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Ich wünschte, ich könnte noch einmal von vorn beginnen

Spoiler-Warnstufe rot

Wir haben dich gewarnt. Hier verraten wir alles. Wenn du die Serie oder den Film noch nicht gesehen hast und das noch vor hast, betrittst du diese Seite auf eigene Gefahr.

Manchmal merkst du gar nicht, wie sich etwas in dein Leben schleicht. Wie es auf den richtigen Moment wartet, um zuzuschlagen. Wie es eines Tages aus der Deckung kommt, ganz harmlos noch, als wolle es nur mal vorbeischauen. Und wie es sich dann aber bei dir einnistet, größer und wichtiger wird. Bis du eines Tages aufwachst und merkst, dass du dir ein Leben ohne diese Sache gar nicht mehr vorstellen willst.

So ähnlich geht es mir mit Game of Thrones.

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Ich will das nicht überdramatisieren. Natürlich werde ich auch am Tag nach dem Serienfinale aufstehen, aus dem Haus gehen, mein Leben leben. Aber die Welt wird mir – zumindest für eine Weile – etwas leerer vorkommen. Die GoT-Charaktere, die mich über Jahre begleitet haben, werden mir fehlen wie Freunde, die ins Ausland weggezogen sind. 

Dieser Vergleich drängt sich auch darum auf, weil ich die Serie im Ausland kennengelernt habe. Das war auf einem Schüleraustausch in Kolumbien. Die Familie war nett, die Leute in der Schule auch, das Land war total interessant – und doch saß ich die meisten Abende etwas einsam und ziemlich gelangweilt zuhause rum.

Game of Thrones war eines der wenigen englischen Bücher, die es in dem Laden um die Ecke zu kaufen gab. Ich hatte Fantasy schon vorher gemocht: Ich liebte es, diese riesigen, neuen Welten zu entdecken – mit eigenen Sprachen, Religionen und Kulturen. Das erhoffte ich mir auch von dem Buch. Leider war der Roman alles andere als leicht zu lesen, weshalb ich schnell auf die Serienversion umstieg – und sofort süchtig wurde. Innerhalb von zwei Wochen zog ich mir alle drei Staffeln rein, die es zu diesem Zeitpunkt gab.

Wahrscheinlich auch deshalb, weil ich mich in Kolumbien so verloren fühlte, baute ich schnell eine emotionale Beziehung zu den Charakteren auf – allen voran zu Sansa Stark, die zu diesem Zeitpunkt noch ein schwaches Mauerblümchen war, das von den meisten Fans eher unspannend gefunden wurde. Ich mochte sie aber. Sie war in meinem Alter und sie war abhängig von den Launen übermächtiger Gegenspieler. Damit konnte ich mich irgendwie identifizieren.

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Ich und Sansa haben seitdem eine ganze Menge durchgemacht. 

Die arme Frau musste ja ziemlich lange durch die Hölle gehen. Mehrfach zwangsverheiratet, vergewaltigt, immerzu unterdrückt und klein gehalten. Nur langsam hat sie sich freigekämpft, hat sich emanzipiert, ein bisschen so wie ich es in dieser Zeit auch getan habe – wenn auch auf eine weniger spektakuläre, eher alltägliche Art. Wir wurden aber sozusagen gemeinsam erwachsen.

Ich finde es ganz ehrlich super, dass in dieser Serie kein Charakter sicher davor ist, einfach mir nichts, dir nichts umgebracht zu werden. Das macht die Sache spannender. Wenn aber Sansa gestorben wäre – die Serie wäre nicht mehr dieselbe für mich gewesen.

Durch diese emotionale Beziehung ist die Serie jedenfalls zu einem wichtigen Teil meines Lebens geworden. Ich habe inzwischen alle Bücher gelesen, ich unterhalte mich mit Freunden über dieses Thema. Wenn es neue Folgen gibt, stehen mein Freund und ich früh morgens auf, machen uns Toast und Kaffee und schauen gemeinsam GoT, bevor wir zur Arbeit gehen. Die Serie ist zu einem Ritual geworden, das auch uns fester zusammenschweißt.

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Ich will nicht, dass die Serie vorbei ist.

Wenn die Serie demnächst fertig ist, wird es natürlich noch die Bücher geben. Und es sind ja auch schon Spin Offs geplant, die ich mir wahrscheinlich ebenfalls ansehen werde.

Aber mein Herz bricht trotzdem. Selbst wenn am Ende alles im Chaos versinken sollte, was ja möglich ist, will ich Westeros immer noch nicht hinter mir lassen. Stattdessen würde ich gern mein Gehirn leerputzen, um dann noch einmal alles mit frischen Augen sehen zu können. Noch einmal zum ersten Mal den Vorspann sehen und geflasht sein. Noch einmal mit offenem Mund die rote Hochzeit mitverfolgen. Dieses Mal hätte ich wahrscheinlich andere Lieblingsfiguren – ich bin schließlich älter geworden, habe andere Probleme und andere Helden. Wenn ich die Serie aus Sicht von Daenerys erleben könnte, wäre das wahrscheinlich eine komplett andere Erfahrung.

Vielleicht würde ich auch gar nicht erst in die Story reinkommen, weil ich nicht mehr so verloren bin wie damals in Kolumbien. Vielleicht käme mir das alles zu brutal und düster vor. Vielleicht würde mir die Serie also gar nicht mehr gefallen…

Just kidding. Das könnte nie passieren!

Darum möchte ich auch allen, die sich bisher damit rühmen „noch nie eine einzige Folge GoT geguckt“ zu haben, eine Sache entgegenrufen: Oh, blissful ignorance! Wie sehr ich wünschte, ich wäre wie ihr! Ich würde mich auf die Couch mümmeln, mit sieben Kilo Popcorn und fünfzehn Litern Eistee. Ich würde mein Handy auf Flugmodus schalten. Und dann würde ich PLAY drücken.

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Gerechtigkeit

Spitzenduell zur Europawahl: Wenn ein 80. Geburtstag wichtiger ist als diese jungen Leute
Manfred Weber schwänzt #MaastrichtDebate

Was ist wichtiger, Vergangenheit oder Zukunft? Der Geburtstag eines 80-jährigen Ex-Ministers mit lauter alten Menschen in München oder eine Debatte zur Europawahl vor 500 jungen Leuten und auf YouTube?

Für Manfred Weber, den Spitzenkandidaten der Europäischen Volkspartei, zählte am Montagabend die Vergangenheit. Der CSU-Politiker ging lieber zum Festakt für Theo Waigel, den ehemaligen Finanzminister und Ehrenvorsitzenden der CSU. Keine Zeit für die Zukunft.

Bei der von Google prominent auf der Startseite beworbenen #MaastrichtDebate fehlte so ausgerechnet der Mann, der künftig Präsident der Europäischen Kommission werden könnte. Die anderen europäischen Bündnisse hatten ihre Spitzenkandidaten und eine Spitzenkandidatin zu der 90-minütigen Debatte geschickt.

(Soweit das möglich war: Der Kandidat der Europäischen Freien Allianz, der Partei der Splitterbewegungen, sitzt in Spanien im Gefängnis. Ihm wird als Vizepräsident der katalanischen Regierung wegen der rebellischen Volksabstimmung Rebellion vorgeworfen.)

Vor allem um die Fragen der jungen Leute sollte es gehen, um Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Es traten an: