Bild: Amazon

Spoiler-Warnstufe grün

In diesem Beitrag verraten wir ein bisschen was über die Serie, das Spiel oder den Film — aber eigentlich nichts, was dir den Spaß verderben könnte.

Vergesst die Gerechtigkeit, das Justiz-System ist tot. Das ist der Leitgedanke der meisten aktuellen TV-Formate. Was in den 90er-Jahren heiter bis albern mit Serien wie "Ally McBeal" begann, ist dunkler, düsterer, zur Dystopie geworden.

  • In "Better Call Saul" hangelt sich ein windiger Winkeladvokat von einem Deal mit einem Gangster zum nächsten.
  • In "The Night Of" verschluckt das Justizsystem einen des Mordes beschuldigten College-Studenten und spuckt ihn als Verbrecher wieder aus.
  • Und sogar im sonst klassisch-unbeschwerten "Suits" ist der Protagonist Anwalt und Betrüger in einer Person – sein College-Abschluss ist frei erfunden.
  • Nicht zu vergessen das neue "True Crime"-Genre mit Dokumentationen wie "Making A Murderer", "Serial" oder "Audrie & Daisy", das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Justizversagen in realen Fällen aufzuzeigen.

Die neue Amazon-Serie "Goliath" ist wie das beruhigende Gegenmittel dazu, eine bunte Pille, reich versetzt mit Opiaten. In neun Folgen flüstert uns die Serie beständig zu:

Die Gerechtigkeit lebt. Es gibt noch Gutes in der Welt.

Das Gute ist in "Goliath" nur nicht mehr ganz auf der Höhe. Es sitzt acht Stunden am Tag in einer Strandbar und kippt Whiskey. Das Gute schlummert nämlich in Billy McBride – der nicht nur ein begabter Anwalt, sondern auch Alkoholiker ist. Billy Bob Thornton (der schon in "Fargo" Großartiges geleistet hat) spielt diesen scheinbar Hoffnungslosen, der sich als einzigen Freund einen streunenden Straßenköter erlaubt, mit der perfekten Mischung aus Abgerissenheit und Arroganz.

(Bild: Giphy )
Worum geht’s?

Die Partner-Position in der Luxus-Kanzlei hat das ehemalige Talent versoffen, die Ehe ist geschieden, die Tochter beim Anblick seines Alkoholkonsums entsetzt. Billy McBride ignoriert die Tatsache, dass vor allem er selbst das Problem ist – und aalt sich in selbstzerstörerischem Selbstmitleid. Aber das Gute bleibt auch besoffen das Gute. Es muss nur kurz daran erinnert werden, wer es ist.

Hier kannst du dir den Trailer anschauen:
Der Fall:

Ein mysteriöser Selbstmord, eine sexy Mandantin und eine treibende, ständig fluchende neue Kollegin (schräg und charmant: Nina Arianda) reanimieren McBrides betäubtes Ego. Am besten aber hilft ein mächtiger wie bösartiger Gegner: Ein millionenschwerer Rüstungskonzern baut sich mit seiner Anwalt-Armee vor McBride auf, wie in der Bibel der Zwei-Meter-Hüne Goliath vor dem kleinen David.

Der Kampf:

So plakativ wie der Titel schießen die beiden Hauptdarsteller in die Extreme: Auf der einen Seite angelt der aufrechte Billy McBride nach Beweisen, prügelt sich mit korrupten Polizisten und riskiert alles, um seinen Fall zu gewinnen. Unterstützt wird er dabei lediglich von einem Trio von sozial Verstoßenen, bestehend aus einer Anwältin aus den Slums, einer Prostituierten und einer übergewichtigen, unsicheren Sekretärin.

(Bild: Giphy )

Auf der anderen Seite wälzt ein ganzes Hochhaus voll mit Angestellten die Akten für Kanzleichef Donald Cooperman (William Hurt). Der überwacht von seinem bombastischen Penthouse aus sein Bienenvolk mit Überwachungskameras, die überall schlummern, und lässt unschuldige Zeugen ermorden.

Die leuchtend roten Augen, das feuervernarbte Gesicht und der abstruse Tick, ständig mit einem Schrittzähler zu klicken, wären gar nicht mehr notwendig gewesen, um dem Zuschauer zu zeigen: Da steht McBride das personifizierte Böse gegenüber.

In der Fotostrecke kannst du dir anschauen, wie "Goliath" aussieht:
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Die Botschaft:

"Goliath" verzichtet bei seinen Charakteren auf die Zeichnung von Graustufen, hier gibt es nur Schwarz und Weiß. Und selbst wenn sich die gute Seite mal unlauterer Methoden bedient, ist klar: Anders ist diesem Gegner eben nicht beizukommen. Der Zweck heiligt die Mittel.

Dieser entschiedenen Bipolarität haftet viel Nostalgie an. Wie einst in "Im Namen der Ehre", "Die Akte Jane" oder "Die Jury" kämpft der einsame, aufrechte Wolf gegen ein korruptes System. Die Rollen sind klar verteilt, die Charaktere beständig und das Ende ist, wenn auch mit Bitterkeit gewürzt, schon ab dem Titel vorhersehbar. In dieser Mini-Serie präsentiert uns Macher David E. Kelley ("Boston Legal", "Ally McBeal") eine alte Idee.


(Bild: Giphy )

Dank einer bis in die Nebenrollen hervorragenden Besetzung, einer stilvollen Umsetzung und der ein oder anderen unvorhergesehenen Komplikation schmeckt das aber gar nicht fad.

Im Gegenteil: Wer aus der Dunkelheit der anderen Formate auftaucht, der umarmt diese Einfachheit gerne und verschlingt schnell die ganze Staffel. Manchmal will man eben wissen: Der Kampf ist hart. Aber er ist es wert.

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Gerechtigkeit

So geht es muslimischen Frauen einen Tag nach der US-Wahl

Der neue Präsident der Vereinigten Staaten ist vor allem für eins bekannt: Donald Trump hetzt gegen Ausländer und äußert sich extrem herablassend über Minderheiten. "Faulheit ist eine Eigenschaft der Schwarzen", sagte er während des Wahlkampfes. An der Grenze zu Mexiko wolle er eine Mauer bauen.

Und Muslime, sagte er bereits im vergangenen Dezember, sollten seiner Ansicht nach gar nicht mehr in die USA einreisen dürfen. Jedenfalls so lange nicht, bis klar sei, "was vor sich geht". Laut einer YouGov-Umfrage stimmte ihm noch im Mai jeder zweite US-Bürger zu.

Am Donnerstag nach der Wahl ist die Forderung plötzlich von seiner Kampagnenseite verschwunden – der alte Link leitet jetzt auf eine Dankeschön-Seite um. In seinen Punkten zur Einwanderung bleibt nur der Mauerplan bestehen.