Bild: RTL / Stefan Menne
Das Protokoll einer Reizüberflutung.

Ich gucke selten Realityshows – und wenn dann meist mit Freunden, in großer Runde. "Germany's Next Topmodel" mit Nutellapfannkuchen ging während des Studiums immer hervorragend. Heute habe ich seit Jahren das erste Mal wieder das Dschungelcamp gesehen. Mit Nutellapfannkuchen ging das nicht so gut zusammen. Das Protokoll einer Reizüberflutung.

Im Vorspann werden die Kandidaten vorgestellt.

Das passiert in meinem Kopf: Ich freue mich. Davon kenne ich ja sogar einige. Brigitte Nielsen, das ist doch die Exfreundin von Flavor Flav.

Die Moderatoren erzählen irgendwas zu Flatulenzen.

Flatulenzen ist ein komisches Wort. Homer Simpson erscheint vor meinem geistigen Auge und sagt: "Mmmh, Flatulenzen."

Die Konversation "Was ist das?" – "Grillen" findet statt.

Ich finde die Frage von dem alten Mann mit der orangenen Brille gerechtfertigt. Vielleicht sind das ja Heuschrecken. Oder Zikaden. Sind Zikaden und Grillen dasselbe? Oder das eine eine Unterart des anderen? Abgesehen davon verstehe ich nur die Hälfte von dem, was der alte Mann (Rolf, er heißt Rolf!) sagt.

Sonja Zietlow sagt "auch in der zehnten Staffel".

Moment, das ist die zehnte Staffel? Die Zehnte? Zehn Jahre? Wirklich?

David fragt stellvertretend für Brigitte die Frau mit den dicken Brüsten, ob sie Betten wechseln könnten. Oder so.

In meiner Erinnerung ist das insgesamt viel schlimmer im Dschungel... Die liegen ja alle den ganzen Tag nur rum und essen. Und reden. Oh. Jenny Elvers. Die kenn ich auch.

Es fällt das erste Mal das Wort "Konfro".

Beaves und Butthead sitzen giggelnd auf einer Couch und freuen sich über "Konfro".

Es geht um die Dschungelfrisur von einem "Star" mit Rastazöpfen.

Ich finde das total klug von der Frau. Meine Haare würden bestimmt auch total am Rad drehen irgendwo in der Wildnis. Warum machen sich da im Internet alle drüber lustig?

Jürgen erklärt ein bisschen Chemie: "Das ist nicht trocken geworden, weil's nachts war. Da haben wir eine hohe Luftfeuchtigkeit." – "Lass es zwei Stunden da hängen, dann ist es trocken. Weil wir Tag haben."

Ich frage mich, ob ich das eigentlich jemals in der Schule durchgenommen habe. Außerdem würde mich interessieren, warum nasse Wäsche draußen bei Minusgraden trocknet, anstatt zu gefrieren.

Gunter Gabriel isst Bohnen und Reis.

Ich überlege, wann ich das letzte Mal Bohnen mit Reis gegessen habe und bekomme Hunger. Und ich freue mich: Das ist doch wenigstens ein bisschen hart. So wie früher. Was essen "Stars" eigentlich sonst so? Die aus dem Dschungelcamp wahrscheinlich Currywurst. Ich kann mir die alle unglaublich gut mit Currywurst vorstellen.

Es wird dazu aufgerufen, für die Abstimmung zur Dschungelprüfung anzurufen.

Ich bin heillos überfordert. Ricky, wer ist das denn? Helena kenn ich auch nicht. Menderes, der war doch bei irgendeiner Castingshow? Nathalie...? Ich tippe auf GNTM.

Die Dschungelprüfung geht gleich los.

Das mit den Gegnern verstehe ich irgendwie gar nicht. Fliegt einer von denen dann am Ende raus? Dann hätten die ja total den großen Promiverschleiß. Das kann eigentlich nicht sein. Moment, die Rastafrau ist da zum dritten Mal. Also hat sie entweder zwei Mal gewonnen oder die anderen fliegen nicht raus. Oder kämpfen die um irgendwas?

Dr. Bob kommt.

Ich summe die A-Team-Melodie und denke etwas wehmütig an Bob Ross. Dr. Bob finde ich witzig. Ich bin Fan.

Große Brüste.

Ich frage mich, ob die Frauen wohl ihre eigenen BHs mit ins Camp nehmen dürfen. Oder werden die Anziehsachen komplett gestellt? Fremde BHs können so unbequem sein. Das wäre auch eine angemessene Form von Promi-Dschungelhärte.

Sonja Zietlow erklärt nochmal die ganzen Regeln für die Dschungelprüfung.

Ich finde supergut, dass Sonja Zietlow nochmal die ganzen Regeln für die Dschungelprüfung erklärt. Ich wäre sonst vollkommen verloren.

Die Gräber werden aufgezogen.

Ich kriege ehrlich gesagt ziemlichen Respekt vor den "Promis". "Jetzt weiß ich wie es ist, begraben zu werden", kann wohl nicht jeder von sich behaupten. Glücklicherweise.

Sonja Zietlow sagt "Konfro" und hebt die Arme wie ein Gangster. Oder wie ein Gangster das nach Sonja Zietlows Ansicht so macht.

Ich finde Sonja Zietlow ist sehr süß, wenn sie versucht, cool zu sein. "Keine Konfro mit den Ratten."

Die Dschungelprüfung findet statt. Zwei "Promis" liegen im Dunkeln in Gräbern und müssen Sterne aus Verstecken rauskriegen - dabei werden Maden, Babyalligatoren, Fischabfälle, Ratten und anderes in die Gräber gelassen.

Ich erlahme. Nach der Dschungelprüfung ist mein Körper zu einer Art Statue verkommen, ich fühle mich wie festgefroren. Ein bisschen wie die Stirn von Sophia (das ist die mit den großen Brüsten, die sehr eindrucksvoll vorgeführt hat, wie steif eine Botoxstirn wird).

Der Preis der Dschungelprüfung wird verkündet.

Ich beginne zu begreifen. Sechs Sterne heißen also sechs Mahlzeiten. Für sechs Personen? Aus verschiedenen Teams? Und das andere Team bekommt nichts? Oder Reis? Oder wie? Ah ja, Bohnen und Reis.

David erklärt, Tauben seien Waldtiere. Das wisse man aus dem Biologie-Unterricht.

Ich ärgere mich über meinen Biologie-Unterricht.

Menderes und Thorsten erzählen von ihrer Kindheit und den jeweiligen Verhältnissen zu ihren Vätern.

Ich bekomme das dringende Bedürfnis, nach Australien zu fahren und ganz feste Umarmungen zu verteilen.

Die Moderatoren kommen in das eine Camp und reden mit den Kandidaten über's "Arbeiten".

Ach, die gehen auch arbeiten? Ich dachte deren Arbeit wäre rumgammeln. Ach so, die meinen die nächste Dschungelprüfung. Und jetzt legen die fest, wer die machen muss. Oh, das Ende ist ja wie bei Heidi Klum, nur ohne Fotos. Und schneller.