Bild: Niall Fegan
Wir waren mit einem "Wildling" an berühmten Drehorten.

Die letzte Folge von "Game of Thrones" ist zwar gelaufen, aber das muss für Fans nicht das Ende bedeuten. Für William Mulhall aus Belfast etwa hat das Spiel erst begonnen: 

"Game of Thrones" hat sein Leben und sein Land verändert, sagt er.

"Nordirland war bekannt für die Titanic, die untergegangen ist und für Autobomben, Proteste, brennende Städte und Tausende Tote während des Konflikts zwischen Katholiken und Protestanten", sagt William. Wer in Belfast einen der üblichen Busse zur Stadtrundfahrt besteigt, wird viel über diesen Konflikt erfahren. Es sei denn, man wartet, bis sich ein paar langhaarige junge Männer mit der Flagge des Hauses Stark unter die Touristen mischen, und folgt ihnen auf eine besondere Bus-Tour, die einen an die Drehorte von "Game of Thrones" führt. 


William ist einer dieser Männer. Als sich die Türen schließen, setzt er das Grinsen von Serienfigur Ramsay Bolton auf:

"Herzlich Willkommen in Westeros!"

Als wir William alleine zu einer exklusiven Tour treffen, holt er uns in einer weißen Limousine ab und umfährt die vielen Tourbusse gekonnt. "Wenn wir zu den Dark Hedges wollen, müssen wir uns beeilen. Wenn erst mal die ersten Touristen da sind, kann man keine schönen Fotos mehr machen."

Die Dark Hedges in Nordirland waren Drehort für den "Königsweg".

(Bild: Niall Fegan)

Mittlerweile gibt es nämlich zahlreiche Unternehmer, die auf den Zug aufgesprungen sind und mit dem Namen "Game of Thrones" Geld verdienen wollen. Auf den Touren werden die Drehorte der Serie abgeklappert und Geschichten vom Dreh mit den "Game of Thrones"-Stars erzählt. Die Tourguides waren nämlich meist selbst als Komparsen dabei.

Williams Tour hebt sich von der Konkurrenz durch die Kuschelstunde mit seinen beiden Hunden ab: Die Nordinuit-Huskies Odin und Thor haben in der Serie die Schattenwölfe Summer und Greywind verkörpert. "Es gibt Fans, die aus den USA kommen, um ein Selfie mit meinen Hunden zu machen", erzählt William. Er hat sie auf 1 Million Pfund versichern lassen.

William mit seinen beiden Hunden Odin und Thor, die in "Game of Thrones" Schattenwölfe verkörperten.

(Bild: Niall Fegan)

Angefangen hat alles mit einer Absage

Vor zehn Jahren brachte sein Vater ihn und seine beiden Brüder Caelan und Ross zu einem Casting, HBO war auf der Suche nach Komparsen für den Pilotfilm von "Game of Thrones". Heute würden die drei Brüder mit ihren dunklen langen Haaren und ihren Bärten perfekt in das Setting passen und spielten tatsächlich später in der 8. Staffel auch Wildlinge. Doch damals waren die Jungs den Produzenten zu jung. Nur der Vater wurde als Dothraki-Sklaventreiber angeworben.

Kurz darauf erhielt William Mulhall jedoch einen Anruf vom Züchter seiner beiden Hunde, die damals noch Welpen waren. Die Produzenten von "Game of Thrones" waren auf der Suche nach wolfsähnlichen Hunden, die mit Computer-Effekten zu den Schattenwölfen werden sollten.

"Die Husky-Welpen, die die anderen vier Schattenwölfe spielen, brauchten auch Kostüme und Computer-Effekte, um in die Rolle zu passen, aber die Rasse meiner Hunde war perfekt. Die gingen auch so als Wolfswelpen durch", erzählt er stolz. Von da an hat "Game of Thrones" seine Familie nicht mehr losgelassen.

(Bild: Niall Fegan)

Ein Land wird zum Freizeitpark

Die Serie wurde in den Titanic Studios in Belfast produziert, gedreht wurde an 63 Orten in Nordirland. Auf Google Maps heißt ein Schloss etwa nicht mehr Castle Ward, sondern Winterfell Castle, wie in "Game of Thrones". Manche Drehorte haben eigene Ortsschilder bekommen, jahrzehntealte Pubs haben ihre Namen geändert und Wandmalereien an Häuserwänden, die an den Bürgerkrieg erinnerten, wurden mit Drachenköpfen übermalt. In Belfast gibt es außerdem eine Ausstellung, bei der man alle Requisiten und Kostüme der Serie findet.

Jeder, den man in Nordirland trifft, kennt jemanden, der für die "Game of Thrones"-Crew gekocht hat, Maskenbildner oder Komparse der Show war oder Schwerter und Speere dafür hergestellt hat. 

An insgesamt 63 Drehorten in Nordirland entstanden Szenen für "Game of Thrones".

(Bild: Niall Fegan)

William Mulhall liebt es, wenn seine Gäste ihm erzählen, wie erstaunt sie von der Schönheit der Landschaft sind. Er glaubt, dass auch die Geschichte des Landes den Autor G.R.R. Martin für seine Bücher inspiriert hat. Deshalb wird seine "Game of Thrones"-Tour auch mit abseitigen Geschichten von lesbischen Gräfinnen und irischen Intrigen ausgeschmückt.

Er selbst interessierte sich als Teenager nicht sehr für sein Land, sagt William. In der Schule wurden er und seine Brüder von Mitschülern wegen ihrer langen Haaren ausgegrenzt. Nach seinem Schulabschluss reiste er erst mal um die Welt und landete mit seinem drei Jahre jüngeren Bruder Caelan als Rettungsschwimmer in Neuseeland. Dort wurde er vom "Herr der Ringe"-Tourismus inspiriert. Er erinnert sich daran, wie stolz die Menschen, denen er auf seinen Reisen begegnete, auf ihre Länder waren. Das ist er nun auch.

"Wer die Serie geschaut hat, war überwältigt von den Computer-Effekten. Doch das meiste ist kein Effekt. Es ist Nordirland!"
William Mulhall

Dass HBO die "Game of Thrones"-Produktion in Nordirland gestartet hat, sei ein großes Zeichen für die Einwohner des Landes gewesen, sagt William. Sie hoffen nun, dass auch andere Unternehmen nachziehen. Im Lauf der acht Staffeln wurden allein für "Game of Thrones" schon 5.000 lokale Einwohner beschäftigt, laut Northern Ireland Screen hat der Dreh dem Land 206 Mio. Pfund eingebracht.

Der Tourismus ist ein wachsender Wirtschaftssektor im Land. Es werden stetig neue Hotels gebaut, obwohl es kaum Direktflüge nach Nordirland gibt. 

Dass die Einwohner jetzt auch vom Tourismus profitieren, liege vor allem an der offenen Lizenzpolitik von HBO, sagt William. So könne sich jeder eine kostenlose Lizenz besorgen, um den Namen "Game of Thrones" zu verwenden.

Das Ende der Serie macht William keine Angst. 

"Wir haben aus dem Nichts angefangen", erzählt er. "Vor einem Jahr haben wir die Leute noch in unseren privaten Autos herumgefahren und wussten nicht einmal, ob irgendjemand kommen wird."

Und auch wenn irgendwann keine Touristen mehr kommen: Das Bild von Nordirland hat sich durch "Game of Thrones" für viele verändert.


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Die finale Staffel "Game of Thrones" liefert das beste Ende überhaupt
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Am Ende ist der Thron ein Bleihaufen, Jon im Schnee und ein Rollstuhlfahrer, der in der Vergangenheit lebt, entscheidet über die Zukunft von Westeros. Und ganz ehrlich: Ich finde das richtig gut. 

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