Bild: Hendrik Breuer
Wer verliert, macht den Abwasch.

Du hast genug von Netflix und der Switch? Dann trommel deine Mitbewohner am Küchentisch für ein paar Brettspiele zusammen.

Eigentlich sollten wir nicht jammern. Die Corona-Zeit in der WG zu verbringen, ist nicht das schlimmste Szenario. Und doch ist es auch mit den Mitbewohnerinnen teilweise wirklich langweilig. Früher hätte man Skat oder Doppelkopf gespielt, aber kann das noch jemand? 

Wir hätten deshalb etwas für euch: Acht unterhaltsame Spiele, mit denen ihr euch in der WG die Zeit vertreiben könnt, die teilweise süchtig machen und trotzdem leicht zu erlernen sind. Bis auf eines machen alle vorgestellten Spiele auch schon zu zweit richtig Spaß.

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Codenames Duett

Worum geht's?

"Codenames Duett" dürfte das einzige Kommunikationsspiel sein, das zu zweit richtig gut funktioniert. Die Spielerinnen geben sich gegenseitig Tipps, bestehend aus jeweils einem Wort, um bestimmte Begriffe, die zwischen den beiden ausliegen, zu erraten.

Und so geht's:

Es liegen also 25 Begriffe in einem fünf mal fünf Karten großen Raster aus. Die Spielerinnen versuchen nun, bestimmte Begriffe zu identifizieren, indem sie ein Wort und eine Zahl nennen. Die Zahl gibt an, auf wie viele Karten der Begriff zutrifft. "Irland, 2" könnte somit für "Schaf" und "Kobold" stehen oder für "Klee" und "Insel" oder für "Dublin" und "Bier" oder was auch immer. Aber vorsicht: Es gibt ein paar K.O.-Wörter, die nie ausgewählt werden dürfen, weil man sonst sofort verliert.

Für wen ist das was?

Das Spiel ist perfekt für Bewohnerinnen von Zweier-WGs oder Paare, die auf derselben Welle funken. Wer Lust auf ein intellektuelles Spielchen hat, wird viel Zeit mit "Codenames Duett" verbringen können.

🛒"Codenames Duett" von Vlaada Chvatil und Scot Eaton, Asmodee, 2 Spielerinnen und Spieler, circa 20 Euro.


Sushi Go!

(Bild: Copyright Zoch Spiele)

Worum geht's?

Es geht darum, die besten Sushi-Kartenkombinationen zu sammeln, also möglichst viele Maki-Rollen, Nigiri mit Wasabi, genau zwei Tempuras, sowas halt.

Und so geht's:

Wie das Sushi auf einem Laufband im japanischen Restaurant lassen die Spielerinnen bei diesem Spiel die Karten kreisen. Man nimmt sich jeweils eine Karte, bevor der Stapel weitergereicht wird. Das ist vom Prinzip her ganz einfach und in zwei Minuten auch skeptischen Gästen erklärt. “Sushi Go!” macht zudem optisch einiges her und dürfte zum Ausprobieren einladen.

Für wen ist das was?

"Sushi Go" ist ein super Spiel für alle, die jetzt schon das Ausgehen vermissen. Holt euch eine Flasche Sake (oder Weißwein) aus dem Kühlschrank und spielt eine Runde, das fühlt sich dann schon fast so an wie ein Abend in eurer Lieblings-Sushi-Bar.

🛒"Sushi Go!" von Phil Walker-Harding, Zoch Spiele, 3 bis 5 Spielerinnen und Spieler, circa 12 Euro.

Bandido

(Bild: Copyright Helvetiq)

Worum geht's?

Bandido sitzt im Gefängnis und will sich heraus buddeln. Bandido gräbt also einen Tunnel nach dem anderen mit immer neuen Verzweigungen. Die Spielerinnen und Spieler versuchen gemeinsam, die Tunnel zu schließen, idealerweise indem sie die Gänge miteinander verbinden, und so das Labyrinth unter Kontrolle halten.

Und so geht's:

Die Spielenden legen jeweils eine ihrer drei Handkarten an das sich immer weiter ausbreitende Labyrinth an und versuchen dabei, die Tunnel so zu verbinden, dass Bandido nicht aus dem Bau herauskommt. Alle arbeiten zusammen, können sich absprechen und Pläne schmieden. Wenn es für Bandido kein Entkommen mehr gibt, gewinnen alle gemeinsam. Oder Bandido entkommt und die Spielerinnen und Spieler verlieren.

Für wen ist das was?

"Bandido" ist ein kleiner Spaß für zwischendurch, den man am besten auf dem Fußboden spielt und nicht am immer zu kleinen WG-Tisch. Das Spiel kann sich sehr ausbreiten. Grübeln braucht man nicht und in zehn bis zwanzig Minuten ist man durch mit einer Partie. Passt.

🛒"Bandido" von Martin Nedergaard Andersen, Helvetiq, 1 bis 4 Spielerinnen und Spieler, circa 10 Euro.


The Game: Quick & Easy

(Bild: Copyright NSV)

Worum geht's?

Kennt ihr "The Game"? Das ist ebenfalls ein kooperatives Kartenspiel, bei dem es darum geht, dass alle gemeinsam Karten von Eins bis Hundert ablegen. Dazu gibt es vier Stapel, zwei für aufsteigende Reihen und zweimal absteigend. Nun hat man immer nur ein paar Karten in der Hand und darf sich nicht verzetteln. Denn sobald jemand nicht mehr ablegen kann, verlieren alle. "The Game: Quick & Easy" ist eine schlankere Version des Spiels. 

Und so geht's:

Diesmal gibt es nur zwei Stapel zum Ablegen, einmal für aufsteigende und einmal für absteigende Reihen. Außerdem haben die Karten nur die Werte von Eins bis Zehn, von denen es je fünf gibt. Man ist weiterhin reihum dran und legt Karten ab, darf sich nicht vertun und nur sehr eingeschränkt kommunizieren. (Es gibt aber einen Trick, wie man "zurückspringen" kann auf einem Stapel.) Eine Partie dauert selten länger als eine Viertelstunde.

Für wen ist das was?

Das Spiel ist etwas für alle, die sich im Bus gerne am Smartphone mit Knobel- und Sudoku-Spielen die Zeit vertreiben. Patience- und Solitär-Fans mögen es garantiert auch. Das Spiel ist eines dieser kleinen Kartenspiele, die einige richtig süchtig machen. Vielleicht habt ihr ja Glück und "The Game: Quick & Easy" wird euch viele Abende lang vom grassierenden Virus ablenken.

🛒"The Game: Quick & Easy" von Steffen Benndorf, NSV, 2 bis 4 Spielerinnen und Spieler, circa 9 Euro. 


Monopoly Gamer

(Bild: Copyright Hasbro)

Worum geht's?

Das Spielbrett sieht definitiv aus wie beim Brettspiel-Klassiker, doch anstelle von Bügeleisen, Hund, ausgelatschtem Schuh und Zylinder ziehen Mario, Donkey Kong, Prinzessin Peach und Yoshi ihre Runden, sammeln Münzen ein und treten in Boss-Kämpfen an. Kann ein solches Crossover aus Super Mario und "Monopoly" gut gehen?

Und so geht's:

Vom bekannten "Monopoly" ist das Layout des Spielbretts und das Kaufen von Straßen übrig geblieben, eine Art Miete kassiert man auch noch. Ansonsten geht es Mario-mäßig hektisch, schnell und unvorhersehbar zu: Die Figuren rasen im Kreis, finden Münzen,verlieren sie wieder, sabotieren sich und versuchen, möglichst mächtige Bosse zu besiegen. Das ist eigentlich schon das ganze Spiel.

Für wen ist das was?

"Monopoly Gamer" funktioniert erstaunlich gut und ist in einer kurzweiligen Stunde durchgezockt. Es scheidet auch niemand aus oder geht unumkehrlich Bankrott. Das Spiel ist auf jeden Fall etwas für all diejenigen, die sich noch an die “Monopoly”-Tage ihrer Kindheit erinnern, aber ein zeitgemäßeres Spiel wollen. Switch-Fans könnte das auch gefallen. 

🛒"Monopoly Gamer", Hasbro, 2 bis 4 Spielerinnen und Spieler, circa 25 Euro.


Minecraft: Builders & Biomes

(Bild: Copyright Ravensburger Spieleverlag)

Worum geht's?

Was für eine doofe Einstiegsfrage: Um eine Brettspielumsetzung des meistverkauften Videospiels aller Zeiten natürlich.

Und so geht's:

Dass man ein so ausuferndes Computerspiel wie "Minecraft" nicht mal so mir nichts, dir nichts als Brettspiel adaptieren kann, ist eigentlich klar. Autor Ulrich Blum hat sich deshalb, wie er sagt, auf die Emotionen konzentriert, die das Spiel auslöst. Herausgekommen ist ein geradliniges Brettspiel, das in der Oberwelt angesiedelt ist und in dem viele bekannte Elemente aus der Vorlage auftauchen: Man sammelt Blöcke (anders als im Videospiel, aber durchaus stimmig), errichtet Bauwerke, bekämpft plötzlich auftauchende Monster mit Waffen, die man vorher erst mal einsammeln muss. Das ist alles stimmig, aber tatsächlich weitaus weniger komplex als der Megaseller.

Für wen ist das was?

Dieses Spiel ist ein strategisches Brettspiel mit einem erfrischenden und modernen Thema. Fans von "Minecraft", die auch mal gerne analog zocken, dürfte es gefallen. Auch mit Kindern ab acht Jahren macht es Spaß. 

🛒"Minecraft: Builders & Biomes" von Ulrich Blum, Ravensburger Spieleverlag, 2 bis 4 Spielerinnen und Spieler, circa 33 Euro.

Adventure Games: Das Verlies

(Bild: Copyright Kosmos)

Worum geht's?

Escape-Raum-Brettspiele gibt es schon seit einer Weile, man denke nur an die "EXIT"-Reihe. "Adventure Games" wie "Das Verlies" sind etwas Anderes, nämlich kartenbasierte Point-and-Click-Adventures.

Und so geht's:

Wie in einem PC-Spiel finden sich die Spielerinnen in einem Szenario wieder und müssen Abenteuer bestehen. Dabei erkunden sie die Welt um sich, indem sie auf einer Spielkarte sämtliche Details erforschen und Herausforderungen meistern. Die Details sind durchnummeriert und zu jedem gibt es Karten mit weiteren Informationen. Die Spielerinnen finden Hinweise, Equipment und Rätsel und müssen ihre Erkenntnisse klug kombinieren, um die Geschichte voranzutreiben. Das ist auf jeden Fall ein besseres Storytelling als etwa bei den "EXIT"-Spielen, kombiniert mit leichteren Rätseln, sodass man tatsächlich das Gefühl hat, aktiv ein Abenteuer zu erleben.

Für wen ist das was?

Die "Adventure Games" sind auf jeden Fall etwas für Fans von Escape-Raum-Spielen und all diejenigen, die sich noch gut an Point-and-Click-Adventures am PC oder der Konsole erinnern. Gut ist übrigens auch, dass man diese Spiele wieder in den Originalzustand versetzen und dann weiterverschenken kann.

🛒"Adventure Games" von Matthew Dunstan und Phil Walker-Harding, Kosmos, 1 bis 4 Spielerinnen und Spieler, circa 15 Euro. Es gibt bereits mehrere Spiele in der Serie, “Das Verlies” ist ein guter Einstieg. 

Pandemic

(Bild: Copyright Z-Man/Asmodee)

Worum geht's?

Vier Seuchen breiten sich rasend schnell über die Welt aus und wir sind ein Team von Spezialisten und müssen diese eindämmen und Gegenmittel entwickeln, bevor eine Stadt nach der anderen fällt. Klingt nach einem opportunistisch hingeklatschten Spiel? Ist es aber nicht, sondern der kooperative Spieleklassiker "Pandemic".

Und so geht's:

Jede Spielerin hat eine bestimmte Anzahl an Aktionspunkten und eine Sonderfähigkeit, die sie im Kampf gegen die Seuchen einsetzt. Nur wenn sich die Spielerinnen eng abstimmen und koordiniert handeln, können sie die Seuchen besiegen und die Welt retten. Aber: Durch einen besonders cleveren Mechanismus breiten sich die Seuchen immer weiter aus und entwickeln Epizentren, die hochgefährlich sind.

Für wen ist das was?

"Pandemic" ist vielleicht das beste kooperative Strategiespiel überhaupt und dazu noch einigermaßen einfach zu verstehen - gegen die Seuchen zu gewinnen ist allerdings ziemlich schwierig. Sich abends in der WG in den symbolischen Kampf gegen ein heimtückisches Virus zu schmeißen ist auf jeden Fall besser, als auf irgendwelche Corona-Partys zu gehen. Das Spiel ist ein heißer Tipp für alle, die zumindest ein Grundinteresse an etwas komplexeren Brettspielen haben.

🛒"Pandemic" von Matt Leacock, Z-Man/Asmodee, 2 bis 4 Spielerinnen und Spieler, circa 30 Euro. Ältere Editionen des Spiels heißen auf Deutsch "Pandemie", zudem gibt es eine "10 Jahre Jubiläumsedition".

Übrigens: Viele Spielegeschäfte haben in den letzten Wochen einen kostenlosen Lieferservice eingerichtet. Wer den lokalen Handel in diesen schwierigen Zeiten unterstützen möchte, kann also auch beim Lieblingshändler vor Ort anrufen und sich von dort die Spiele bis vor die Haustür bringen lassen.


Trip

Weg ohne weg: Urlaub in Finnland – aber zu Hause

Ich erinnere mich noch genau an diesen Tag im Juli: Wir saßen am Hafen und aßen Lakritz mit Schokolade. Leena deutete auf die Sonne, die noch hoch über dem Horizont stand, obwohl es schon Abend war. "Viel tiefer sinkt sie nicht mehr", sagte sie und biss von der Lakritzstange ab. Das Riesenrad neben uns drehte sich langsam. Am nächsten Morgen wollten wir raus aus der Stadt und uns an einem See mitten im Wald freiwillig von tausenden Mücken stechen lassen. Der Tag färbte sich tiefrot als wir mit der Bahn nach Malmi, einem Stadtteil im Norden von Helsinki fuhren. "Lust auf Karaoke?", fragte Leena. "Klar", sagte ich. 

Eigentlich wollte ich sie diesen Sommer wieder besuchen. Das geht aber nicht.