Bild: Disney/dpa; Montage: bento
Was drin steht, was den Fall schwierig macht – sechs Antworten

Der Regisseur der "Guardians of the Galaxy"-Filme, James Gunn, hat in seiner Vergangenheit sexistische Tweets gepostet. Der Filmkonzern Disney, der die "Guardians" verantwortet, hat ihn gefeuert.

Nun stellen sich Chris Pratt, Dave Bautista und der Rest des Casts in einem offenen Brief hinter James Gunn.

Sie sagen: Steht zu ihm, er ist nicht mehr der gleiche wie früher. In Hollywood ist damit ein Meinungskampf um Schuld und Vergebung entstanden – und um Donald Trump. Denn längst geht es um mehr als nur James Gunn.

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Was ist passiert?

James Gunn ist mit den "Guardians of the Galaxy"-Filmen richtig berühmt geworden, war aber auch schon früher als Regisseur und Drehbuchautor unterwegs. Er galt damals als ein "enfant terrible" in Hollywood, also einer, der gerne provoziert. 

In diese Rolle hatte er geschmacklose Tweets mit Witzen über Vergewaltigungen und Pädophilie abgesetzt. Diese wurden nun bekannt, Disney feuerte den 51-Jährigen daraufhin vergangene Woche. (bento)

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Was sagen jetzt Chris Pratt & Co.?

Die "Guardians of the Galaxy" sind ein Superheldenteam aus dem Hause Marvel. Alle Hauptdarsteller haben nun gemeinsam einen Brief unterzeichnet, mit dem sie Gunn stärken. 

Es sind Chris Pratt (Star-Lord), Zoe Saldana (Gamora), Bradley Cooper (Rocket), Vin Diesel (Groot), Dave Bautista (Drax), Pom Klementieff (Mantis), Karen Gillan (Nebula), Michael Rooker (Yondu) und Gunns Bruder Sean Gunn (Kraglin).

Veröffentlicht wurde der Brief auf der Instagram-Seite von Chris Pratt. Er schreibt:

Auch wenn ich James Gunns unangebrachte Witze von vor ein paar Jahren nicht unterstütze – er ist ein guter Mann.
Chris Pratt

Pratt schreibt weiter, das Team wollte sich nach dem Rauswurf von James Gunn zunächst bewusst Zeit nehmen, um nachzudenken und erst mal zuzuhören. Nun sei es an der Zeit, das Wort zu ergreifen. Gunn habe aus seiner Vergangenheit gelernt. Wie er sich jetzt verhalte, zeige, wie er wirklich ist. Damit spielt Pratt darauf an, dass sich Gunn mittlerweile entschuldigt hat.

Das gespaltene Klima in den USA zeige, wie leicht Menschen an den Pranger gestellt werden. Aber Pratt hofft, dass Gunn den dritten Teil der "Guardians of the Galaxy" drehen darf und er keine "Hinrichtung" erleben muss.

Das ist das Statement:

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Was stand in den Tweets von James Gunn?

Die sind auf Gunns Twitter-Seite nicht mehr zu finden. Aber es gibt archivierte Versionen. Er schrieb demnach unter anderem:

  • "Ich mache gerade eine große Hollywood-Verfilmung von 'Der freigebige Baum' (Kinderbuch, Anm. d. Red) mit einem Happy End – der Baum wächst zurück und gibt dem Kind einen Blowjob."

Hier ist die Sammlung

Gunn selbst distanziert sich heute von seinen Tweets von damals. Er habe nie Gewaltfantasien oder Pädophilie wirklich ausgelebt, den Humor teile er auch nicht mehr. 

Ich habe mich als Persönlichkeit weiterentwickelt. Ebenso haben sich meine Arbeit und mein Humor weiterentwickelt.
James Gunn

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Wie kamen die Tweets ans Licht?

Die meisten der beanstandeten Sprüche stammen aus den Jahren 2008 bis 2011. Die Nachrichtenseite "Daily Caller" hat sie ausgegraben. Die Seite gilt als Plattform für Rechtspopulisten und die "White Supremacy"-Szene. 

Im jüngsten US-Wahlkampf stand die Redaktion auf Seiten Trumps, den Klimawandel leugnet der "Daily Caller", immer wieder werfen Beobachter der Seite Hetze und Falschmeldungen vor. Das auf Rechtsextremismus spezialisierte Forschungszentrum "Southern Poverty Law Center" schreibt, der "Daily Caller" ermutige mit seiner Arbeit Rechte zur Gewalt.

James Gunn gilt als Kritiker von Donald Trump. Mit der Veröffentlichung hat der "Daily Caller" eine Empörungswelle gestartet, der sich auch andere konservative Seiten anschlossen. Disney, das viel Wert auf christliche Zuschauer legt, reagierte rasch.

Das sind übrigens die Darsteller im Kino-Universum von Marvel:

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Warum ist das wichtig?

Die Tweets sind unangenehm – und sie ins richtige Licht zu rücken, ist wichtig. Gunn hat das getan. Aber Hollywood streitet nun darüber, wie es weitergeht. 

  • Trump-Gegner sagen: Ein rechter Mob hat hier jemanden zu Fall gebracht, der sich – außer dummen Sprüchen – nichts hat zu Schulden kommen lassen. Disney hat vorschnell reagiert.
  • Trump-Anhänger sagen: Gut, dass er weg ist. Auch Linke ziehen schließlich oft Sprüche aus der Vergangenheit heran – zum Beispiel Trumps "Grab em by the Pussy"-Satz, um Leute zu diskreditieren.

Beides stimmt. Der Unterschied ist: Gunn hat sich entschuldigt, er nimmt die Vorwürfe an und will sie gutmachen. 

Unabhängig seiner Person zeigt der Fall, dass die Spaltung der US-Gesellschaft unter Trump auch vor der Filmbranche nicht halt macht. Die Polarisierung spielt mittlerweile selbst für die Produktion von Comic-Verfilmungen eine Rolle.

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Wie geht es weiter?

Gunn hatte bei den ersten beiden Teilen der "Guardians of the Galaxy"-Reihe Regie geführt und gilt generell als Ideengeber der Reihe. Offen ist, wer nun an seiner Stelle die Verantwortung für den dritten "Guardians of the Galaxy"-Teil übernimmt, der 2020 fertiggestellt werden soll. 

Fans haben in einer Petition gefordert, ihn wieder einzustellen. Neben dem "Guardians"-Cast stellten sich auch weitere Schauspieler und Hollywood-Größen hinter Gunn. Disney hat sich bislang nicht weiter geäußert. 

Ob die Darsteller unter einem neuen Regisseur weitermachen, ist ebenfalls unklar, gilt aber als wahrscheinlich. Dennoch hat Chris Pratt bereits einen vielsagenden Bibelvers getwittert:


Haha

Nach Belästigungsvorwürfen: Sacha Baron Cohen verarscht Politiker mit "Pädophilie-Detektor"
Zwei Fakten zur neuen Folge

Er hat's wieder getan. Sacha Baron Cohen hat einen weiteren Politiker bloßgestellt. Erst vor einer Woche ist wegen ihm einer vom Amt zurückgetreten, weil der Politiker sich in der Show "Who is America?" derbe blamiert hatte. (bento

So schlimm kommt es in der aktuellen Folge nicht. Aber seine originellen Ideen bleiben.