Bild: Oliver Langel/imago images
Hätte ein Moderator eine Gruppe von Frauen derartig schmierig behandelt, hätte ihn in der Werbepause jemand zur Seite genommen.

Das Finale von "Germany's Next Topmodel" bestand aus Langeweile und Peinlichkeiten. Dass Heidi Klum darin Frauen triezte und bloßstellte, war zu erwarten gewesen. 

Doch zur Abwechslung fiel die Moderatorin diesmal auch durch ihren Umgang mit Männern unangenehm auf.

Als Live-Act waren die Tänzer von "Magic Mike Live", einer Herren-Strip-Gruppe aus Las Vegas, angereist. Zu Auszieh-Klassikern wie "Sex Machine" oder "Pony" lieferten die 14 Männer eine akrobatisch beeindruckende Show. Anfangs noch vollständig bekleidet, am Ende oben ohne. Schwingende Hüften und im Schritt platzierte Hände gab es auch.

So weit, so stumpf. Beim Publikum kam die Show, dem Kreischen nach, ganz gut an. Doch größter Fan der Gruppe schien Klum selbst zu sein. Schon vor dem Auftritt wirkte sie wie ein aufgedrehtes Kind, das auf seinem Geburtstag ein paar Gummischnüre zu viel gegessen hat. 

Als die Tänzer auftauchten, drehte Klum völlig ab: Sie gebärdete sich wie ein schmieriger älterer Mann, der der Funkenmariechen-Gruppe beim Dorffest unangenehm nahe rückt.

Nach der Tanzeinlage kam Klum mit einem Laubbläser angerannt – um die nassgeschwitzten Tänzer trockenzupusten. Der Witz zündete weder bei ihnen noch den Zuschauern so richtig. Die angepusteten Männer lächelten immerhin professionell darüber hinweg.

Aufs Moderieren konnte Klum sich danach nicht mehr konzentrieren: "Es ist mir einfach zu heiß hier mit den ganzen Jungs." Als die Tänzer endlich Feierabend machen durften, machte Klum eine Show daraus, sich kokett bei jedem einzeln zu verabschieden. 

Als Zuschauerin wollte man den Männern fast ein paar schützende T-Shirts zuwerfen. Die Art, wie Heidi Klum ihnen auf die Pelle rückt, ist höchst unangenehm. Sie behandelt die Männer wie Deko-Objekte, die zu ihrer sexuellen Unterhaltung existieren. Sie redet nicht mit, sondern über sie – und gebraucht dabei nur ein einziges Adjektiv:

„Soooo heiß.“
Heidi Klum

"Wir haben heißen Besuch", "Was für eine heiße Truppe", oder auch einfach: "Mir ist so heiß".

Schon klar: Das hier ist eine Strip-Show. Die ganze Performance ist darauf ausgelegt, Zuschauerinnen zum Kreischen zu bringen. Darauf sind Choreografie und Styling ausgelegt, und dafür haben 14 Männer sicher monatelang trainiert. 

Die Show ist eine Karikatur dessen, was heterosexuelle Frauen vermeintlich attraktiv finden. So funktioniert die Inszenierung von Sexualität in der Entertainment-Industrie. Wir kennen das aus Musikvideos, in denen schamlos nur wackelnde Brüste und Ärsche von Tänzerinnen gefilmt werden.

Der Unterschied ist offensichtlich: Meist sind es Frauen, die karikiert und zu Sexobjekten stilisiert werden. 

Dass das nicht in Ordnung ist, scheint inzwischen gesellschaftlicher Konsens. Die Formel 1 hat ihre "Boxenluder" verbannt. Werbung, die kontextlos Frauen im Bikini platziert, um für Rasenmäher oder Ratenkredite zu werben, sorgt inzwischen ziemlich zuverlässig für einen Aufschrei.

Wenn Männer zu Sexualobjekten gemacht werden, sind die Reaktionen hingegen oft eher verhalten. Das zeigt sich auch bei Heidi Klum und den Strippern. Hätte ein männlicher Moderator im Jahr 2019 in einer Primetime-Sendung im deutschen Fernsehen eine Gruppe von Frauen derartig schmierig behandelt, hätte ihn spätestens in der ersten Werbepause jemand zur Seite genommen und zur Ordnung gerufen. Heidi Klum kommt mit ihrem Verhalten jedoch durch – und das Publikum bleibt auf ihrer Seite.

Im Laufe der Staffel inszenierte sich Heidi Klum immer wieder als Feministin, die starke, unabhängige Frauen fördert. Im GNTM-Finale gab es sogar einen Walk, bei dem die ausgeschiedenen Kandidatinnen mit Slogans wie "Die Zukunft ist weiblich" über den Laufsteg stolzierten.

Vielleicht hält Klum es also auch für feministisch, halbnackte Männer schamlos anzugeiern. Payback-Time für Strip-Clubs, Rap-Videos und Nummern-Girls. Jetzt wird zurücksexualisiert.

Feminstinnen wünschen sich ja eigentlich eine Welt, in der Männer und Frauen gleichberechtigt sind – und keine, in der die einen auf einmal den gleichen Mist erleben, den die anderen jahrhundertelang erdulden mussten.

Wenn wir wollen, dass diese gerechte Welt möglichst bald kommt, sollten sich Frauen vielleicht nicht wie schmierige Onkel aufführen.


Fühlen

Strampeln für den Bass: So funktioniert ein nachhaltiges Festival

Sommerzeit ist Festivalzeit. Von Fusion bis Rock am Ring: Hunderttausende werden ihre Zelte, ein paar Dosen Ravioli und diverse Rauschmittel – legale und illegale – einpacken und für ein paar Tage Alltag und lästige Hygienepflichten hinter sich lassen.

Bei größeren Festivals entsteht so für ein paar Tage eine richtige Kleinstadt: Parkplätze, sanitäre Anlagen, Zeltplätze, gastronomische Versorgung. Große Bühnen brauchen riesige Lautsprecher, Bassboxen, Scheinwerfer und Leinwände. Außerdem müssen Equipment und Besucherinnen und Besucher auch an den Veranstaltungsort kommen. 

Ein großes Festival braucht viel Energie – und produziert eine Menge Müll.

Also lieber zu Hause bleiben, der Umwelt zuliebe? Nicht unbedingt. Es gibt Menschen, die versuchen, Festivals nachhaltiger zu gestalten. Einer von ihnen ist Björn Hansen. Er ist einer der Gründer des "Futur 2 Festival", das klimaneutrales Feiern ermöglichen soll. Am 25. Mai findet es zum zweiten Mal in Hamburg statt.

Wir haben Björn getroffen und mit ihm darüber gesprochen, wie kleine und große Festivals klimafreundlicher werden könnten.