Wer wird das neue "Seifengesicht"?

Bei "Germany's Next Topmodel" ging es diese Woche an die Substanz: Heidi Klum hatte die "Personality" Edition ausgerufen, was vor allem ein Vorwand war, diejenigen Models, die vermeintlich keine haben, so lange zu triezen, bis sie wenigstens das Persönlichkeitsmerkmal "verzweifelt" an den Tag legten. Zu so einem fiesen Motto passte auch Gastjurorin Naomi Campbell, deren Personality vor allem für das Misshandeln von Service-Personal bekannt ist. 

Was bei dieser explosiven Mischung herauskam? Lest ihr hier.

So war Folge 14 von Germany’s Next Topmodel:

Die Schnellzusammenfassung: 

Über allem steht in dieser Woche die Killer-Frage: "Wer bist du?". Weil es sich um eine Model-Sendung handelt, lässt sich diese Frage natürlich hinreichend mit fragwürdigen Outfits und schmissigem Hin-und-her-Laufen beantworten.

Der zentrale Konflikt ist der "Shoot-Out" zwischen Sarah und Caro – eine von beiden wird nach dem Foto-Shooting direkt in den Pfeffer geschickt. Die Rollen scheinen schnell verteilt: Sarah = sexy und beliebt, Caro = verpeilt und personality-los. Weil man bei ProSieben jedoch Erzählungen von Underdogs liebt, die sich gegen Widerstände nach oben kämpfen (siehe "Big Bang Theory" und "Jumbo Schreiners XXL Schnitzel-Test"), macht Caro am Ende das Rennen, indem sie aufregender einen Zebrastreifen in Beverly Hills überquert.

Weniger verwunderlich derweil die Entwicklungen an der Job-Front – beim Casting für einen Kosmetik-Hersteller kommen Vanessa und Simone in die engere Auswahl, schließlich bekommt Letztere die Zusage und darf zum ersten Mal nach Frankreich reisen.

Weil auch am Ende der Folge nicht klar ist, welche der Kandidatinnen nun eigentlich für welche Personality steht, werden sie beschriftet und noch einmal den gnadenlosen Augen von Naomi Campbell vorgeführt. Die findet Carolines Walk leider ganz großen Essig, weshalb es für die Shoot-Out-Gewinnerin doch noch nach Hause geht. Tja – GNTM ist halt wie Game of Thrones: Es kann jederzeit jede erwischen.

Der Dialog, der alles sagt: 

Heidi begrüßt Sarah, als diese ans Set zum finalen Shoot-Out kommt:

Heidi: "Ich will ja keinen Pressure machen, aber DU WEISST ES GEHT UM ALLES HEUTE!!!"

Sarah: "Ja."

Der emotionale Tiefpunkt: 

Als die Mädchen mal wieder einsehen müssen, dass es für das Weiterkommen piepegal ist, ob eine Kandidatin hinter den Kulissen nett zu den anderen Teilnehmerinnen ist.

Der emotionale Höhepunkt: 

Die unerschütterliche Liebe, die Vanessa zu sich selbst empfindet, kommt in dieser Folge besonders gut zur Geltung: "Ich habe eine super vielfältige Personality", ist nur einer von vielen Power-Sätzen, die uns die alte Beziehungsweisheit in den Kopf rufen: Find someone who talks about you like Vanessa talks about herself.

Der empowerndste Satz: 

"Hallo!? Ich habe 21 Jahre gelebt bisher, natürlich habe ich eine Personality!" (Caro, 21, hat natürlich eine Personality)

Das schönste Product Placement: 

Die bloße Erwähnung der Marke "Sephora" sorgt bei den Mädchen für Verzückung, für Cäcilia ist das Make-up-Label "einfach nur mein Leben". Dass das vermeintlich so bedeutende Foto-Shooting für die neue Rouge-Kampagne in einem vollgerümpelten Abstellraum stattfindet? Nebensache, und Paris ist schließlich teuer.

Die überraschendste Erkenntnis: 

Sexappeal ist auch eine Personality.

Wer fliegt als Nächstes raus: 

Die nächste Folge ist das Halbfinale – da muss noch mal kräftig gesiebt werden. Auf gar keinen Fall wird das Alicija überstehen – deren einzige Rettung diese Woche war, dass Caroline noch weniger Personality an den Tag legte als sie.

Wer kommt aufs Cover der deutschen Harper's Bazaar: 

Mit Simone und Vanessa könnte dies die erste Germany’s Next Topmodel-Staffel mit Doppelspitze werden.

Wer heute eigentlich ein Foto verdient hätte: 

Der Mensch, der aus schwarzem Bastelkarton und Draht die kleidsamen Namens-Haarreife für alle Models gebastelt hat. (Inklusive Ä-Pünktchen für Cäcilia!)

Drama-Faktor: 

Gewinnen und Verlieren lagen in dieser Sendung nah beinander wie nie, die Kriegsschauplätze sind jedoch seit Wochen die gleichen. Deshalb nur 4/10.

Gesamtwertung: 

3/10. Die Gewinnerin dieser Staffel wird das Gesicht einer Palmolive Limited Edition. Mit jeder Folge erscheint "Seifengesicht" wie ein passenderer Preis für dieses zähe Theater. 

Die offene Frage: 

Wann kommt eigentlich Tom?


Gerechtigkeit

Kevin Kühnert zu Besuch bei Polit-Esoterikern
"Demokratische Stimme der Jugend"

Berlin Mitte, ein Pressegespräch. SPD-Empörungsstar Kevin Kühnert rutscht auf einem weißen Sofa im Konferenzraum der Petitionsplattform Change.org hin und her. Die letzten Wochen machte er mit sozialistischen Visionen von sich reden: BMW kollektivieren, Wohnungeigentum abschaffen (bento). Jetzt sitzt er hier und macht Werbung für einen esoterischen Politikverein und dessen Petition.

Und man fragt sich ein bisschen: Ist das alles nur ein großer Irrtum oder Absicht?

Eigentlich soll es um die junge Frau neben Kühnert gehen: Tracy Osei-Tutu, 20, Politikstudentin aus Berlin, Vertreterin des Vereins "Demokratische Stimme der Jugend". Auf dem Logo flattern drei kleine Flammen, das wirkt wie einst bei den Jungpionieren in der DDR. Aber Tracy geht es um Demokratie, sagt sie. Sie hat eine Petition gestartet, die zwei Forderungen enthält:

  1. Eine Absenkung des Wahlalters. Jugendliche sollen dafür beim Wahlausschuss Beschwerde einlegen.
  2. Mehr Jugendbeteiligung in der Bundespolitik in Form eines "Jugendrats".

Die erste Forderung ist nicht neu. Alle Parteien, außer AfD und CDU, setzen sich für eine Absenkung des Wahlalters ein. Große nationale NGOs wie der Bundesjugendring und das Deutsche Kinderhilfswerk fordern das seit Jahrzehnten. Osei-Tutus Petition hat bereits über 50.000 Unterschriften. Nicht schlecht, aber für den "Stop des Insektizid-Einsatzes um Fichtenwalde, Borkwalde und Borkheide" haben auch schon 77.000 unterzeichnet.

Die zweite Forderung ist radikaler: Ein "Jugendrat" aus 50 bis 100 Jugendlichen soll die Politik beraten und sogar ein Vetorecht für Gesetze im Bundestag bekommen. Ein Losverfahren soll Jugendliche zwischen 14 und 28 auswählen. Dazu soll auf Daten eines Jugendforschungsinstituts zurückgegriffen werden.