Fett weg. Erst im April hat die Aktion "Arbeitsunrecht" mehrere Vorwürfe gegen "deliveroo" erhoben:

  • Der Lieferdienst verhindere bewusst die Gründung von Betriebsräten.
  • Viele müssten ihr eigenes Fahrrad mitbringen und es immer wieder auf eigene Kosten reparieren. 
  • Viele Verträge liefen nur wenige Monate und die Arbeitnehmer hätten keinen Anspruch auf Urlaubs- oder Krankengeld.
  • Oft verdienten die Mitarbeiter – wie bei den Subsubunternehmern von DHL – weniger als den Mindestlohn, wenn sie sich selbst versicherten – viele verzichteten deshalb auf die Absicherung.

Böhmermann fasst die Situation der Paketzusteller und Lieferanten zum Schluss mit einem Lied zusammen. Die als DHL-, Hermes-, deliveroo- und Foodora-Mitarbeiter verkleideten Sänger singen unter anderem:

Bringe im Schneesturm auf Kommando Bikinis von Zalando. Auch wenn man mir’s nicht ansieht, ich wohne im Ford Transit.
Wenn Sushi an der Türe läutet, werden Menschen ausgebeutet.
Ich bin kein Mensch, ich bin kein Tier – nein, ich bin Paketkurier.

Hier gibt es den ganzen Beitrag:


Gerechtigkeit

Dieser Künstler zeigt mit seinen Collagen, wie eng Leid und Luxus auf der Welt zusammenhängen

Die Welt wächst zusammen, im Guten wie im Schlechten. Handelswege verknüpfen die Länder über die Welt hinweg, durch das Internet finden Menschen aus allen Kontinenten blitzschnell zusammen.

Gleichzeitig sind Kriege längst keine Grenzkonflikte mehr, sondern Ereignisse, die Länder aus aller Welt miteinander verweben – egal, ob es um Waffenlieferungen oder um Aufbauhilfen geht. Und die Menschen, die vor diesen Kriegen fliehen, kommen längst nicht mehr nur in Nachbarländern an.

Doch was Globalisierung wirklich heißt – welche Auswirkungen unser Handeln hat – können wir uns oft kaum vorstellen.

Der Künstler Uğur Gallenkuş zeigt es uns mit einfachen, aber schmerzlichen Bild-Collagen. Uğur veröffentlicht auf Instagram Bilder, die die heile Welt des Westens mit dem Chaos im Nahen Osten zusammenbringen. Luxus trifft da auf Zerstörung, Konsum auf Hunger.

Seine Collagen kombinieren Pressebilder völlig unterschiedlicher Ereignisse, die dann doch irgendwie zusammenhängen. Eine Szene von sich prügelnden Menschen im Winterschlussverkauf geht fließend über in Tausende Syrer, die in einer zerbombten Kulisse auf Hilfslieferungen warten.