Bild: Neue Visionen/Zero One Film
Keine Konzerte, keine Partys – dafür viel Zeit für Filme und Serien.

Keine Konzerte, keine Partys, keine Kinobesuche. Wer sich an die Empfehlungen für den Schutz vor dem Coronavirus hält, darf nicht mal ins Fitnessstudio. Stattdessen werden viele Menschen die freie Zeit vor dem Bildschirm verbringen. Nur blöd, wenn man die meisten neuen Serien und Filme schon geguckt hat. 

Wir haben uns in der Redaktion an unsere prägendsten Streamingerfahrungen der letzten Jahre erinnert und ein paar Filmtipps zusammengetragen:

Hier sind sechs unterschätzte Filme, die du dir jetzt anschauen kannst:

"Shoplifters" (2018)

Jan hat ein japanisches Familiendrama beeindruckt.

Worum geht es?

Die Patchwork-Familie Shibata lebt am Stadtrand der Großstadt hinter einer quietschenden Tür in einem schäbigen Häuschen. Dort, wo kein europäischer Japan-Tourist vorbeischaut. Eines Tages stoßen Vater Osamu und sein Sohn Shota auf ein kleines, verwahrlostes Mädchen: Yuri. Sie beschließen, sie kurzerhand zu entführen – und als neues Familienmitglied aufzunehmen. Bald zeigt sich, dass die Shibatas neben regelmäßigen Diebstählen im Supermarkt auch noch andere Geheimnisse haben, die sich auf Dauer nicht verbergen lassen.

Warum lohnt sich der Film?

Der Film zeigt die japanische Gesellschaft abseits der leuchtenden Shibuya-Fassaden. Die Shibatas sind Außenseiter, die am Rande der Gesellschaft auf Raubzüge gehen, um über die Runden zu kommen. Obwohl ihre Situation prekär ist, beeindruckt das Verhalten der Familie immer wieder. Die drei Generationen leben, als wären ihre Betrügereien nur eine andere Form von Kunst, auch wenn sich das als Illusion entpuppt. Die unterschiedlichen Charaktere werden dabei unglaublich feinfühlig dargestellt. Einer der besten Filme der vergangenen Jahre.

Für Fans von: 

"Parasite" oder "Offenes Geheimnis"

Wo kann ich "Shoplifters" gucken?

"Shoplifters" ist zur Zeit auf Amazon Prime Video abrufbar.

"24 Wochen" (2016)

Leni empfiehlt ein deutsches Drama.

Worum geht es?
Astrid und Markus geht es gut: Sie sind beruflich erfolgreich und privat glücklich mit Kind und Einfamilienhaus. Doch dann wird Astrid erneut schwanger – und bald stellt sich heraus, dass ihr ungeborenes Kind mit einer schweren Behinderung zur Welt kommen wird. Nun muss das Paar sich entscheiden: Wollen sie das Kind bekommen – oder eine Spätabtreibung? Ein Konflikt, der ihr gesamtes Leben in die Schieflage bringt.

Warum lohnt sich der Film?
Deutsche Filme gehen häufig zwischen aufwendigen Hollywood-Produktionen unter. Dabei entfalten Filme wie "24 Wochen" auch ohne Milliardenbudget einen emotionalen Sog, dem man sich schwer entziehen kann. Die Hauptdarsteller (Julia Jentsch und – mal gar nicht lustig – Bjarne Mädel) verkörpern das zerrissene Paar eindringlich und überzeugend – und die Fragen, die sie sich stellen, sind nicht nur für werdende Eltern hochaktuell.

Für Fans von:
"Systemsprenger"

Wo kann ich "24 Wochen" gucken?
"24 Wochen" kannst du in der ZDF-Mediathek anschauen.

"The Ritual" (2018)

Julia mag Monster im skandinavischen Wald.

Worum geht es?

Vier junge Männer machen einen Wanderurlaub in Skandinavien, um mit dem Tod ihres gemeinsamen Freundes abzuschließen. In den ersten Nächten merken sie, dass irgendetwas nicht stimmt. Sie fühlen sich verfolgt und treffen auf verstümmelte Leichen von Tieren, haben Albträume und Verletzungen, für die es keine Erklärung gibt.

Warum lohnt sich der Film?

Eigentlich gucke ich keine Horrorfilme. Wirklich nicht. Zufälligerweise habe ich an einem Freitagabend aber den Trailer zu "The Ritual" gesehen – und war direkt angefixt. Ich wollte wissen, wie dieses gruselige Wesen aussieht, vor dem sich alle (inkusive mir als Zuschauer) so fürchten und wie die Geschichte ausgeht. 

Der Film geht eine Stunde und 34 Minuten. Und in jeder dieser 94 Minuten wartet man nur darauf, dass im nächsten Moment etwas sehr, sehr gruseliges passiert – was nicht zuletzt an der beklemmenden Musik und den bedrohlichen Toneffekten liegt. Wer also das Gefühl hat, dass um ihn herum gerade sonst nicht genug passiert, sollte sich diesen Film unbedingt angucken. 

Für Fans von: 

"Lost" und "Blair Witch Project"

Wo kann ich "The Ritual" gucken? 

"The Ritual" kannst du bei Netflix streamen.

"Being Mario Götze" (2018)

Für Phil ist Mario Götze noch immer ein Held.

Worum geht es?

Mario Götze galt als Jahrhunderttalent. Bei Borussia Dortmund entwickelte sich Götze unter Trainer Jürgen Klopp zum Shooting-Star der Bundesliga. Er wechselte zu Bayern München und schoss 2014 im WM-Finale gegen Argentinien das entscheidende Tor zum Weltmeister-Titel – mit 22 Jahren. Ein Fußball-Märchen, wie man es sich schöner nicht ausdenken könnte. Bis es für ihn nach der WM in Brasilien immer schlechter lief, er wieder den Verein wechselte und 2017 bei ihm eine Stoffwechselerkrankung diagnostiziert wurde.

Warum lohnt sich der Film?

Es sind Einblicke in das Seelenleben eines jungen Fußballers, der mit 22 Jahren schon alles erreicht hat, was man erreichen kann. Es sind sehr intime und detaillierte Aufnahmen von einem Fußballer, der offen über sich, den Druck im Profigeschäft und das tiefe Loch nach der WM 2014 spricht.

Begleitet wird die Doku von Interviews mit Journalisten, Jugendtrainern und Verantwortlichen von Vereinen. Daneben kommen auch Familienangehörige und Freunde von Götze zu Wort.

Für Fans von: 

Jeglicher Sportart. 

Wo kann ich "Being Mario Götze" gucken?

"Being Mario Götze" ist zum Beispiel bei DAZN.com oder Google Play zu sehen.

"Okja" (2017)

Hannah ist gerührt von der Freundschaft zwischen Mija und einem Riesenschwein.

Worum geht es?

"Okja" ist die Geschichte einer Freundschaft zwischen dem jungen Mädchen Mija und ihrem Riesenschwein Okja. Mija lebt mit ihrem Opa abgeschieden in den Bergen Südkoreas. Dort ziehen sie das Ferkel einer neuartigen Schweinerasse auf, das ihnen von einer amerikanischen Firma überlassen wurde. Als die das Schwein wiederhaben wollen, um es zu schlachten, beginnt Mijas Kampf um ihren Freund.

Warum lohnt sich der Film?

Der Film ist die perfekte Mischung aus spannend, surreal, überzogen und kitschig. Der dystopische Blick auf die Massentierhaltung führt außerdem dazu, dass man seinen eigenen Fleischkonsum hinterfragt.

Für Fans von:

Pflanzlicher Ernährung

Wo kann ich "Okja" gucken?

"Okja" ist eine Netflix-Produktion und kann dort gestreamt werden.

"Paterson" (2017)

Susan empfiehlt die Geschichte eines sensiblen Busfahrers.

Worum geht es?
Paterson lebt mit seiner Frau Laura und dem Hund Marvin in Paterson, einer kleinen Stadt in New Jersey. Paterson ist Busfahrer – und schreibt Gedichte. In dem Film begleiten die Zusehenden ihn durch eine Woche seines Lebens. Schweigen mit ihm gemeinsam, begleiten ihn in seine Stammkneipe, hören seiner träumerischen Frau zu, die jeden Tag eine neue Jobidee hat, Kleider designt oder im Haus der beiden die Wände mit Mustern bemalt.

Warum lohnt sich der Film?
In Paterson – der Stadt und dem Film – passiert eigentlich nicht besonders viel. Aber er ist unfassbar liebenswert. Und wer ein Faible für Worte hat, verliebt sich sowieso schon beim ersten Gedicht in Paterson – den Film, die Stadt, den Busfahrer. 

Für Fans von: 

Lyrik und Adam Driver. Und alle, die auf leise und berührende Filme stehen.

Wo kann ich "Paterson" gucken? 

Zum Beispiel bei Amazon Prime Video, iTunes und GooglePlay.


Fühlen

Appell eines Erasmus-Studenten aus Italien: Macht es besser als ich
Wenn Tobias sich anschaut, wie seine deutschen Freunde heute auf Corona reagieren, erinnert es ihn an sein eigenes Verhalten – vor ein paar Tagen.

Am 11. Februar bin ich für ein Auslandssemester nach Ancona, Italien gereist. Als ich ankam, kannte ich einige wenige Coronafälle aus den Medien. Dass das Virus der Grund für meine Heimreise werden sollte, konnte ich mir da noch nicht vorstellen.