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"Guten Tag, I am ze German in ze movie."

Was wir von der Welt zu sehen bekommen, bestimmt, was wir von ihr halten – und was wir von anderen halten. Wer viel reist, erweitert seinen Horizont. Wer mit den Nachbarn ins Gespräch kommt, findet sie vielleicht weniger nervig.

Hollywood ist allerdings beim Blick auf die Welt oft wenig hilfreich. Viele Filme zeigen: männliche und weiße Helden. Und die retten Jungfrauen in Nöten, besiegen hakennasige Bösewichter und bekommen auf halber Strecke Tipps vom lustigen Kumpel.

Nutzerinnen und Nutzer auf Twitter zeigen gerade, wie viele Klischees tatsächlich in Hollywood-Filmen stecken – und die Beschreibungen sind einfach zu perfekt.

Angefangen hat wohl Rory Turnbull, ein Linguistik-Professor an der Universität von Hawaii in Manoa. Er skizzierte in einem Tweet eine typische Szene für den klassischen Hollywood-Professor.

  • Rory schreibt: "Hallo, ich bin ein Professor in einem Film. Ich komme erst dann zur wichtigsten Stelle meines Vortrags, wenn die Vorlesung gerade endet. Dann rufe ich den Studenten ihre Hausaufgaben hinterher, während sie gehen."

Damit hatte Rory etwas ausgelöst. Die Szene in dem kurzen Tweet kennt jeder und sie zeigt, wie vorhersebar Filme und Serien oft sind – 185.000 Menschen haben ihn geliket, 26.000 Mal wurde der Post retweetet. Und was noch viel wichtiger ist: 

Mehr als 5000 Nutzerinnen und Nutzer haben in den Antworten die Klischees weitergesponnen.

Sie sammeln all diese Personen, die man so schon aus dutzenden Serien und Filmen kennt: Die Schwangere, der im ungünstigen Moment die Fruchtblase platzt. Oder die Schwarze, die nie was zu sagen hat, außer "Giiiirrrrlll".

  • Die Kolumnistin Monique Judge stellt sie zum Beispiel perfekt vor: "Hallo, ich bin eine moppelige schwarze Frau in einem Film. Ich bin nur hier, um deine freche Freundin mit den schlagfertigen Antworten zu sein. Meistens sage ich nur 'Girrrrrrllllllluh' und ganz oft 'mm hm', während ich missbilligend den Kopf schüttel."
  • Und diese Nutzerin skizziert, wie Lehrerinnen und Lehrer in Filmen IMMER arbeiten: "Ich benutze ein Gedicht oder eine Rede, um sie zu begeistern. Während ich spreche, wird es immer leiser und emotionale Musik setzt ein. Keiner [der Schüler] schreit 'Langweilig!' und schnippt mir ein Gummiband ins Gesicht."
  • Dieser Nutzer erklärt, wie Hacker laut Hollywood arbeiten: "Hallo. Ich bin ein Computernerd in einem Film. Ich kann jedes System hacken, indem ich sehr schnell auf willkürliche Tasten haue und dann rufe: 'Ich bin drin!' Währenddessen wird grüner Scroll-Text auf mein Gesicht projeziert. Mein Shirt hat außerdem einen Band-Aufdruck."
  • Diese Nutzerin stellt sich vor, ein Alien zu sein: "Hallo, ich bin ein Alien in einem Film und möchte den Planet Erde erobern – wenn ich Planet Erde sage, meine ich die USA."
  • Und die Nutzerin Laura schreibt von Schwangeren: "Hi, ich bin eine schwangere Frau in einem Film. Meine Fruchtblase platzt mit einem großen Schwall im ungünstigsten Moment, während ich meine erste und sehr schmerzhafte Wehe erlebe. Sehr kurz darauf gebäre ich mit einem lauten Schrei ein drei Monate altes Baby. Das ist wie von Zauberhand nicht [mit einer Nabelschnur] mit mir verbunden."

So witzig die Tweets sind – sie zeigen ein echtes Problem in Hollywood.

Die Filmstudios arbeiten gerne mit Stereotypen und Klischees und helfen so, diese auch in den Köpfen zu verfestigen. 

Lange dachten große Filmstudios zum Beispiel, Frauen als Hauptfiguren seien an der Kinokasse Gift. Mittlerweile ist es so, dass nicht mehr Männer immer die Hauptrolle spielen müssen – auch Frauen dürfen in Komödien, Actionfilmen oder Dramen die wichtigste handelnde Figur sein. Und deren Filme sind im Schnitt sogar erfolgreicher:

Übrigens: Auch das Ertrinken wird in Filmen falsch dargestellt – und das hat Folgen.

Eine weitere Baustelle in Hollywood liegt hinter der Kamera. 

Die University of Southern California’s Annenberg untersucht seit 2007 einmal jährlich, wer in Hollywood bei den erfolgreichsten Filmen Regie führt. Das Ergebnis: Dort ist das Bild vor allem weiß und männlich. (bento)

  • 2018 wurden nur 14 Prozent der Filme von schwarzen Menschen gedreht – immerhin eine Steigerung von 200 Prozent seit 2007.
  • Allerdings war unter diesen Personen nur eine Frau, Ava DuVernay, die Regisseurin von "Das Zeiträtsel".
  • Für andere Ethnien gab es 2018 jedoch keine Verbesserung. 
  • Für Frauen ebenfalls nicht: Nur 3,6 Prozent der erfolgreichsten Filme wurden von Frauen gedreht. Schon 2007 lag der Anteil ähnlich niedrig bei 2,7 Prozent.

So kommt es zum Beispiel, dass Verzerrungen wie diese möglich sind: "Hi, ich bin eine 55 Jahre alte Frau, die wie eine 55 Jahre alte Frau aussieht. Ich existiere nicht in Filmen."

Oder viel zu realistische Antworten wie diese hier: "Hi, ich bin ein 55 Jahre alter Mann in einem Film. Ich habe gerade eine romantische Beziehungen mit deiner Enkelin."

Aber egal, wie Hollywood mit Stereotypen künftig umgeht – eines wird sich wohl nie ändern: das Bild des Nazi-Deutschen.

  • Der Twitter-Nutzer Johannes formuliert es perfekt: "Guten Tag, ich bin der Deutsche in dem Film. Ich bin kaltherzig und methodisch und habe einen Plan, die Welt erst zu erobern und dann in die Luft zu jagen. Ich belle Kommandos an meine in Leder gekleideten Untergebenen in etwas, das nicht Deutsch ist, weil der Regisseur zu faul war, einen echten Deutschen zu finden."

Queer

Die "Overwatch"-Macher haben einen Charakter als schwul geoutet – Fans rasten aus
Und sie haben die beste Figur des Spiels gewählt.

Overwatch gehört zu den meistgespielten und erfolgreichsten Online-Spielen unserer Zeit. Etwa 40 Millionen Menschen spielen das Ballerspiel, das, wenn man es genau nimmt, wenig bis keine Handlung besitzt. Damit Fans sich trotzdem mit den Helden identifizieren können, bringt Blizzard, die Firma hinter dem Game, regelmäßig aufwendig animierte Videos und Kurzgeschichten zur Vergangenheit der tapferen Recken raus. 

Und in genau einer solchen Kurzgeschichten eröffnete Blizzard nun, dass Soldier 76 – der weißeste Cis-Actionheld-Archetyp, den man sich vorstellen kann – schwul ist. 

In der Kurzgeschichte "Bastet", die eigentlich von der ägyptischen Scharfschützin Ana handelt, kommen sie und Soldier 76 ins Gespräch über die Vergangenheit und den gemeinsamen Freund Vincent. Mit ihm hatte der markige Actionheld Soldier 76, der eigentlich Jack heißt, offenbar erst ein Verhältnis – um dann aber die Beziehung dem Job als Weltenretter zu opfern. 

Der kurze und etwas holprig geschriebene Einschub liest sich so:  

"Er hat geheiratet. Sie sind sehr glücklich. Ich freue mich für ihn." Ana war nicht überzeugt. Früher hatte Jack oft von ihm gesprochen. Er hatte den Traum gehabt, dass der Krieg schnell beendet werden würde und er vielleicht zu einem normalen Leben zurückkehren könnte. Aber ein normales Leben war Leuten wie uns nie vergönnt. "Vincent hatte ein besseres Leben verdient als das, was ich ihm hätte geben können."