Bei der Sat.1-Datingshow kam es am Sonntag zum vermeintlichen Eklat.

Bei "Hochzeit auf den ersten Blick" heiraten Menschen, die sich zuvor noch nie gesehen haben. Sie machen das, weil drei Experten von Sat.1 ihnen jemanden ausgesucht haben, der "aus wissenschaftlicher Sicht" perfekt zu ihnen passt. 

Das geht oft schief. Weil Fragebögen, DNA-Tests und therapeutische Gespräche vieles ergeben, aber nichts garantieren können, schon gar nicht so etwas Kompliziertes wie die Liebe.

Erstaunlich oft klappt es allerdings doch: Wenn man der offiziellen Bilanz auf der Sat.1-Seite glauben darf, sind aus vier Staffeln noch 8 Paare zusammen. 

Es ist also alles möglich. Eines ist aber bis jetzt noch nie vorgekommen: Dass sich einer der Partner direkt nach der Trauung umentscheidet. Doch genau das hat Kandidatin Tamara in der am Sonntag ausgestrahlten Folge "Hochzeit auf den ersten Blick" getan – und erntet dafür jetzt ein fieses Medienecho.

Das ist bei "Hochzeit auf den ersten Blick" passiert:

Tamara, 44, sollte Sascha, 46, ehelichen. Schon in den Vorstellungsvideos konnte man sich fragen, ob die Tests der Sat.1-Experten hier so ein tolles Match gelandet haben. Sascha, der wie ein kleiner Junge in einem sehr großen Körper wirkte, pendelte vor dem Standesamt vor Aufregung zwischen Weinen, Lachen und Todesangst. Tamara hingegen schien cool, gefasst, und vielleicht von Anfang an etwas skeptisch.

Die beiden zogen es trotzdem durch, gaben sich das Ja-Wort auf dem von Sat.1 organisierten malerischen Standesamt.

Doch direkt nach der Trauung filmt die Kamera eine weinende Tamara, allein. "Mein Körper explodiert", sagt sie, "ich komm damit nicht zurecht." Sascha sei zwar sympathisch, aber eher als "bester Freund", nicht als Partner

Er suchte meine Nähe, meine Hand […] ich konnte die Hand gar nicht so richtig festhalten, ich hab nur gespürt, das wollte ich eigentlich gar nicht.
Tamara

Tamara hätte auf die Frage der Standesbeamtin auch mit Nein antworten können – Sat.1 zwingt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht dazu, die Hochzeit durchzuziehen. Warum sie das nicht gemacht hat? "Ich wollte ihn nicht blamieren. Der wär mir hier umgekippt", sagt Tamara.

Stattdessen sucht sie nach der Trauung das Gespräch und sagt Sascha, dass sie das Experiment nicht durchziehen möchte. Die zwei sind jetzt zwar verheiratet – sie sei sich aber vollkommen sicher, dass Sascha nicht der Richtige ist, und dass es deshalb keinen Sinn habe, jetzt in die von Sat.1 geplanten Flitterwochen zu fahren.

Klingt doch einleuchtend. Was ist dann das Problem?

Kaum war die Folge ausgestrahlt, kriegte Braut Tamara bei Twitter auf den Deckel. Eine "anspruchsvolle Mistzicke" sei sie, "unaufrichtig und unfair" ihr Verhalten. Am Montag legten auch noch Medien nach: "Noch nie hat eine Frau ihren Ehemann im TV so gedemütigt", titelt beispielsweise Focus Online, auch andere Medien bemitleideten den "armen" Sascha.

Die Artikel und die Kommentare vermitteln, Tamara habe Sascha aus reiner Böswilligkeit abgesägt. Noch schlimmer: Ihre abwehrenden Gefühle werden mit einer "Sie soll sich mal nicht so anstellen"-Haltung kommentiert. "Danach setzt sie im Interview noch eins drauf", schreibt Focus Online zum Beispiel – und zitiert dann eine Frau, die unter Tränen darüber redet, dass sie die Berührungen eines (fremden!) Mannes unangenehm findet.

Wer sich das Interview anschaut, merkt jedoch, dass sich diese Frau die Entscheidung keineswegs leicht macht. Und dass die Situation, in der sie sich befindet, ohne Zweifel eine Ausnahmesituation ist. Man heiratet schließlich nicht alle Tage einen Fremden.

Aber wenn man das nicht will, sollte man doch gar nicht erst bei so einer Show mitmachen, oder?

Das Konzept von "Hochzeit auf den ersten Blick" klingt verrückt, und wahrscheinlich ist es das auch. Und trotzdem haben sich allein für diese Staffel 7.000 Menschen beworben. Weil diese Menschen offenbar hoffen, einen Partner fürs Leben zu finden. 

Eine Hoffnung, die Menschen immer wieder verrückte Dinge tun lässt – ob man nun um die halbe Welt fliegt, um eine Zufallsbekanntschaft wiederzutreffen, oder ob man nur stundenlang wischend vor einer App hockt, weil man hofft, dass die Liebe irgendwann zuschlägt.

Die Suche in die Hände des Privatfernsehens zu geben, ist sicher nicht jedermanns Sache. Aber sich bei einer Reality-Show anzumelden heißt – entgegen landläufiger Meinung – immer noch nicht, die Menschenwürde an der Studiotür abzugeben.

Tamara will nicht mit Sascha zusammen sein, also sollte sie das auch nicht müssen. Ob sie dabei gefilmt wird oder nicht, ist egal.

Sie fühlte sich unwohl mit der Situation, also hat sie sie beendet. Und wer sie dafür anfeindet, dass sie die einzig vernünftige Entscheidung getroffen hat, hat irgendetwas Grundsätzliches nicht verstanden.


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