Größer, internationaler, schneller – Heidi Klum hat für die elfte Staffel ihrer Modelshow Hollywood-Superlative angekündigt. Wir haben die dritte Folge auf Spielfilm-Tauglichkeit geprüft.

Neues aus Distrikt 12

Die Models allein in Mailand und Madrid auf Jobjagd: Die meisten Mädchen genehmigen erst mal ein Käffchen und schaffen es mit nur 57 Minuten Verspätung zum Designer. Die pünktliche Julia bekommt den Auftrag, weil sie – ganz wie in der "real, real world" – keine anderen Konkurrenten hat. Katniss Everdeen hatte es in "Tribute von Panem" kaum schwerer.

Show me your gadgets!

Jeder James-Bond-Regisseur wäre bei dieser Folge huldvoll in die Knie gegangen: So schamloses Product Placement ist selten! Die Uhren, mit denen die Model-Teams in ihrem Wettrennen ausgestattet werden, sind so groß in Nahaufnahme zu sehen, dass auch zweistellige Dioptrien-Werte nicht helfen, dem Marken-Mantra zu entfliehen.

Die unheimlichen Fälle des MM

Mysteriöse Dinge begeben sich. Jasmin hört Sätze, die nie gefallen sind ("Die haben gesagt, ich bin ihre Favoritin. Und dass sie mich gerne buchen würden."). Michalsky macht außerkörperliche Erfahrungen in seiner Doppelrolle als Juror und Mentor ("Ich bin ganz verloren"). Und Heidi Klum verlangt beim Fotoshooting Übermenschliches ("Guck mal härter. Oder mit dem Mund netter."). Fox Mulder ist schon unterwegs.

Sinnsuche im Schleim

Im Bikini-Shooting lässt Klum die Mädchen eimerweise mit waberndem Zuckersirup übergießen. Statt verschwitzter "Flashdance"-Erotik kommen unweigerlich Erinnerungen an die schleimige Geburt extraterrestrischer Lebensformen in der "Alien"-Reihe auf. Pessimistin Yusra quittiert die Aufgabe im Voraus mit der passenden Frage: "Warum?" Leider bleibt die Kritik am Drehbuch ungehört.

Dinner mit Michael

Wer die Szene in "Hannibal" kennt, in der Psychopath Lecter einen Gast zwingt, sein eigenes Gehirn zu verspeisen, der kennt die bessere Alternative zu einem Abendessen mit Michael Michalsky. Sein Team lässt er nach nur fünf Minuten Standpauke in Tränen aufgelöst zurück. Die selbstgekochte Pasta auch. Einer seiner Schützlinge erklärt den Michalsky-Effekt zurückhaltend: "So wurde aus einem schönen Abend ganz schnell ein nicht so schöner Abend."

Angekündigter Horror

Wirkungsvoller als Kubrick in "Shining" entwirft Heidi Klum schon eine Woche vor der rituellen Komplett-Verwandlung der Mädchen mit kleinen Anspielungen ("Kurze Haare würden dir bestimmt super stehen!") eine Atmosphäre des Horrors. Tränen fließen, entsetzte Schreie schrillen über das Set: "Sie will meine Haare abschneiden!"

Gladiatoren auf Highheels

Versklavte Gladiatoren oder freiheitsliebende Amazonen – so ganz kann sich Michalsky nicht entscheiden, was die Mädchen im finalen Catwalk für ihn sind. Heidi Klum hilft bei der Einordnung, indem sie wie einst Joaquin Phoenix als wahnsinniger Imperator Commodus giggelt, während die Mädchen auf Highheels durch die Wüste stolpern. Sophie, die ein Mal hinfällt, muss gehen. Laura wankt drei Mal und darf bleiben. Heidi: "Das ist ganz egal, dass du gestolpert bist." So lang es der Kaiserin gefällt.

Raus aus der Model-Matrix

Auch Shirin erhält keinen erhobenen Daumen von der Model-Veteranin. Auf den Rauswurf reagiert sie mit einem strahlenden Lächeln und wirkt ehrlich erleichtert: "Jetzt kann ich heimgehen und Heilpraktikerin werden." Ein bisschen ist das, wie Neos schleimbedeckte Geburt von der Matrix in die Realität zu beobachten. Man will Shirin herzen und wie Morpheus mit den verheißungsvollen Worten empfangen: "Willkommen. Willkommen in der wirklichen Welt." Und diese "real, real world" sieht doch gar nicht übel aus.