Bild: Matthias Nareyek/Getty Images

Bombastische Bühnenbilder, dramatische Live-Shootings, die ganz große Entscheidung: Das GNTM-Finale wird jedes Jahr als Höhepunkt der Staffel angekündigt. Doch weder Format noch Heidi sind für eine Liveshow qualifiziert. Um Langeweile und Fremdschämen als Zuschauer auf einem ertragbaren Level zu halten, half gestern Abend vor allem: Ablenkung, nicht zu oft hingucken. Dabei war das gestrige Finale eigentlich eine Sendung voller Partyspiele. Hier sind die Highlights:

Party Time: Dampfbügeln mit Mama

Die Ränge der Arena auf Mallorca sind halbleer, vor allem die Verwandten und Freunde der Kandidatinnen füllen das ehemalige Schloss in der Sangria-Hauptstadt Palma. Die pompöse Bühne versucht das zu kaschieren, indem sie wie ein sterbender Drache Dutzende Nebelfontänen in den Himmel spuckt.

Spiel für zuhause: Das richtige Setting fürs Livegefühl zuhause ist schnell geschaffen: Lade ausschließlich deine Mutter und einen Freund zum GNTM-Abend ein. Bitte die beiden, ihre frischgewaschenen Hemden für die nächste Woche mitzubringen und bügele sie zum Einstieg mit viel Dampf. Animiere deine Gäste dazu, besonders faltenfreien Moves auf dem Bügelbrett mit hemmungslosen Klatschern, lauten Jubelrufen und wahnsinnigen Luftsprüngen zu feiern.

We have never ever: Malle!!

In der zehnten Staffel GNTM muss das Publikum besonders oft daran erinnert werden, dass das Konzept eigentlich doch brandneu ist. „Das hatten wir noch nie!“, schreien Heidi und Michalsky begeistert – und meinen damit das Openair auf Mallorca.

Spiel für zuhause: "We have never ever". Aber bloß eine Runde.

Das GNTM-Finale in Bildern:
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Wer bin ich: Bonuspunkte für Menschen mit Migrationshintergrund

Fata hat einen Migrationshintergrund. Das wissen die Zuschauer so genau, weil ProSieben aus dem einfachen Fakt eine mehrminütige tränendrüsige Underdog-Story spinnt. Nicht zum ersten Mal in dieser Staffel. Auch alle Schicksalsschläge, die die kurzen Biografien der Kandidatinnen so hergeben, werden maximal ausgeschlachtet und – wie im Fall von Jasmin, deren Haus abgebrannt ist – mit Original-Footage belegt.

Spiel für zuhause: "Wer bin ich".

Finde die Fette: Ein unmöglicher Job

Je nach menschenfeindlicher Einstellung der Boulevardblätter wurden zwei Kandidatinnen für ihre Figur im Voraus als "normal" gefeiert oder als zu "dick" kritisiert.

Spiel für zuhause: Finde die Fette. Wer es schafft, darf sich gerne persönlich bei der Autorin melden.

(Bild: Matthias Nareyek/Getty Images)
Saugen und blasen: Zeit für Erotik

Zeit für Erotik: Die Mädchen unterhalten sich in einem Einspieler darüber, zu welcher ihrer Konkurrentinnen sie sich hingezogen fühlen würden, stünden sie auf Frauen. Natürlich vollkommen ungezwungen und ungescripted.

Spiel für zuhause: "Saugen und blasen". Wer sich nicht mehr daran erinnern kann: Man sauge eine Spielkarte an und reiche sie oral an den nächsten Mitspieler weiter. Wenn die Karte runterfällt, kichert ihr verlegen.

Wörterkette: Michalsky plappert

Heidi und Michalsky sind im Dauerecho gefangen: Die Mutter der Show sagt etwas, der unsympathische Modedesigner plappert es Sekunden später nach. Heidi über Taylana, die in Shanghai keinen Job ergattern konnte: "Irgendwie klappt das mit den Jobs nicht." Michalsky zwei Sätze später: "Das mit den Jobs klappt irgendwie bei ihr nicht."

Spiel für zuhause: Zeit für das Wiederholungs-Spiel, das nur an Pfadfinder-Lagern als Partyspiel durchgeht: Ich packe meinen Koffer. Verboten sind alle Gegenstände, die sich gut merken lassen.

(Bild: Matthias Nareyek/Getty Images)
Asian Walk: Penisse malen

Die Juroren verpassen den fünf Finalistinnen absurdes Schuhwerk und lassen sie in Ethno-Looks über die Bühne trampeln. Um sich die Peinlichkeit eines Sturzes im Finale zu ersparen, vollenden die fünf die Aufgabe verständlicherweise in Zeitlupe.

Spiel für zuhause: Einer deiner Gäste ist inzwischen garantiert eingeschlafen. Schnapp dir einen Edding und verzier‘ sein Gesicht mit Penissen. Alles ist besser, als dieser Demütigung beizuwohnen.

Arschloch: Michalsky interviewt Honey

Michalsky interviewt Honey im Publikum. Kims (Ex-)Freund ist schon jetzt der vermutlich größte Profiteur der Staffel: Seine öffentlich geführte Beziehung mit Kim hat er in kürzester Zeit in eine erfolgreiche Boulevard-Kampagne verwandelt. Bild, Gala, red – alle berichten über den selbstkreierten Honey-Hype.

Spiel für zuhause: Stellt den Fernseher auf stumm, schnappt euch Karten und spielt eine Runde Arschloch. Ob ihr Michalsky, Honey oder die Boulevard-Blätter damit meint, ist freigestellt.

Simon says: "Da kommt einer von hinten"

Heidi darf nochmal in ihre Paraderolle schlüpfen und bei einem Fotoshooting direkt auf der Bühne Anweisungen geben. Während sich die Kandidatinnen ohne Hose vor einem roten Vorhang räkeln, lauert Bühnenarbeiter Oskar hinter dem Tuch und begrapscht sie. "Nicht erschrecken", befiehlt Heidi. "Der kommt so ein bisschen von hinten."

Spiel für zuhause: Simon says. Bei dem Kinderspiel stellst du deinen Gästen absurde Aufgaben, die sie zu befolgen haben, solange sie mit einem "Simon says" eingeläutet werden. Für die GNTM-Variante ersetze "Simon" durch "Heidi".

Streichholz ziehen: Die Willigste gewinnt

Kim gewinnt. "Sie hat alles immer mitgemacht", ruft ihr Teamchef Michalsky verzückt, als er sie wie ein Marktschreier auf der Bühne anpreist. Und, ja, das ist in dieser Staffel wirklich eine große Auszeichnung. Überraschend ist die Wahl natürlich nicht: Kim hat den altbewährten Lena-Gercke-Stil. Vor allem aber hat sie sich am willigsten dem Pseudo-Reality-Format ergeben, hat beim Haareschneiden Tränen vergossen und mit ihrem Honey-Zoff für die höchsten Einschaltquoten der gesamten Staffel gesorgt.

Spiel für zuhause: Spielt Streichholz ziehen. Unverdeckt. Wer in der Runde zuvor bei "Heidi says" gewonnen hat, darf als erstes sein Streichholz wählen.


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Wie geht man in anderen Ländern auf die Straße?
Wir haben uns in Barcelona, Buenos Aires, Tel Aviv, Moskau, Shanghai und Beirut umgehört.