Bild: HBO
6x10 - "The Winds of Winter"

"Game of Thrones" ist zu Ende – es lebe "Game of Thrones"! Nach dem epochalen Kampf der Bastarde hatten sich viele Fans gefragt, ob das Finale der sechsten Staffel noch mal einen drauflegen kann. Konnte es!

Gegner sterben, Könige kommen, Armeen formieren sich – "The Winds of Winter" hat viele Plots beendet und neue aufgemacht. Mit 69 Minuten war noch nie eine GoT-Folge so lang. Und hat noch nie so viel Sehnsucht auf die kommende Staffel gemacht.

Unsere GoT-Nerds analysieren, was die Staffel gebracht hat – und welche Figuren triumphieren konnten.

Spoiler-Warnstufe rot

Wir haben dich gewarnt. Hier verraten wir alles. Wenn du die Serie oder den Film noch nicht gesehen hast und das noch vor hast, betrittst du diese Seite auf eigene Gefahr.

Erst ein kurzer Recap:
  • Cersei jagt die Kathedrale von King's Landing in die Luft – mit den versammelten Spatzen, dem High Sparrow, Margaery Tyrell und anderen Würdenträgern darin.
  • Tommen stürzt daraufhin wehmütig in seinen Tod, seine (gar nicht mal zu sehr trauernde) Mutter besteigt den Iron Throne.
  • Arya schleicht sich im Hause Frey ein und ermordet Walder, den Verantwortlichen des "Red Wedding".
  • Daenerys setzt endlich über die Narrow Sea; mit ihren Drachen, dem Dothraki-Heer und den Schiffen der Eiseninseln.
  • Auch mit neuen Verbündeten: Varys hat die Frauen des Hauses Martell und Tyrell auf die Seite von Daenerys geholt.
  • Im Norden schwören endlich alle Häuser Jon Snow die Treue, ihrem neuen "King of the North".
  • Und Bran hat die wohl wichtigste Vision von allen: Im Tower of Joy wird er Zeuge von der adligen Herkunft Jon Snows. Wie viele Fan-Theorien vermuteten, ist Jon tatsächlich kein Bastard, sondern der heimliche Sohn von Ned Starks Schwester Lyanna und Daenerys großem Bruder Rhaegar Targaryen (R+L=J)!
Jon Starkgaryen, yeah!
Hier kannst du die anderen Recaps zur Staffel lesen:
1/12
Unsere GoT-Nerds Maxi und Marc beraten über das Finale (Abb. ähnlich)(Bild: HBO/bento)
Hat Staffel 6 geliefert?

Das Fazit von GoT-Nerd Maria-Xenia Hardt: Ich habe erwartet, dass Jon Snow zurückkommt – check; dass Sansa ihr Schicksal endlich selbst in die Hand nimmt – check; und dass seit Staffeln vor sich hin dümpelnde Plots (wie die von Arya und Daenerys), endlich Fahrt in Richtung Westeros aufnehmen würden – das wurde im Staffelfinale grade noch so geschafft.

Staffel 6 war die erste ohne direkte Buchvorlage. Im Gegensatz zu vielen, die sauer sind, wenn die Show sich nicht so nah wie möglich an den Büchern hält, habe ich gehofft, dass das Buch-Vakuum eine Chance für die Show ist und die Möglichkeit bietet, unterschiedliche Versionen derselben Geschichte zu erzählen. Besonders gut hat GoT das mit Sansas Storyline gemacht – nicht ganz so erfolgreich in Dorne.

Das Fazit von GoT-Nerd Marc Röhlig: Die Entwicklung im Norden – sowohl bei Jon wie bei Bran – war genau richtig. Mal auf den Punkt, mal mit ruhigerem Pacing, mal in epischer Ausführlichkeit. In Essos hingegen war vieles zäh wie Valyrisches Leder. Generell merkt man, dass die Macher auf ein großes Ende hinschreiben und wie beim Autoscooter mal vor, mal zurück, mal im Kreis fahren. Das hat die Staffel etwas holprig gemacht, bringt sie aber im großen Ganzen weit nach vorne.

Die Erkenntnis, die mir nach dem Staffelfinale am meisten Spaß gemacht hat: "All men must die" darf man mittlerweile wörtlich verstehen. Dorne, die (künftigen) Eiseninseln, King's Landing und die Essos-Streitmacht werden alle von starken Frauen geführt. Nur im Norden sitzt Jon Snow. Aber selbst der wird mittlerweile schief von Sansa angeschaut...

Bester Moment?

Maria: Jon Snow mit erhobenem Schwert allein gegen eine Masse von auf ihn zu galoppierenden Pferden – das war der krasseste Moment, ein Bild, das ich so schnell nicht vergesse in einer visuell generell extrem durchdachten und großartigen Staffel. Noch emotionaler war die Bestätigung der R+L=J-Theorie. Schon als Jon zu Sansa sagte, "Well, father always promised, didn’t he?", musste ich ein kleines Tränchen in freudiger Antizipation verdrücken.

Marc: Hodor. Hodor! Hodoooor!

Eine Lieblingsfigur?

Maria: Camp Snow! Dort habe ich am Anfang mein GoT-Zelt aufgeschlagen, da bleibe ich. Es gibt Momente, da bringt Jon mich zum Verzweifeln – wenn er seine gesamte Strategie über den Haufen wirft, um den totgeweihten Rickon zu retten – aber es sind eben auch diese Momente, die ihn zum letzten Helden einer kaputten Welt machen. White Wolf. Kind in the North. The Last Hero.

Marc: Cersei. Und auch erst mit dem Finale. Klar, sie ist die neue "Mad Queen", ein Monster, eine Matriarchin. Genau das macht sie gut. Jaime Lannister und Ramsay Bolton waren Posterboys des Bösen; nicht fies aus Machterhalt, sondern aus Freude. Cersei aber bietet das gleiche Potenzial an Sadismus – die Sprengung der Kathedrale, "Frankenmountain", auf Mord trainierte Bettelkinder – und macht das alles auch noch aus Kalkül. Selbst der Tod von Tommen ist nur noch ein kleines Übel. Besser kann ich mir keine Antagonistin wünschen.

Eine Hassfigur?

Maria: Cersei. Früher stand ich ihr seltsam gleichgültig gegenüber. Ihre Szenen haben mich abwechselnd genervt und gelangweilt. In dieser Staffel ist sie zu einem der besten Bösewichte aufgestiegen, die man sich wünschen kann und meine Gleichgültigkeit ist Hass-Liebe gewichen. Sie ist grausam und rücksichtslos, aber nicht ohne Menschlichkeit. Sie ist auf ihre Art berechnend und hat gleichzeitig den Verstand verloren: "It feels good to watch them burn." Sogar Jaime hat Angst vor ihr – zurecht.

Marc: Daenerys. Wobei Hass hier ein starkes Wort – sagen wir eher, ich war von ihr diese Staffel sehr gelangweilt. Wieder Ärger mit den Dothraki, wieder Aufstand in der Sklavenbucht, wieder Auferstehung aus den Flammen, wieder entfesselte Drachen. In Staffel Sechs wurde noch mal erzählt, was Daenerys seit Staffel Eins in Essos so trieb. Das einzig Versöhnliche (und was mich auf ein drängendes Comeback von Daenerys Wichtigkeit hoffen lässt) ist das Schlussbild: The First of Her Name, Mother of Dragons, Breaker of Chains wird endlich zur "Conqueror of the Narrow Sea".

Der unnötigste Tod?

Maria: Osha. Alle wussten schon lange, wie grausam Ramsay war – die Erinnerung daran hätte man sich sparen können.

Marc: Fällt mir keiner ein. Die Serie ist Blut und Blut ist die Serie.

Die Folge, die man auch weglassen könnte?

Maria: Jede Folge hat irgendwie ihre Berechtigung, auch jene, die die großen Momente anderer Folgen vorbereiten. Was ich aber einfach nicht verstehe ist, warum die Dorne-Storyline, die zu Beginn der Staffel komplett geschlachtet wurde, um das Gesamtnarrativ zu verschlanken (so zumindest meine Interpretation), am Ende wieder aufgegriffen wird – unnötig.

Marc: Wahrscheinlich "No One", die achte Folge. Dort wurde Riverrun möglichst unspektakulär abgehandelt und Aryas Konflikt mit der Waif nach viel zu viel Pseudo-Kampf zu Ende gebracht. Weniger Arya und dafür einen On-Screen-Kampf mit dem Blackfish hätte mir besser gefallen.

Was jetzt in der siebten Staffel passieren MUSS?

Maria: Cersei muss sterben. Die Starks – Sansa, Jon, Arya, Bran – müssen wiedervereint werden (A girl can dream!). Und die Mauer im Norden muss fallen.

Marc: Baelish muss wieder zeigen, warum er der Meister der Ränke ist, gerne auch mit einem Konflikt zwischen Sansa und Jon. Und Tyrion muss wieder nützlich werden.

Und jetzt ein Quiz:


Today

Martin Sonneborn über den Brexit: Hätte es mal ein YouTube-Tutorial gegeben
"Was wird uns fehlen: Klonschafe wie die Spice Girls? Rinderwahn?"

Martin Sonneborn, Abgeordneter der PARTEI im Europaparlament, hat ein herrlich unprofessionelles und stark improvisiertes Statement zum Brexit abgegeben – inklusive schlecht vom Zettel ablesen und sich versprechen. Ob die Performance nun eine ironische Anspielung auf die gerade stattfindende politische Kernschmelze und die vielen planlosen Politiker ist, oder ob er einfach nur ein hartes Wochenende hatte, wird leider nicht verraten.