Bild: HBO
Endlich voller Emotionen Abschied nehmen!

Für Monarchien gilt: Der König ist tot, es lebe der König. Aber was ist mit geliebten Serien? "Game of Thrones" ist vorbei, das Leben geht weiter – das mag zwar faktisch richtig sein. Beim Abschiednehmen hilft es dennoch nicht weiter.

Wie gut, dass nun eine letzte Szene aufgetaucht ist, die Fans von "Game of Thrones" noch einmal Jon und Daenerys erleben lässt – und so manchen Kritiker mit dem Ende versöhnen könnte.

Einige Fans sind enttäuscht, halten die Charakterzeichnungen und Logikfehler der letzten Staffel für eine Katastrophe. Andere halten das Finale für einen gelungenen Abschluss nach all den Machtspielen. Aber egal, wie man zum Ausgang steht, eine Szene polarisiert besonders.

Achtung, Spoiler – falls du das Ende von "Game of Thrones" immer noch nicht kennst und dich aus unerklärlichen Gründen trotzdem hierhin verirrt hast.

Es geht um die letzte Szene zwischen Jon und Daenerys. Beide haben sich in Staffel 7 ineinander verliebt und dann in Staffel 8 von ihrer Neffe-Tante-Verbindung erfahren. Im inszestuösen Westeros war das aber weniger ein Problem, als der Thronanspruch, mit dem Jon nun vor Daenerys steht. 

Zwar wollte Jon den Eisernen Thron nie, sie neidet es ihm dennoch und verfällt binnen weniger Wochen – pardon: Handlungsminuten – dem Wahnsinn. Mit Drogon brennt sie King's Landing (Königsmund) nieder, tötet Zivilisten und lässt sich ergebende Soldaten hinrichten. 

Am Ende bleibt Jon nur eine Erkenntnis: Ich muss meine große Liebe umbringen, um Westeros vor Schlimmerem zu bewahren.

Die Erdolchung im Thronsaal spaltet nun die Fans: Die einen wollen den Verfall und Tod von ihrer geliebten "Mutter der Drachen" nicht hinnehmen. Die anderen können die Auflösung des Konflikts hinnehmen. Immerhin wird so eine wichtige, seit mehreren Staffeln angedeutete Prophezeiung aufgelöst:

Aber wie haben die Darsteller Kit Harrington und Emilia Clarke das Ende selbst aufgefasst? 

Ein Video zeigt nun, wie Kit Harrington erstmals davon erfuhr – und hilft vielen Fans mit dem Abschied von "Game of Thrones". Kit Harrington, Emilia Clarke und viele andere Darsteller sitzen in dem Clip an einem großen Tisch und lesen gemeinsam das Drehbuch. 

Solche Lesungen werden abgehalten, um vor dem Dreh gemeinsam eine Szene durchzugehen. Jemand hat den Moment dokumentiert – die Szene wurde nun in "The Last Watch" gezeigt, einer Doku über die Dreharbeiten, die der Sender HBO am Sonntagabend eine Woche nach Serienende zeigte.

Als Kit "Jon" Harrington erfährt, das er Emilia "Daenerys" Clarke in einer liebevollen Umarmung erdolchen soll, wühlt er sich durch die Haare, ist sichtlich aufgelöst. So richtig glauben kann er das alles nicht. In einem Interview mit US-Talkshow-Host Stephen Colbert hatte Harrington mal erzählt, er hatte als einziger der Darstellerinnen und Darsteller das Script der letzten Folge noch nicht gelesen, bevor sich die ganze Crew zum gemeinsamen "Table Read" traf. Harrington reagierte also als einziger am Tisch komplett spontan und emotional auf die dramatische Szene zwischen ihm und Dany.

Emilia Clarke, die dem aufgelösten Harrington gegenüber sitzt, schürzt die Lippen und weiß nicht, ob sie lachen oder weinen soll – am Ende rutscht sie einfach immer weiter unter den Tisch:

Vorgelesen wurde das Drehbuch von den Serienmachern D.B. Weiss und David Benioff – die von Fans für das Ende verantwortlich gemacht werden. Der Hass im Netz konzentriert sich fast ausschließlich auf die beiden. Eine Petition forderte gar, das Ende neu schreiben zu lassen – von Leuten, die sich auskennen. 

Egal, wie man nun zum Ausgang von "Game of Thrones" steht: Die kleine Szene hilft, alle Gefühle noch mal zu kanalisieren.

Genau das tun die Fans auf Twitter: Emilia Clarkes Gesicht spreche Bände, sagen die einen – Kit Harringtons Tränen beweisen, wie emotional die Szene sei, die anderen. Und wie selbstgewiss die Serienmacher Weiss und Benioff die Szene verlesen würden – tja, das erzürnt auch noch mal viele.

In jedem Fall hilft die Szene, noch einmal die Schauspieler bei ihrer Arbeit zu sehen. 

Und nun vielleicht tatsächlich zu verstehen: Es ist eine Serie. Und sie ist zuende.


Fühlen

Fremdbestimmt: Wie Lisa sechs Jahre lang unter rechtlicher Betreuung lebte
Früher hätte man gesagt, sie wurde "entmündigt".

Über eine Million Menschen in Deutschland dürfen nicht eigenständig tun und lassen, was sie für richtig halten, obwohl sie volljährig sind. Sie sind geistig oder körperlich nicht in der Lage, ihre rechtlichen Pflichten zu erfüllen. Früher hätte man gesagt: Sie sind entmündigt. Heute heißt es: Sie stehen unter rechtlicher Betreuung. 

So war es auch bei Lisa*, 26, aus Heidelberg. Sie lebte lange Zeit unter rechtlicher Betreuung.

"Ich wurde seit meinem 18. Lebensjahr betreut, bis ich 24 war – also knapp sechs Jahre", erzählt sie. Seit zwei Jahren lebt sie nun wieder selbstständig. Die Betreuung zuvor war aufgrund psychischer Probleme nötig:

"Ich hatte eine schwierige Familiensituation. Mein Vater hat mich jahrelang psychisch missbraucht. Das alles mündete in einer Depression und einer Borderline-Erkrankung." Eine erste Diagnose wurde gestellt, als Lisa acht Jahre alt war. Jahrelang kämpfte sie gegen die Krankheiten, wuchs im Heim für schwererziehbare Jugendliche auf, kam aber auch dort nicht auf die Beine. Als sie 18 und damit volljährig wurde, war für die Pflegeleitung klar, dass sie Unterstützung brauchte.