Der Kinosommer war leider eher mau. Was schaut man sich jetzt also zum Herbstanfang auf der Couch und im Kino an? 

Hier sind sieben Filme, die bislang nicht die Aufmerksamkeit bekommen haben, die sie verdienen. 
Logan

Hugh Jackman ist einer der langlebigsten Kino-Superhelden aller Zeiten: Stolze 17 Jahre lang verkörpert er den Mutanten Wolverine in diversen X-Men-Filmen auf der großen Leinwand. In "Logan" nahm Jackman nun Abschied von seiner Paraderolle.

Der Film spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft, in der die X-Men längst Geschichte sind – übrig geblieben ist nur ein alternder Wolverine, der sich in einem Versteck an der mexikanischen Grenze um den demenzkranken Professor X (Patrick Stewart) kümmert.

Mittlerweile schaffen es jedes Jahr zahlreiche Superhelden-Filme ins die Kinos, aber "Logan" als Superhelden-Film abzustempeln, wäre so, als würde man sagen, "Der Pate" sei bloß irgendein Krimi. Auf kostümierte Helden und Schurken wartet man hier vergeblich – "Logan" ist die leise, tragische Geschichte eines Lebensabends. Es ist die letzte Schlacht eines Helden, der in seinem Leben viele Niederlagen ertragen musste, und dessen Heldentaten tiefe Narben hinterlassen haben. Dass dieser Held Wolverine ist, verleiht dem Film zusätzliche Spannung, ist aber letztlich Nebensache.

Für Fans von: "X-Men", "Birdman", "The Wrestler"

The Founder

Jeder liebt eine gute Underdog-Story – und eben so eine serviert dieses Biopic rund um den Austieg des Fast-Food-Imperiums McDonald's. Michael Keaton, der sich schon in "Birdman" und "Spotlight" als großartiger Charakter-Darsteller präsentierte, spielt hier den fahrenden Vertreter Ray Kroc.

Auf einer seiner Reisen lernt der vom Pech verfolgte Ray die Restaurant-Besitzer Mac (John Carrol Lynch) und Dick McDonald (Nick Offerman) kennen. Die Brüder haben die Arbeitsschritte in ihrer kleinen Burger-Bude so optimiert, dass die Bestellungen in Rekordzeit zum Kunden gelangen. Ray wittert die Chance aufs große Geld – doch die traditionellen Ansichten der Brüder werden ihm schon bald lästig.

"The Founder" erzählt eine Außenseiter-Geschichte, die ihren Underdog nicht zum tadellosen Helden verklärt. Ray ist ehrgeizig, kreativ und clever, aber auch skrupellos und machtgierig. Der Film scheut nicht davor zurück, ihn von allen Seiten zu beleuchten. An den amerikanischen Kinokassen floppte der Streifen – mehr als sehenswert ist er trotzdem.

Für Fans von: "Joy", "Big Eyes", "The Wolf of Wall Street"

Get Out!

Chris (Daniel Kaluuya) ist ziemlich nervös, als er mit seiner Freundin Rose (Allison Williams) auf das Landhaus ihrer wohlhabenden Familie eingeladen wird – Roses Eltern wissen nämlich noch nicht, dass der neue Freund ihrer Tochter Afroamerikaner ist. Zunächst scheinen sie ganz entspannt damit umzugehen, doch dann beginnen die merkwürdigen Ereignisse sich zu häufen. Oder ist Chris, der ein Leben lang unter Rassismus zu leiden hatte, vielleicht einfach übersensibel? 

"Get Out" ist eine brandaktuelle Gruselgeschichte, die die Spannung langsam aber sicher bis ins Unermessliche steigert. Dabei wird Chris weder von Monstern noch Serienkillern verfolgt – die allgegenwärtige Bedrohung geht von hartnäckigen Vorurteilen, Ressentiments und Feindbildern aus. Die zieht "Get Out" mit scharfem Blick ins Lächerliche, um sie an anderer Stelle plötzlich Furcht erregend zuzuspitzen.

Für Fans von: "It Follows", "The Babadook", "Don't Breathe"

Sommerfest

Vermutlich hat sich so jeder schon mal gefragt: Was wäre gewesen, wenn? Um genau diese Frage dreht sich auch Sönke Wortmans Verfilmung von Frank Goosens Ruhrpott-Roman "Sommerfest".

In jungen Jahren waren Stefan (Lucs Gregorowicz) und Charlie (Anna Bederke) ein Traumpaar. Als sie sich nun Jahre später in Bochum wieder begegnen, stürzt das den eigentlich so zufriedenen Stefan in tiefe Zweifel. Plötzlich steht er vor der Frage, ob es richtig war, Charlie ziehen zu lassen. Eine Antwort ist nicht schnell gefunden.

"Sommerfest" erzählt eine realitätsnahe, unverkitschte Lebens- und Liebesgeschichte, die jeden berühren wird, der schon einmal etwas bereut hat – und jeden, der sich schon mal gefragt hat, ob es vielleicht einen Weg zurück gibt. 

Für Fans von: "500 Days of Summer", "Trennung mit Hindernissen", "Vergiss mein nicht!"

Baby Driver

In "Baby Driver", dem neuesten Film von Regisseur Edgar Wright, spielt ein junges Genie die Hauptrolle: Baby (Ansel Engort) ist trotzt seiner jungen Jahre ein begnadeter Fahrer – ein Talent, welches Gangsterboss Doc (Kevin Spacey) ausnutzt, indem er den Jungen als Fluchtwagenfahrer einsetzt. Als Baby sich in Kellnerin Deborah (Lily James) verliebt, möchte er aussteigen – doch so einfach will die Crew den besten aller Fahrer natürlich nicht gehen lassen.

Wright inszeniert Babys Story als rasanten Action-Film, der auch Fans der „Fast & Furious“-Reihe begeistern dürfte. Zu etwas Besonderem wird der Film allerdings erst durch den Soundtrack, denn Baby leidet an einem Tinnitus und hört ständig Musik, um den zu übertönen. So gerät der Film streckenweise beinahe zum Musical – Baby hat nämlich für wirklich jede Gelegenheit einen passenden Track auf seiner Playlist.

Für Fans von: "Drive", "Death Proof", "The Fast & The Furious"

Song to Song

Faye (Rooney Mara) hofft auf den großen Durchbruch mit ihrer Band, während ihr Freund BV (Ryan Gosling) einem Job bei Musikmogul Cook (Michael Fassbender) entgegenfiebert. Der skrupellose Cook ist jedoch gleichzeitig auch Fayes Liebhaber – was ihn nicht davon abhält, die unbedarfte Kellnerin Rhonda (Natalie Portman) zu umgarnen. Schon bald wird das komplexe Beziehungsgeflecht von Eifersucht, Neid und Lügen zerfressen. 

Die Liebesgeschichte von Schauspielerin Mia (Emma Stone) und Musiker Sebastian (Ryan Gosling) in "La La Land" verzauberte 2016 Kinozuschauer auf der ganzen Welt. "Song to Song" präsentiert nun einen Gegenentwurf zum klassischen Hollywood-Märchen

Die Entertainment-Branche ist hier vor allem eins: hart, unberechenbar und verlogen. Dasselbe gilt auch für die ungleichen Paare, die hier aneinandergeraten. Das Drama von Star-Regisseur Terrence Malick punktet mit beeindruckenden Bildern und einem echten All-Star Cast und ist schon deshalb Pflicht für jeden Film-Fan.

Für Fans von: "The Big Lebowski", "Crazy Ex-Girlfriend", "American Hustle"

Atomic Blonde

Als echte Powerfrau zeigt sich Charlize Theron als Geheimagentin Lorraine Broughton in "Atomic Blonde". In den letzten Tagen des kalten Krieges wird sie von England aus nach Berlin entsandt, um dort hochsensible Informationen zu sichern. Dass sie nicht die einzige Agentin mit diesem Auftrag ist, versteht sich von selbst.

Mit viel Liebe zum Detail wird das Berlin von 1989 zu neuem Leben erweckt und in Broughtons Schlachtfeld verwandelt. Ein sorgsam kuratierter Soundtrack mit Hits der Achtziger tut das Übrige, um den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute in die Ära des kalten Krieges zurückzuversetzen. 

Hier muss Broughton nicht nur Köpfchen und Geschick beweisen, sondern sich auch in dreckigen, knallharten Action-Szenen mit brutalen Gegenspielern messen. Wer Bond, Bourne und Co. mag, wird den Film lieben.

Für Fans von: "James Bond", "Jason Bourne", "Wonder Woman"

Du suchst eher eine Serie? Kein Problem:
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Today

Wählen gehen ist wie Weihnachten und Pokalsieg zusammen. Echt jetzt!

Es gibt ja Leute, die haben heute was Besseres vor, als wählen zu gehen. Nichts gegen Briefwahl, wenn sie sein muss. Aber freiwillig würde ich das nie machen. 

Ich steh total auf diesen Tag und dieses Gefühl: Durch die Straßen zu gehen, mir die Leute anzugucken und mich zu fragen, ob sie wohl gerade im Wahllokal waren. Eltern zuzuhören, die ihren Kindern erklären, heute müsse man unbedingt in die Schule, "ein Kreuz machen". 

Und daran, wie sie das sagen, merkt man, dass es etwas Besonderes ist, dieses eine Kreuz.