Bild: HBO

Ein laaanges Jahr ist fast vorbei - nur noch ein paar Wochen trennen uns vom Beginn der 7. Staffel Game of Thrones. Mittlerweile gibt es zwei dramatische Trailer (bento), von denen der erste unter anderem noch einmal die Szene zeigt, in der Jon Snow zum „King of the North“ ausgerufen wird - the hype is real.

Und die Sorge um unsere Lieblingsfiguren auch. Denn wir wissen ja, bei George R.R. Martin ist keine Figur vor dem Ableben sicher. Anderen hingegen würden wir es geradezu gönnen - oder steht irgendjemand auf Ramsay?


Was wir dabei oft übersehen: Auch unsere Lieblinge haben durchaus ihre, naja, nennen wir es Schwächen. Gerade das macht sie natürlich zu den fantastisch komplexen Figuren, die sie sind. Aber zu Vorbildern taugen sie ungefähr so sehr wie Claire Underwood und Walter White - gar nicht. Fanliebe hin oder her - wir müssen reden:

Jon Snow

Gefeiert wird er als ...

...der vom Leben gebeutelte Underdog, der sich immer noch für einen Bastard hält. Die stoische Art, mit der er sich allen Widrigkeiten stellt, bringt ihm massiv Sympathiepunkte ein. Dass er wirklich nicht hässlich ist, schadet unserem Bilderbuchhelden natürlich auch nicht, genauso wenig wie die spektakuläre Inszenierung seiner Kampfskills. Battle of the Bastards, anyone? 

Er ist der Anführer, der sich tapfer mit seinem tragischen Schicksal abfindet und mit ein bisschen Nachhilfe sogar von den Toten aufersteht, quasi der Jesus von Castle Black.

Problematisch, weil...

... die Überzeichnung des heldenhaften, kampferprobten Anführers die Tatsache überstrahlt, dass er auch ein ziemlicher Chauvinist ist. Zum Beispiel nimmt er Sansa nicht ernst, als sie am Vorabend der Schlacht gegen Ramsay Bolton berechtigt vor dessen Kalkül warnt. 

So sehen die Helden auf den Plakaten für die siebte Staffel aus:
1/12

Jon fällt dazu nur die aggressive Antwort ein, das sei doch offensichtlich. Nach der Schlacht wäre es eigentlich angebracht, dass er sich ihr entschuldigt und ihr dafür dankt, dass sie ihm durch ihr Eingreifen gerade das Leben gerettet hat. 

Allerdings erntet Sansa stattdessen den unterschwellig vorwurfsvollen Kommentar, man müsse sich gegenseitig vertrauen. Let’s face it: Jon ist nicht nur in dieser Szene ein herablassender Unsympath. Aber wir sehen ihn viel als tragischen Helden und verzeihen ihm dafür so gut wie alles. 

Daenerys Targaryen

Sie wird gefeiert als...

...die „Mother of Dragons“. Sie hat eine Armee. Sie hat einen Lover, lässt sich aber deshalb noch lange nicht die Aussicht auf eine taktische Ehe nehmen. Sie lässt sich nichts gefallen und wird bald Westeros quasi im Alleingang aufmischen. Slay, Queen D! Oder?

Problematisch ist das, weil...

... ihre Herrschaft nicht zuletzt auf Kulturimperialismus aufbaut, also dem vehementen Durchsetzen eigener Wertvorstellungen und Ansichten. Die Dothraki, die einen wesentlichen Teil ihrer Militärmacht bilden, bringt sie zum Beispiel in Staffel 6 auf ihre Seite, indem sie sich rücksichtslos über deren Kultur hinwegsetzt und den Tempel der Dosh Khaleen verbrennt. 

Natürlich lässt sich nicht abstreiten, dass besagte Kultur extrem patriarchalisch und von Brutalität geprägt ist. Das macht jedoch das bewusste Zerstören religiöser Stätten, um die eigene Macht zu demonstrieren, nicht weniger extrem oder fragwürdig. Allerdings ist es für uns auch hier viel einfacher, das alles als „badass“ zu bezeichnen und mit zufriedenem Grinsen zuzuschauen, wenn die selbstgerechten Khals ihre Strafe bekommen.  

Jaime Lannister

Er wird gefeiert als ...

... Sympathieträger, spätestens seit seinem Solotrip mit Brienne. Ohne seine Hand und seine Überlegenheit geht er als geläuterter Mann aus der gemeinsamen Zeit hervor. Außerdem hilft er Tyrion bei der Flucht – Tyrion! Everybody’s darling das Leben zu retten, muss doch was wert sein, oder nicht?  

Problematisch, weil...

... Jaimes persönliches Drama und sein heldenhaftes Eingreifen in kritischen Situationen uns vergessen lässt, dass er seine Schwester Cersei in Staffel vier vergewaltigt. 

Die Szene wurde zwar heiß diskutiert, der Begeisterung für Jaime scheint sie allerdings verdammt wenig geschadet zu haben. Dabei ist gerade diese Botschaft eine der relevantesten der Serie: Menschen können sowohl charmant, nett und liebenswert sein, als auch grausam. Aber sich zu weigern, beide Seiten zu sehen, ist gefährlich. Stichwort victim silencing.

Was bedeutet das?

Klar, Jon Snow hat ein schönes Gesicht. Jaime kann witzig sein. Daenerys hat beeindruckend animierte Drachen. 

Das allein sollte aber kein Grund sein, sie als ultimative HeldInnen zu feiern. Sondern als komplexe Figuren, die beides sind: 

Täter und Opfer. Figuren, die man in einem Moment liebt und im nächsten hasst. Vorbilder in manchen Situationen - und abschreckende Beispiele in anderen.

 


Gerechtigkeit

"Tod dem Diktator": Werfen Deutsche Anti-Erdogan-Flugblätter in Istanbul ab?
Die türkische Polizei hat die Jagd eröffnet.

Morius E. ist in der Türkei gerade ein berühmter Mann. Als "deutscher Agent" wird er bezeichnet, er soll in Istanbul Flugblätter gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan verteilt haben. 

Mithilfe eines ferngesteuerten Druckers habe der 26-jährige E. die Anti-Erdogan-Flyer direkt aus einem Hotelzimmer am Istanbuler Gezi-Park verteilen lassen. Nun sei er auf der Flucht, wahrscheinlich ist er schon wieder in Deutschland. 

Die türkischen Behörden haben seinen angeblichen Ausweis an die Medien weitergegeben: