Bild: Senator
Stoff für endlose Quarantäne-Tage

In Deutschland wird das öffentliche Leben immer weiter zurückgefahren. Viele Leute arbeiten im Homeoffice oder sind in Quarantäne – und haben schon nach ein paar Tagen das Gefühl, die Decke falle ihnen auf den Kopf. 

Ein Gutes allerdings haben die Social-Distancing-Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus: Man hat Zeit für Dinge, die im normalen Alltag zu lange dauern – zum Beispiel Filme, die länger als zwei Stunden sind und bei denen man sonst irgendwann auf der Couch wegnickt.

Hier sind fünf Film-Empfehlungen, für die ihr euch jetzt Zeit nehmen könnt:

The Hateful 8 (2015): 187 Minuten

Marc tauscht Wohnzimmer-Quarantäne gegen Western-Quarantäne.

Worum geht es?

Ein Kopfgeldjäger bringt eine Gefangene durch einen Schneesturm, trifft auf andere Kopfgeldjäger, Cowboys und Tunichtgute. Am Ende suchen alle Zuflucht in einer Ranch – und erschießen sich gegenseitig. Dazwischen wird viel geredet, sehr viel geredet. Das aber so cool, dass man die Zeit vergisst.

Deshalb lohnt sich der Film:

Quentin Tarantino war in Hollywood lange für seine blutigen, aber dennoch kunstvollen Filme berühmt – mittlerweile wirkt sein Stil oft eher abgedroschen. "The Hateful 8" aber ist ein Film, der einerseits typisch Tarantino ist und andererseits durch den Kammerspiel-Charakter aus dem Rahmen fällt.
Fast die gesamte Handlung spielt in der Ranch. Die Charaktere sind gezwungen, auf engem Raum auszuharren, bis der Sturm das normale Leben wieder freigibt. Es ist eine schöne Parallele zum Homeoffice. Nur dass Cowboys im Homeoffice halt irgendwann um sich ballern.

Für Fans von: 

"Django Unchained" oder "Das finstere Tal"

Wo kann man streamen?

Derzeit bei Amazon Prime Video

Boyhood (2014): 163 Minuten

Leni mag das Coming-of-Age-Mammutprojekt.

Darum geht es:

Um Familie und ums Erwachsenwerden. Im Mittelpunkt steht Mason, gespielt von Ellar Coltrane, dessen Kindheit und Jugend mit all ihren Meilensteinen gezeigt werden: Konflikte mit den Eltern, der erste Rausch, die erste Liebe.

Deshalb lohnt sich der Film:

Coming-of-Age-Filme gibt es viele. Doch "Boyhood" ist einmalig: Regisseur Richard Linklater drehte den Film über zwölf Jahre hinweg – immer mit der gleichen Besetzung. Man sieht die Schauspieler also tatsächlich altern, besonders den Hauptdarsteller Coltrane, der bei Drehbeginn sechs Jahre alt war. In wunderschönen Bildern vermittelt der Film so ein authentisches Gefühl für die Höhen und Tiefen des Heranwachsens. Und das braucht, ebenso wie dieser Film, nun mal ein bisschen Zeit.

Für Fans von: 

Ethan Hawke

Wo kann man streamen?

"Boyhood" kann man zum Beispiel bei Amazon oder iTunes leihen.

The Irishman (2019): 209 Minuten

Phil liebt den vielleicht besten Mafia-Film der letzten 20 Jahre.

Darum geht es:

Der irischstämmige Frank Sheeran arbeitet in den 1950er Jahren als LKW-Fahrer und bessert sein Gehalt auf, indem er Fleischlieferungen stiehlt und an die Mafia verkauft. So rutscht er in die organisierte Kriminalität. Er kann sich durch seine Skrupellosigkeit und Gewalt schnell einen Namen in der Cosa Nostra machen und wird zum Leibwächter des Anführers einer Gewerkschaft, die von der Mafia unterwandert wurde. Ab da beginnt ein Kampf um die Vormachtstellung in der Gewerkschaft und der Mafia-Familie.

Deshalb lohnt sich der Film:

Schon der Cast liest sich wie die Besetzung eines Mafia-Films aus den 1980er Jahren: Robert De Niro, Al Pacino, Joe Pesci, Ray Romano und viele andere treffen sich wohl zum letzten Mal auf der Leinwand.

Und Regisseur Martin Scorsese inszeniert das, was er am besten kann: die Feind- und Freundschaften in der Mafia, wo man sich nie sicher sein kann, ob das Gegenüber gleich eine Waffe zückt oder ein Bier spendiert. "The Irishman" wirkt wie ein Nachruf auf die Zeit der sizilianisch-amerikanischen Mafia zwischen den 1950er und 1980er Jahren. Viel Nostalgie und eine ordentliche Portion glorifizierender Kitsch machen den Film zu einem Meisterwerk.

Für Fans von:

"Scarface", "Der Pate", "Casino" und allen anderen Scorsese-Filmen

Wo kann ich "The Irishman" streamen?

"The Irishman" ist ein Netflix Exclusive.

Victoria (2015): 140 Minuten

Basti war beeindruckt von diesem deutschen Filmkunst-Meisterwerk.

Darum geht es: 

Die junge Spanierin Victoria lebt erst seit Kurzem in Berlin. Beim Feiern lernt sie vier Jungs kennen und zieht mit ihnen um die Häuser. Besonders einer von ihnen, "Sonne", hat es ihr angetan. Als jedoch eine alte Knastbekanntschaft des Mannes einen Gefallen einfordert, wird aus der Romanze ein Gangsterdrama. 

Darum lohnt sich Victoria: 

Die Länge des Filmes ist in diesem Fall besonders beeindruckend. Denn "Victoria" ist ein "One Shot": Der komplette Film wurde – ohne Pause, Verhaspeln, vergessenen Text oder wacklige Action-Kamera – in einem Rutsch gedreht. Das erzeugt Nähe und Gefühle des Dabeiseins, die man in anderen Filmen noch nie so gespürt hat. Zu Recht hat der Film dafür in sechs Kategorien den Deutschen Filmpreis geholt.

Für Fans von:

"Drive", "Absolute Giganten", Untergrund-Raves und allem mit Frederick Lau.

Wo kann ich Victoria streamen?

Bei Netflix ist der Film aktuell im Abo verfügbar, auf Amazon kostet er gerade 1,99 Euro, bei iTunes und Sky 3,99 Euro. 

Interstellar (2014): 169 Minuten

Benjamin flieht aus der Quarantäne in die Zukunft.

Darum geht es:

In der Zukunft kämpfen die Menschen ums Überleben, nachdem sie den Planeten ruiniert haben. Der ehemalige Ingenieur und Nasa-Pilot Cooper lebt mit seiner zehnjährigen Tochter auf einer Farm und widmet sich der Landwirtschaft. Bis er von einer Gruppe ehemaliger Nasa-Wissenschaftler ausgewählt wird, die Menschheit zu retten – und damit auch seine Tochter. Dafür muss er mit einer kleinen Crew in den Weltraum aufbrechen.

Deshalb lohnt sich der Film:

Christopher Nolan hat schon mit Filmen wie "Inception" oder der "Dark Knight"-Trilogie bewiesen, dass er sein Handwerk versteht. Vom Tonschnitt über die Kameraarbeit bis hin zu den Effekten stimmt hier alles. Wenn man dann auch noch Ahnung von Wurmlöchern hat, kann man nach dem Streamen in der WG diskutieren, wie realistisch der Film ist – oder auch nicht.

Für Fans von:

Komponist Hans Zimmer (König der Löwen, Fluch der Karibik) und von Quantenphysik

Wo kann man streamen:

Derzeit bei Netflix


Uni und Arbeit

Coronakrise: Studierende, rettet das Ehrenamt!
Wer wegen des verschobenen Semesters Zeit hat, sollte sich engagieren – aus Solidarität mit den Älteren. Ein Kommentar.

Man stelle sich vor: Tafeln, Telefonseelsorge, Tierheime, Bewährungs-, Behinderten- und Obdachlosenhilfe – nichts davon existiert mehr, weil Helferinnen und Helfer fehlen, die wichtige Aufgaben übernehmen, ohne dafür bezahlt zu werden. Klingt gruselig? Wäre es auch. Hungrige bekämen nichts zu essen, Menschen mit psychischen Erkrankungen wären zu Hause auf sich allein gestellt, ausgesetzte Tiere liefen einfach so umher.

Viele Bereiche des öffentlichen und sozialen Lebens würden ohne Menschen, die ehrenamtlich arbeiten, nicht funktionieren. Gerade in der Coronakrise braucht die Gesellschaft freiwilliges Engagement. Doch das Ehrenamt leidet, jetzt besonders. Denn in vielen wichtigen Bereichen sind es ältere Menschen, die sich engagieren – diejenigen, bei denen das Risiko einer schweren Covid-19-Erkrankung mit am größten ist (Robert Koch-Institut).

Gut ein Viertel aller Ehrenamtlichen in Deutschland ist 70 Jahre oder älter; sie sind die Bevölkerungsgruppe, die sich anteilig am meisten einbringt (Statista). Ältere Menschen engagieren sich dabei besonders häufig sozial, beispielsweise unterstützen sie bedürftige oder einsame Menschen (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend). Dies ist für eine funktionierende Gesellschaft essenziell. 

Die älteren Helferinnen und Helfer gehören nun aber selbst zur Coronarisikogruppe und müssen deshalb besonders geschützt werden, sprich: zu Hause bleiben. Also müssen junge Menschen einspringen.

Tafeln müssen schließen

Der Semesterbeginn an vielen deutschen Hochschulen und Universitäten wurde vorerst auf nach Ostern verschoben, Bibliotheken und Rechenzentren sind geschlossen (SPIEGEL). Ob es in diesem Sommer überhaupt Vorlesungen und Seminare geben wird, ist offen – und noch gibt es nicht überall E-Learning-Ersatz. Das bedeutet: Viele Studierende haben frei. Einige müssen noch Hausarbeiten schreiben und letzte Projekte einreichen. Für alle anderen gilt: Wer jetzt frei hat, hat Zeit zu helfen.