Bild: DC Comics / https://www.instagram.com/p/BHp7BTWBLqA

Wenn beliebte Serien oder Filmreihen neu aufgelegt werden, ist das für eingefleischte Fans oft eine bittere Enttäuschung. Das "Ghostbusters"-Remake befanden viele Fans schon für Schrott, bevor es überhaupt in die Kinos kam. Ganz unverständlich ist die Skepsis nicht – undurchdachte, unoriginelle Reboots haben schon so manche Serie kaputt gemacht, statt sie zu bereichern.

Doch was macht eigentlich einen guten Reboot aus?

"Jedes Mal, wenn ich versuche, mich anzupassen, beweise ich nur, dass ich nicht dazu gehöre.“ Dieses nachdenkliche Zitat stammt von Wilma Feuerstein. Auch ihr steht nach Jahren ein Familientreffen ins Haus: Die Flintstones, hierzulande bekannt als Familie Feuerstein, kommen zurück.

Im Video: Das Intro von "Familie Feuerstein"

Die Cartoon-Sitcom rund um die Steinzeit-Familie war auch im deutschen Fernsehen ein Dauerbrenner. Für Kinder der Achtziger und Neunziger gehörte Fred Feuersteins Jubelruf "Yabba Dabba Doo!" ebenso zum TV-Alltag wie das "Cowabunga" der Ninja Turtles oder später das "D'oh!" von Homer Simpson.

In der Slideshow: So sehen die neuen Comics von "Flintstones" und Scooby Apocalypse" aus
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Nun spendiert US-Comic-Verlag DC den Höhlenmenschen einen Neubeginn, zumindest auf Papier. Und der zeigt, wie voreilig es ist, Reboots von vorneherein als unnötig oder unkreativ abzustempeln. Fred und Wilma bleiben natürlich Fred und Wilma – aber ihr neues Leben hat mehr mit der Serie "Mad Men“ gemeinsam, als mit dem bekannten Zeichentrickcartoon.

Und genau so müssen Reboots funktionieren.

Was ist neu?

Auf den ersten Blick wirkt die Neuauflage vertraut. Wilma und Fred sind ein liebendes Paar aus dem Mittelstand, Betty und Barney von nebenan ihre besten Freunde. Auch den "Flintstones"-typischen Humor behält der Comic bei.

So halten auch in der neuen Serie Urzeit-Tiere als Ersatz für moderne Gadgets her – die Klimaanlage in Freds Lieblingsrestaurant wird zum Beispiel von einem Mammut betrieben. Trotz des realistischeren Zeichenstils wird jeder die Welt der Feuersteins sofort wiedererkennen.

Aber es sind die Neuerungen, die den besonderen Reiz des Comics ausmachen.

We're a civilization now, Flintstone. Men are only remembered for their accomplishments.
Mr. Slate, "The Flintstones"

"Ich wollte sie einfach als Menschen schreiben, die mit den Möglichkeiten und Gefahren dieser neuen Sache namens Zivilisation zurechtkommen müssen", sagt Autor Mark Russel im Interview. "Fred ist in einer beruflichen Sackgasse gefangen. Wilma ist eine intelligente, tiefgründige Frau, die versucht, ernst genommen zu werden. [Ihre Heimatstadt] Bedrock ist ein wundervolles Omelett, aber es mussten eine Menge Eier dafür zerschlagen werden."

Wo der Cartoon Spaß machte, macht der Reboot ernst.

Die Gemeinschaft der Wasserbüffel-Brüder war ursprünglich ein schlichter Herren-Club. In der Neuauflage ist es ein Veteranenverband, dem auch Fred und Barney angehören. Sie haben unter Einsatz ihres Lebens für die Steinzeit-Zivilisation gekämpft. Nun stehen sie tagtäglich vor der Frage, ob es das wert war. Freds Chef, Mr. Slate, beschäftigt Neandertaler von außerhalb gern als billige Arbeitskräfte in seinem Steinbruch, verachtet sie aber gleichzeitig als primitive Wilde.

Mit Cartoon-Klamauk hat das nichts mehr tun – die neuen "Flintstones" sind bissig, politisch und gesellschaftlich relevant. Die Neuauflage nutzt den Feuerstein-Namen, um neugierige Fans anzulocken und wertet gleichzeitig die eher simpel gestrickten Charaktere auf. Fred und Wilma Feuerstein sind Ikonen der Popkultur, aber zum Innehalten und Nachdenken haben sie wohl selten jemanden gebracht.

Der Reboot ändert das. Diese Feuersteins sprechen nicht nur eine neue Generation von Fans an, sondern ein komplett neues Publikum.

Und: Die Feuersteins sind nicht die einzigen Zeichentrick-Helden, denen DC ein Makeover verpasste.

Scooby Doobie Dystopie!
(Bild: Giphy )

Auch der sprechende Hund Scooby Doo und seine Detektiv-Freunde erhielten einen Neuanfang. Jahrelang war "Scooby Doo" als mittelmäßiger, erfolgreicher Cartoon in Dauerschleife zu sehen. Für den Comic-Reboot "Scooby Apocalypse" wurde das Franchise nun komplett auf den Kopf gestellt.

Die Story:

Ein Unfall in einer Forschungseinrichtung stürzt die Welt ins Chaos; Monster und Mutanten überrennen die Zivilisation. Scooby und der Rest der Gang müssen nun ihre Differenzen überwinden und sich zusammenraufen, wenn sie in dieser feindlichen neuen Welt überleben wollen.

Allzu weit hergeholt ist das nicht – statt wie gewohnt Jagd auf gruselig verkleidete Verbrecher zu machen, sieht die Gang sich nun mit echten Monstern und Bedrohungen konfrontiert. Damit schließt "Scooby Apocalypse" an Erfolgsserien wie "The Walking Dead" oder "The 100" an und wird schlagartig interessanter denn je. Gleichzeitig behalten die Helden ihre bekannten Charakterzüge bei, so dass Alt-Fans angesichts der Veränderungen keine Verlustangst erleiden.

Es ist also eine schwierige Balance: Ein Reboot, der den Fans unter bekanntem Namen etwas völlig Fremdes unterjubeln will, ist fast immer zum Scheitern verurteilt. Aber auch Neuauflagen, die gegenüber dem Original nur kosmetische Änderungen vornehmen, kommen selten gut an.

"The Flintstones" und "Scooby Apocalypse" führen nun vor, wie es auch gehen kann: Sie zeigen, welche neuen Geschichten sich mit den vorhandenen Figuren und Konzepten erzählen lassen. Anstehenden Reboots wie "Ghostbusters", "Power Rangers" oder "Spider-Man" darf man also durchaus hoffnungsvoll entgegensehen.

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