Ein Junge stellt sich vor die versammelten Schüler. "Justin, was ist das Schlimmste, was die anderen mit dir gemacht haben?", fragt seine Lehrerin. "Sie haben mich an meiner Unterhose aufgehängt", sagt der blonde Junge. Seine Peiniger hätten dann noch Fotos davon gemacht und sie in einer WhatsApp-Gruppe geteilt. Und um es noch schlimmer zu machen, hätten sie ihn in die Gruppe eingeladen – damit er den Spott miterleben muss.

Diese Szene stammt aus "Fack Ju Göhte 3", der Film ist gerade im Kino angelaufen. Er beschäftigt sich wie seine Vorgänger mit sehr vielen Problemen des Schulalltags. Dieses Mal eben auch mit Mobbing.

Doch wie realistisch ist die gezeigte Szene? Reagieren die Lehrer richtig?

"Fack Ju Göhte"-Star Elyas M'Barek und Regisseur Bora Dağtekin haben sich am Sonntagnachmittag in der Hamburger Facebook-Zentrale mit einer Expertin über das Thema unterhalten: Birgit Kimmel ist die pädagogische Leiterin der Initiative "Klicksafe", die sich im Netz und im echten Leben gegen Mobbing einsetzt.

Auch mit dabei waren: Anne Laumen von Facebook, sie erklärte, nach welchen Richtlinien die Plattform fiese Kommentare löscht, und junge Leute im Publikum, die ihre Fragen stellen konnten.

Das sind die 5 wichtigsten Erkenntnisse des Gesprächs:

1.

Es wird nicht mehr gemobbt als früher – nur anders

Das Internet sei schuld, alles werde schlimmer, heißt es oft beim Thema Mobbing. Doch Birgit Kimmel widerspricht: "Die Schüler, die es in der Klasse abkriegen, bekommen es auch übers Internet zu spüren." 

Der einzige Unterschied zur Zeit ohne die Netzwerke sei, dass es für die Opfer keine Pause mehr gibt: "Früher hatte man wenigsten zu Hause seine Ruhe, jetzt kann das Mobbing 24 Stunden am Tag andauern", sagt Kimmel.

Mobbing gebe es an jeder Schule und die Häufigkeit habe sich nicht besonders verändert, so Kimmel. Man könne es nur nach Altersgruppen eingrenzen: In der Pubertät geschehen die meisten Fälle.  

2.

Elyas M'Barek wurde nie gemobbt – und ist sich nicht mal sicher, was Mobbing eigentlich ist

Bei dieser Gesprächsrunde war klar, dass sehr schnell die Frage fallen würde, ob die Anwesenden selber mal Mobbing-Opfer waren. Elyas M'Barek sagt zwar, dass es in seiner "länger andauernden Schulkarriere" schon mal blöde Sprüche und Ärger gegeben habe, aber gemobbt worden sei er nie. 

Das hat offenbar eher andere Klassenkameraden getroffen: "Es gab natürlich in meinen Klassen auch immer Schüler, die nicht so beliebt waren und immer alles abbekommen haben und nicht so viele Freunde hatten", erzählt M'Barek, "ich weiß aber nicht, ob das schon Mobbing ist". 

Doch, sagt Birgit Kimmel, genau das ist es: Natürlich falle nicht alles sofort unter Mobbing. "Erst mal gibt es Konflikte unter den Schülern. Aber da muss man eben genau hingucken: Ist es ein Konflikt, der sich schnell lösen lässt, oder hält er länger an?" Dann sei es Mobbing. Der eine Schüler, der immer alles abbekomme, sei der Paradefall, sagt Kimmel.

3.

Das schlimmste am Mobbing im Netz ist die Scham

"Durch das Internet kriegt die Tat eine viel größere Öffentlichkeit als früher – und das ist furchtbar beschämend für die Opfer", sagt Birgit Kimmel. 

Der betroffene Schüler wisse ja nicht mal, ob seine besten Freunde es schon mitbekommen hätten und ihm nur nichts davon sagen würden. Solche Gedanken würden den Betroffenen häufig durch den Kopf gehen.

4.

Wie sollte man am besten reagieren, wenn man merkt, dass ein Schüler gemobbt wird?

Zunächst gelte es herauszufinden, wie schlimm der Konflikt sei, sagt Kimmel. Wird der Schüler von mehreren Personen gemobbt oder ist es ein Konflikt mit einem einzigen Mitschüler? Wie lange läuft das schon so?

Danach gelte es, ein Bewusstsein für das Problem zu schaffen. "Vielen Schülern ist gar nicht bewusst, was da gerade passiert und dass sie eventuell nicht die einzigen sind, sondern das Opfer es vielleicht von mehreren abkriegt."

Im nächsten Schritt müssten dann alle verstehen, auf welcher Ebene der Person Leid zugefügt werde: "Ist es körperlich, also wurde Gewalt ausgeübt? War es seelisch – oder wie die Schüler oft sagen: 'im Herzen’ – oder betrifft es das Eigentum? Wenn eine Klasse zusammenträgt, was dieser einen Person schon alles passiert ist, sind die Schüler oft sehr geschockt."

Genau das geschieht auch im Film: Die Schüler sind sehr betroffen von den Mobbing-Geschichten und finden als Gruppe einen Weg, zusammenzuarbeiten, anstatt sich gegenseitig fertigzumachen.

5.

Sofort den Täter bestrafen? Nein, erst mal an das Opfer denken

Betroffene sollten sich auf jeden Fall Hilfe holen, denn, so Kimmel: "Alleine schafft man es da nicht raus." Das kann eine gute Freundin oder ein Freund sein.

Dann könne man gemeinsam überlegen, welchen Erwachsenen man vertraue – sei es ein Schulpsychologe, Sozialarbeiter, Lehrer oder die Eltern. Doch dabei gelte es zu beachten: "Die Person sollte sich ein wenig mit Mobbing auskennen", sagt Kimmel. Viele Eltern wollen zunächst den Täter ausfindig zu machen und auf Konfrontation zu gehen. Das sei aber der falsche Weg, so Kimmel. "Das Wichtigste ist der Opferschutz."

Erst mal müsse man die Betroffenen unterstützen: "In der Regel wollen Opfer, dass die [gemeinen] Bilder entfernt werden und dass sie wieder normal zur Schule gehen können", sagt Kimmel. Erst wenn es dem Betroffenen besser gehe, sollten Bezugspersonen anfangen, über den Umgang mit den Tätern nachzudenken.

Hier könnt ihr das komplette Gespräch ansehen:
FACK JU GÖHTE 3 #StopWebShaming

Elyas M'Barek und Regisseur Bora Dagtekin sprechen am Sonntag mit Facebook und klicksafe über FACK JU GÖHTE 3 und das Thema Mobbing. #StopWebShaming

Posted by FACK JU GÖHTE on Sonntag, 29. Oktober 2017

Fühlen

Das sind die Bücher, die du diesen Herbst lesen solltest

Wenn der Wind am Fenster rüttelt, dann ist es wohl nirgends so schön wie im Bett. Mit Wärmflasche im Rücken und Apfel-Zimt-Tee auf dem Nachttisch. Und mit einem guten Buch, das seinen Leser in eine andere Welt entführt, aufregender und spannender als jeder Herbststurm.

Für herbstliche Abende und all die Wochenenden, an denen es schon nachmittags dunkel wird, empfehlen wir hier aktuelle Bücher, die wir beim Lesen kaum aus der Hand legen konnten. Wenn du was Gutes lesen willst – lass dich inspirieren!