Bild: Imago / United Archives
Entsprechend gerne wird die historische Einordnung zum Film verschwiegen.

2017 ist wirklich kein gutes Jahr. Andauernd kommt jemand (ok, oft sind es wir) aus der Versenkung und macht einem lieb gewonnene Filme, Sprüche, Läden und Kulturgüter madig, weil sie irgendetwas mit den Nazis oder Rechtspopulisten zu tun haben. Verdammte Nazis immer! 

Ein gutes Beispiel dafür: "Die Feuerzangenbowle". 

Denn natürlich ist der Film ein tolles Stück Filmgeschichte. Ein 41-jähriger Mann, der sich als Schüler verkleidet und sich an einem Gymnasium einschleicht? Dieses Prinzip der Comedy zieht bis heute – zuletzt etwa in "22 Jump Street" oder "Wet Hot American Summer"

Der Film ist bis heute beliebt – an fast jeder Uni im Land gibt es derzeit Vorführungen, inklusive Vollsuff mit der süffigen Bowle. An Heiligabend läuft er auch in diesem Jahr in der ARD zur besten Sendezeit, um 20.15 Uhr.  Nur leider wird dabei – egal, ob im Fernsehen oder im Hörsaal – meist die Einordnung vergessen.

Denn "Die Feuerzangenbowle" hat eine eigene Nazi-Vergangenheit – und eine AfD-Gegenwart.

Der Film erschien 1944. Zur Zeit der Filmpremiere wurde Berlin von einem Bombenhagel verwüstet, die Nationalsozialsten kämpften an mehreren Fronten gegen die immer stärker werdenden Alliierten. Der 2. Weltkrieg war fast verloren, Deutschland bäumte sich ein letztes Mal auf. 

Aufmunternde Filme, die überhaupt gar nichts mit Krieg zu tun hatten, waren ein wichtiges Werkzeug von Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels. Durch die heimeligen Bilder sollten die Soldaten und Bürger abgelenkt und motiviert werden – eine Erinnerung an das Ideal einer heilen Welt, für das sie mordend durch Europa zogen. (Freitag

Eine faschistische Handlung kann man der fiktiven Geschichte wohl kaum unterstellen – einige Aussagen zur Disziplin mal beiseite gestellt. Aber der Film ist halt auch nicht absolut unbedenklich. Denn die Absicht der Macher war, durch einen Moralschub den schlimmsten aller Kriege zu verlängern. 

Der Kritiker Georg Seeßlen erklärte 1994, zum 50. Jubiläum des Films: 

Die Feuerzangenbowle ist weder ein "guter" noch ein "böser" Film. Er ist, leider, auch kein unschuldiger.

Warum wird der Film aber so oft und gerne gezeigt, wenn er doch von Nazis gefördert und gedreht wurde? Ein Problem könnte sein, dass kritische Aufarbeitungen nicht stattfinden – zumindest nicht außerhalb der Feuilletons. 

Die Aufführungsrechte für "Die Feuerzangenbowle" liegen bei einer AfD-Frau: Dr. Cornelia Meyer zur Heyde sitzt im Vorstand der AfD Münster. 

Und die entscheidet – seit einem Deal mit Medienunternehmer Leo Kirch – alleine, wer den Film zeigen darf. 

Als 2013 das Deutsche Historische Museum den Film im Rahmen einer Reihe zu NS-Streifen zeigen wollte – inklusive der Einordnung – bekam das Haus keine Erlaubnis. "In meinem Ein-Mann-Betrieb entscheide ich das kraft souveräner Willkür", sagte die Rechteinhaberin damals der Welt

Sie vertraue im übrigen darauf, dass Studierende, die den Film im Hörsaal sehen, sich ihre eigenen Gedanken machen können. Das wird aber schwer, wenn man ihnen nicht alle verfügbaren Informationen bereit stellt. 

Auf der Website ihres Filmverleihs "Goldie" findet sich zu oben stehenden Teil der Filmgeschichte jedenfalls kein Eintrag. Dort wird lediglich darauf hingewiesen, dass Hauptdarsteller Rühmann wegen seiner Ehen mit Jüdinnen kein allzu gutes Standing bei "den Mächtigen" gehabt habe und von den Nationalsozialisten "vor den Karren gespannt wurde". 

Was das bedeutet, muss man sich dann selber denken. 

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