War da eigentlich was? Nach wochenlanger Sendepause gibt es eine neue Ausgabe: Das “Neo Magazin Royal” mit Jan Böhmermann macht da weiter, wo es aufgehört hatte. Vielleicht mit ein paar mehr Zuschauern als vorher.

Das rassistisch aufgeladene Gedicht über den türkischen Staatspräsidenten Erdogan? Die willfährige Bundeskanzlerin, die ein Strafverfahren gegen Böhmermann zuließ? Das schwebende Verfahren? Allgegenwärtig, aber gut verpackt. Was von der ersten Sendung nach der “Chillax-Pause” bleibt:

1. Schlechte Gags

Darf man alles sagen, wenn man es nicht so meint? Nachdem sich das gesamte deutsche Feuilleton und weite Teile der Jurisprudenz über die Freiheit von Meinungen, Witzchen und Satiresendungen ausgelassen haben, trägt Böhmermann von Zuschauern eingeschickte Gags vor:

Olympia startet bald in Brasilien und die Brasilianer planen einen Sexpark in der Nähe von Sao Paulo. Sexpark, oder wie man hier in Köln sagt: Hauptbahnhof.
Johannes A.

Nur, um schnell hinterherzuschieben: “Ich mache keine Rape-Jokes, ich bin nicht so wahnsinnig.” Jaja.

Was ist der Unterschied zwischen Chinesen und Rassismus? Rassismus hat viele Gesichter.
Kerstin K.

Hohoho, freut sich das Publikum. Da wird man doch wohl noch lachen dürfen.

2. #verafake

Das Highlight der Sendung: Böhmermann und eine Mitarbeiterin erzählen, wie sie die RTL-Kuppelshow “Schwiegertochter gesucht” reingelegt haben wollen. Der “einsame Eisenbahnfreund” Robin, 21 Jahre, und sein Vater sind Schauspieler. Sie tun so minderbemittelt wie die mutmaßlich echten Kandidaten im Fernsehen rüberkommen.

Ein heimlich gefilmtes Treffen der Schauspieler mit dem “Schwiegertochter”-Team zeigt, wie Moderatorin Vera Int-Veen für ihre RTL-Sendung Menschen über den Tisch zieht und ausnutzt: Robin und sein alkoholkranker Vater unterschreiben einen Vertrag, obwohl sie zu erkennen geben, dass sie ihn nicht verstehen.

Bei den Dreharbeiten legt das Team "Schwiegertochter" noch einen drauf: Die Schauspieler werden zu neuen Höchstleistungen getrieben. Mehr Drama, Tränen, Kitsch, es geht immer noch krasser. Noch schiefer lächeln vor noch mehr Schildkröten. Böhmermann trasht lustvoll das Trash-TV.

Das ist nicht nur ein weiterer Medien-Hack. Der falsche Chinese bei Stefan Raab war lustig und letztendlich harmlos. Der Varoufakis-Finger war richtig hinterhältig. Mit dem #verafake gelingt relevante Kritik, auf die sich alle einigen können. Kollege Marc Röhlig wäre stolz auf dieses hochpolitische “Neo Magazin Royal”.

3. Easy, Peasy, Gregor Gysi

Für das letzte Drittel kommt wie so oft ein prominenter Talkgast. Der Linken-Politiker Gregor Gysi ist Talkshow-Profi und bringt seine eigenen Gags mit. Er hält seinen Wahlkreis, Berlin Treptow-Köpenick, für den schönsten Bezirk überhaupt, kann mit so viel Lokalpatriotismus aber im Studio König in Köln nicht punkten. Aber wenn keiner lacht, übernimmt Gysi eben auch und das.

Rinder züchten, Samen melken, Hornochsen aushalten. Haha, jaho, soso. Das Erdogan-Gedicht fand er nicht so dolle, auch wenn der Kurden zerbombende Präsident kritisiert gehört. Böhmermann hält sich die Ohren zu und tut so, als hätte er wieder nichts mit alldem zu tun. Geschickt gelöst – dann ist aber auch die Luft raus. Ein kleines Spielchen geht lustlos zu Ende, weil Gysi seinen Humor nicht getroffen findet.

4. Dendemann

Junge, Junge. Show-Rapper Dendemann und Band können richtig gut sein – so wie damals der erste Auftritt nach der Sommerpause zum Beispiel:

Das war mächtig, lustvoll, nach vorne. Und wo wir schon dabei sind: Auch diese Einlage ist grandios, diese hier ebenso. Schnell gucken und den aktuellen Auftritt gnädig vergessen.

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