Bild: ProSieben/Martin Ehleben
Das große Umstyling stand endlich an.

Vergangene Woche ging es für die Kandidatinnen der 14. Staffel von "Germany's Next Topmodel" endlich nach Los Angeles. Quasi von der Alm in die Luxusvilla. Viel Zeit zum Entspannen hatten Heidis "Määdels" aber nicht – das erste große Interview stand an. 

Hier gibt es den Speed-Check von "GNTM 2019", Folge 5:

Joy kommt mit einer einwöchigen Verspätung auch endlich in Los Angeles an, aber nicht alle freuen sich darüber. Okay, eigentlich freut sich niemand, aber dazu später mehr. Außerdem steht das an, wofür GNTM-Zuschauerinnen und -zuschauer fast schon leben: das große Umstyling. Ein Fest der Haare und der Tränen. 

Der Dialog, der alles sagt: 

Justine ist untröstlich, weil sie gut aussieht, aber laut Heidi Klum auch nur wegen ihres guten Aussehens weiterkommt. Eine Kandidatin möchte trösten:

"Du siehst so geil aus, du bist so High Fashion."

"Mh."

Der emotionale Tiefpunkt: 

Der erfolgt bereits am Anfang. Jasmin "Joy" kommt eine Woche später in Los Angeles an und möchte in der Villa ihre Mitstreiterinnen überraschen. Als sie das Wohnzimmer betritt, fallen die Reaktionen allerdings nicht so aus wie erwartet. Von einem geschockten "Oh mein Gott" bis hin zum "Ach du Scheiße" ist eigentlich alles dabei, nur keine angenehme Überraschung. 

Der emotionale Höhepunkt: 

Der Moment, als Theresia nach dem Umstyling stolpert und gegen den Spiegel knallt. Gänsehaut.

Der empowerndste Satz: 

"Wir sind hier nicht bei Germanys Next Best Friend."

Die überraschendste Erkenntnis: 

Obwohl man den Spitznamen "Joy" trägt, bringt man anderen nicht zwangsläufig Freude. Menschen, die einen Speed-Check schreiben müssen, bringt man zum Beispiel keine Freude.

Das schönste Product-Placement:

Der wunderschöne Spiegel, vor dem sich die Kandidatinnen nach dem Entscheidungswalk selbst beweihräuchern mussten. 

Wer fliegt als Nächstes raus:

Auch in dieser Woche wieder: Joy. Menschen scheinen nicht so ihr Ding zu sein, Kameras auch nicht. Beim Shooting legt sie noch weniger Ausdruck an den Tag als eine Schaufensterpuppe bei Primark.

Wer kommt aufs Cover der deutschen "Harper's Bazaar": 

Lorenzo Martin, Heidis Friseur. Sein Haar glänzt stärker als Edward Cullen. 

Wer heute eigentlich ein Foto verdient hätte: 

Das Plüsch-Murmeltier Herbert (Kuscheltier von Kandidatin Theresia, mit dem sie sich gerne ausführlich unterhält). 

Drama-Faktor:

6/10. Ein eher langweiliges Umstyling mit sehr vielen zufriedenen Kandidatinnen und verhältnismäßig wenigen Tränen, ein fast schon künstlich wirkender Konflikt zwischen Joy und Theresia und ein Beinahe-Konflikt zwischen Joy und Simone konnten den Drama-Faktor auch nicht mehr in die Höhe treiben.

Gesamtwertung: 

Trotz des Umstylings nur 5/10. Weniger Sendezeit für Joy und Theresia würde der Sendung definitiv guttun.

Die offene Frage: 

Wenn GNTM dein Zuhause ist – hast du dann im Leben alles richtig oder alles falsch gemacht?


Gerechtigkeit

Unsere Sprache verändert sich, liebe Gender-Hater*innen
Unsere Forderungen zum Weltfrauentag

Mit Veränderung ist das so eine Sache: Manche lieben sie, anderen macht sie Angst; sie kann spannend sein, oder schwer zu akzeptieren – doch in den meisten Fällen lässt sie sich nicht aufhalten. So verhält es sich auch mit der Verbreitung der Erkenntnis, dass Männer lange genug eine hervorgehobene Position in der Gesellschaft hatten und man dieses Ungleichgewicht gegenüber anderen Geschlechtern allmählich mal ändern sollte.

Um das zu erreichen, gibt es viele Wege. Einer davon ist eine Veränderung unserer Sprache. Und sie passiert bereits. Deshalb ist es wahnsinnig lästig, dass etwa jedes halbe Jahr eine öffentliche Debatte entsteht, die diese Veränderung infrage stellt. Das ist nicht nur unnütz, es langweilt.

Also, liebe Hater: Das Gendern ist nicht mehr aufzuhalten – sucht euch ein neues Thema.

Das würde nicht nur mein, sondern auch euer Leben enorm erleichtern. Denn das größte Problem beim Kritisieren von gendergerechter Sprache ist: Es gibt keine guten Argumente dagegen. 

  • "Frauen sind doch mitgemeint"? Nee, sorry. Studien zu Wortassoziationen zeigen, dass Menschen beim Generischen Maskulinum – der standardmäßigen Verwendung der männlichen Form (Arzt, Schüler, Musiker) – eben nicht Frauen mitdenken, sondern sofort Männer vor dem geistigen Auge haben. Stattdessen werden beim Generischen Maskulinum schon per Definition Männer "immer mitgemeint". Frauen müssen hingegen schon früh im Leben lernen, zu unterscheiden, wann bei der männlichen Formulierung auch von ihnen die Rede ist. Das stärkt leider eine Struktur, die auch außerhalb der Sprache existiert: Das Männliche gilt als Norm, alles andere ist eine Abweichung davon. 
  • "Nur weil ein Wort grammatikalisch maskulin ist, hat das nichts mit dem Geschlecht der beschriebenen Person zu tun." Hey, das stimmt! In der Theorie. Die genannten Studien zeigen aber, dass Menschen durchaus vom grammatikalischen Gender auf das echte schließen. Außerdem zeigt die Forschung, dass Mädchen sich weniger zutrauen, wenn sie in vielen gesellschaftlichen Funktionen nicht nur vorrangig Männer sehen, sondern auch sprachlich fast immer von Männern die Rede ist. Ist diese Real-Life-Erkenntnis nicht wichtiger als die Theorie? Die britische Feministin und Autorin Laurie Penny hat gesagt: "Wir können nur werden, was wir uns vorstellen können." Und was wir uns vorstellen können, ist stark davon beeinflusst, worüber wir miteinander sprechen. 
  • "Es macht die Sprache so unschön." Zum Glück haben sich schon sehr viele Menschen kreative Gedanken dazu gemacht, wie man gendergerecht – oder zumindest gendersensibel – schreiben kann, ohne dass es besonders auffällt ("Geschickt Gendern" gibt Tipps). Man kann diesen Lernprozess als lästig empfinden – oder man kann ihn als Möglichkeit sehen, etwas kreativer zu formulieren. Alles eine Frage der Einstellung.