Bild: RTL / Stefan Gregorowius

Als das Dschungelcamp 2004 das erste Mal lief, war ich zwölf. Damals war die aus Großbritannien importierte Sendung eine Sensation in meiner vom deutschen Privatfernsehen zerrütteten Vorstellung von Unterhaltung. Wirklich geschaut habe ich die Show danach nicht mehr. Wer Lisa Fitz ist, weiß ich schon lange nicht mehr, Daniel Küblböck ist allem Anschein nach erfolgreich Astronaut geworden. Recht herzliche Gratulation.

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Dieses Jahr sollte es anders werden, ich habe der Sendung eine letzte Chance gegeben. Wie beim Revival mit einer verflossenen Liebe fühlte sich der Anfang erst mal falsch an. Ja, man war schon einmal an diesem Punkt. Man weiß genau, aus welchen Gründen man sich am Ende nicht mehr ausstehen konnte.

(Bild: RTL / Stefan Menne)

Ich möchte nicht vorschnell urteilen. Vielleicht liegt es daran, dass ich Österreicherin bin. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich keinen Humor habe. Jedenfalls kann ich mit dieser Art der Bespaßung einfach nicht umgehen. Ich habe tagelang gekämpft, RTL Now aktiviert, Rotwein getrunken und wirklich versucht, mich mit der Sendung anzufreunden. Den Hype wenigstens zu verstehen. Vergebens. Die Show unterhält mich keine Sekunde und damit bin ich nicht alleine.

Jetzt sitze ich hier, um 2 Uhr nachts – und versuche mich vor mir selbst dafür zu rechtfertigen, dass ich die Sendung verabscheue. Ja, dass ich die Idee öde und überstrapaziert finde, dass ich kein Interesse an nackten Bierbäuchen und gelifteten Po-Falten habe. Dass ich mich nicht unterhalten fühle, nein, dass ich Jenny Elvers charakterbedingte Langeweile genauso anstrengend finde wie die Challenges. Die erfolglosen Dschungelknastis werden schon seit Folge eins mit ungefährlichen Heuschrecken konfrontiert und tun dabei so, als wäre ihr Leben in ernsthafter Gefahr. Nur ist es das eben nicht. Das weiß auch das medienkompetente Publikum, das zwischendurch immer wieder zu 3Sat wechselt.

(Bild: RTL / Stefan Menne )

Sophias Brüste sind genauso falsch wie Daniel Hartwichs Lächeln. Auch Sonja Zietlows Pausengags sind wie es scheint noch von den “10 emotionalsten DSDS-Momenten“ übriggeblieben. Dabei ist es fast zu billig, das Dschungelcamp zu dissen – schließlich haben sich schon alle meine Freunde auf Facebook über das unterirdische Niveau echauffiert. Pauschaler Kulturpessimismus ist nicht meine Sache, dafür genieße ich das Nachmittagsprogramm zu sehr. Eigentlich. Aber hier hat RTL ein neues Bullshit-Level betreten.

(Bild: RTL / Stefan Gregorowius)

Das Dschungelcamp besteht für mich aus einer nachlässig installierten Urwaldkulisse, in der man kettenrauchende Ex-Moderatorinnen dafür verurteilt, dass sie in der Öffentlichkeit eine schlechte Figur machen.

Die wollen mich kotzen sehen.
Helena

Zusätzlich hasse ich die Art von Prominenz, die darauf gründet, irgendwann in den Neunzigern einen drittklassigen Schauspieler geheiratet zu haben. Oder fünfzehn Mal bei DSDS gewesen zu sein.

Der eine schaut Dschungelcamp, weil er Thorsten Legats Meinung über Schweinesperma schätzt. Der andere hofft vergebens, Menderes noch ein letztes Mal zu “Beat It” strampeln zu sehen.

Spannungsbogen – Fehlanzeige. Den immer gleichen Spielen folgen die immer gleichen Gespräche. Über Sex, den man nicht hat. Über Johnny Cash, den man nicht kennt. Tiere, die einen ankacken.

Noch nie? Bist du Jungfrau?
Thorsten

Die Sendung plätschert nur so dahin, während mich die im Zehn-Minutentakt anfallenden Werbeblöcke wenigstens aus meinem Dämmerzustand reißen.

(Bild: RTL / Stefan Menne)

Ich werfe einen kurzen Blick auf den Hashtag #ibes. Dort wittern User hinter jedem halbenergischen Satz den bald anstehenden “beef“ – der irgendwie dann doch nie stattfindet. Tut mir leid, sich an das Dschungelcamp zu gewöhnen ist ungefähr so angenehm, wie Reibeisen in den BH zu klemmen.

Auch verschaffen mir Sätze wie “Wir müssen mehr Liebe machen!” nicht die gewünschte emotionale Befreiung. Im Gegenteil. Medienkonsum sollte normalerweise dabei helfen, psychische Spannungen abzubauen. In Wahrheit versetzt mich das Dschungelcamp 2016 in einen Zustand der Rastlosigkeit, die sich bei einer inhaltslosen Sendung mit Überlänge relativ rasch in Wut verwandelt.

Und deshalb hasse ich das Dschungelcamp. Es verursacht mir Unwohlsein statt Ablenkung – und das liegt sicherlich nicht an den Kakerlaken in Helenas Ohr.

(Bild: RTL / Stefan Menne)

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