Bild: Screenshot: YouTube/Netflix
Eine Serie, die keine zweite Staffel bekommen sollte.

Spoiler-Warnstufe rot

Wir haben dich gewarnt. Hier verraten wir alles. Wenn du die Serie oder den Film noch nicht gesehen hast und das noch vor hast, betrittst du diese Seite auf eigene Gefahr.

Die neue Netflix-Serie "Insatiable" wurde bereits vor dem Erscheinen hart kritisiert:  

In einem Trailer ist die Hauptfigur, Patty, dick, sitzt vor dem Fernseher und ernährt sich überwiegend von Chips und Kuchen. Doch die Rettung naht: ihr wird von einem Obdachlosen der Kiefer gebrochen. Sie kann nur noch Flüssignahrung zu sich nehmen und nimmt so 30 kg ab. Plötzlich ist "Fatty Patty" dünn – und scheinbar beliebt

Unmittelbar nach Veröffentlichung des Trailers wurde Insatiable heftig kritisiert, den Macherinnen wurde Fatshaming vorgeworfen und auf Change.org gibt es sogar eine von über 230.000 Menschen unterzeichnete Petition, die den Start der Serie verhindern sollte. 

Ich muss zugeben: das kam mir etwas übertrieben vor. Es hätte ja sein können, dass sich eine tolle Botschaft hinter all dem versteckt. Oder wirklich guter, rabenschwarzer Humor. Und außerdem:

So schlimm kann die Serie ja wohl nicht sein, wenn Alyssa Milano mitspielt.

Das dachte ich. Wie falsch ich damit lag, wurde aber relativ schnell klar.

Ich habe mir Folge für Folge angesehen, Notizen für diesen Artikel gemacht und mich fremdgeschämt. Zwischendurch habe ich auch mit dem Gedanken gespielt, aufzugeben und sah mich gezwungen, mehr als nur einmal meine Lebensentscheidungen zu überdenken (zum Beispiel meine Berufswahl und den Gedanken, Alyssa Milano jemals als Gütesiegel betrachtet zu haben). 

Hier könnt ihr euch den Trailer anschauen:

Die Liste der Dinge, die an "Insatiable" stören, ist lang:

  • Patty möchte sich nach ihrem Gewichtsverlust unbedingt an allen rächen, die ihr in der Vergangenheit unrecht getan haben. Dafür ist ihr jedes Mittel recht – auch Entführung und Mord. Sie wirft sogar eine Mitschülerin aus dem Rollstuhl. 
  • Das ist aber kein Problem - sie ist ja jetzt hübsch.
  • Patty verliebt sich in ihren Anwalt und möchte seine Ehe zerstören.
  • Es gibt einen Staatsanwalt, der überwiegend ohne sein T-Shirt rumläuft.
  • Der Satz: "Dünnsein ist magisch."
  • Pattys Anwalt wird ihr Taufpate und ihre einzige Vaterfigur. Warum das merkwürdig ist, kann man einige Punkte weiter oben nachlesen.
  • Die Serie pflegt einen viel zu lockeren Umgang mit Stalking und Sex mit Minderjährigen.
  • Pattys Mutter, die mit dem Älterwerden nicht klarkommt und in der ersten Folge die eigene Tochter permanent erniedrigt 

Klar, das soll alles lustig sein. Aber das funktioniert leider nicht.  

Ist das Satire oder kann das weg?

Sie habe täglich mit Netflix in Kontakt gestanden und für den Streaminganbieter seien die Themen kein Problem gewesen, sagte Autorin Lauren Gussis in einem Interview mit "Variety". "Sie wissen, dass es sich um Satire handelt und wir sprachen schon im Vorfeld über die Probleme, die auftreten könnten." 

Die für Satire charakteristischen Überspitzungen sind definitiv nicht zu übersehen, aber sie sind so schlecht gemacht, dass die Serie in Zukunft als Musterbeispiel dienen und anderen Serienmachern zeigen könnte, wie Satire nicht geht. Zur Satire gehört nämlich auch Tiefgang, den sucht man bei Insatiable aber vergeblich. Die Charaktere, insbesondere die Hauptfigur, und die Storyline kratzen vom Anfang bis zum Ende an der Oberfläche. 

Bei aller Kritik: Insatiable hat auch etwas richtig gemacht.

Die Serie bemüht sich um Vielfalt. Menschen verschiedenster Hautfarben, Herkunft und sexueller Orientierungen werden gezeigt. Sie zeigt auch, welchem Druck Teilnehmerinnen der zahlreichen Misswahlen ausgesetzt sind und dass die Teilnahme nicht immer freiwillig geschieht. Außerdem wird im Verlauf der Serie klar, dass sich nicht alle Probleme in Luft auflösen, weil man Gewicht verloren hat. 

All das kann jedoch nicht die Tatsache verschleiern, dass man aus der Serie und aus dem Thema viel mehr hätte machen können. Wer auf anspruchsvolle Unterhaltung steht, wird mit dieser Serie jedenfalls nicht glücklich.


Today

Wie die Polizei eine Hass-Demo gegen den Drachenlord verhindern musste
Die Antworten auf die drei wichtigsten Fragen

Hunderte Menschen sind am Montag zu einer Hass-Demo gegen den YouTuber "DrachenLord1510" nach Emskirchen in Franken gekommen. Später versuchte die Polizei die Veranstaltung zu stoppen – mit mäßigem Erfolg. Ein Polizist wurde bespuckt, Teilnehmerinnen und Teilnehmer warfen Böller. Die Demo drohte zu eskalieren.