Bild: Getty Images/ Michael Tullberg
Fünf Doku-Empfehlungen von Mediasteak

Illegale Partys in leerstehenden Bunkern, krachende Beats zu Strobo-Licht und kalter Schweiß, der von der Decke tropft: Drogen- und liebesberauscht tanzten Raver in der anarchischen Frühphase der Berliner Technoszene tagelang durch, während wir noch in der Schule saßen. Legendäre Zeiten für alle, die dabei waren. Glorifiziert von denen, die zu spät kamen. Die folgenden Dokus und Kurzfilme nehmen uns aber nicht nur mit auf eine Zeitreise in das Berlin der 90er - wir begeben uns in bunte Underground-Szenen von New Orleans, London und Belfast und sehen, dass Subway-Dancing in New York im wahrsten Sinne des Wortes Untergrund ist.

1. Party auf dem Todesstreifen – Soundtrack der Wende
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Während nach dem Mauerfall die Massen in den Westen strömten, wurde Ost-Berlin zum riesigen Abenteuerspielplatz für feierhungrige Jugendliche. Die neugewonnene Freiheit versprach plötzlich grenzlose Möglichkeiten in den gesetzlosen Gebieten. Häuser wurden besetzt, es gab illegale Partys an jeder Ecke. Kids aus Ost- und West-Berlin machten gemeinsam die Nacht zum Tag, lebten nur noch für das Wochenende. "Die Zeit nach dem Mauerfall war wie‘n Riss in der Realität."

Leerstehende Bunker, lauter Sound und zuckendes Strobo – Techno wurde während der Wendezeit zum Gemeinschaftsprojekt von Ost und West und ebnete die erste gesamtdeutsche Jugendkultur der 90er Jahre. Begleitet mit Bildmaterial von Partys und Clubs aus der damaligen Zeit berichten in der Doku "Party auf dem Todesstreifen – Soundtrack der Wende" DJs, Clubbetreiber und ehemalige Partygänger von ihren Erinnerungen aus der Berliner Techno-Szene während der Wendezeit.

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(Länge: 52 Min. | Verfügbar bis 20.02.16)

2. Tänzer im New Yorker Untergrund: "Litefeet"

People stopped the violence and they just wanted to dance. That kept a lot of people from the street, that kept a lot people out of trouble.

Die sogenannte Null-Toleranz-Politik, die in den 90er Jahren vom damaligen New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani entwickelt wurde, nimmt zuweilen merkwürdige Züge an. Denn nicht nur Kriminalität wird damit eingedämmt, sondern auch die kulturelle Vielfalt: So gehen bedenklich gesinnte Polizisten rabiat gegen Tänzer und Musiker in der U-Bahn vor, denn angeblich tragen Gitarre spielen und Hüften schwingen zu einem Ambiente der Gesetzlosigkeit bei. Die Konsequenzen von dieser Bekämpfung einer doch so harmlosen Subkulturen sind dramatisch: Denn was sollen die Jugendlichen jetzt tun, wenn sie sich nun nicht mehr zum Tanzen treffen? Der Kurzfilm "Litefeet" vom amerikanischen Regisseur Scott Carthy begleitet die Mitglieder der legendären Subway-Dancing Gruppe "W.A.F.F.L.E Crew" in New York und zeigt, was das Tanzen für die Kids bedeutet(e).

(Länge: 17:42 Min.)

3. That B.E.A.T.

Hip Hop und Homosexualität? Passt eigentlich nicht so zusammen – jedenfalls lässt die meist homophobe Rap-Kultur in Amerika oft nichts Gutes an Schwulen. Diese Künstler jedoch werden mehr akzeptiert als man denken würde: In New Orleans, die Hauptstadt des "Bounce", rappen sogenannte "Sissy Rapper" unanständige Texte zu groben Beats, während Publikum und Tänzer ihre Ärsche in die Luft schmeißen. Der Kurzfilm "That B.E.A.T." nimmt uns mit in die bunte Untergrundszene, die keinen großen Wert auf Geschlechterrollen oder sexuelle Orientierung legt. Hier wackelt jeder mit dem Po, der auf Bounce Music steht – egal ob hetero oder schwul, transsexuell oder Transvestit.

(Länge: 09:20 Min.)

4. Brandy & Coke
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Der britische Fotograf Ewen Spencer hat die Garage-Szene seit ihrer Geburt im Jahr 1998 begleitet und die Subkultur in Londoner Underground-Clubs und auf illegalen Raves dokumentiert. Zu seinem Buch UKG über diese 'Sunday Scene', hat er die Kurzdokumentation "Brandy & Coke" gedreht, in der Schlüsselfiguren der Szene die Geschichte hinter den champagnergetränkten Bildern erzählen. Versace-Jeans im 90er-Stil, knallbunte Moschino-Blusen und dick aufgetragene Selbstdarstellung – eine nostalgische Rückschau auf die Maxime der Clubber.

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(Länge: 08:03 Min.)

5. Dancing on Narrow Ground: Youth & Dance in Ulster

Während sich in den 90er Jahren in Belfast die religiös-politischen Auseinandersetzung zwischen Katholiken und Protestanten zuspitzt, porträtiert Regisseur Desmond Bell eine Generation, die sich fernab ihrer Konfessionszugehörigkeit trifft, um gemeinsamen zu feiern. Die Liebe zum Rave bringt sie zusammen und lässt sie wenigstens für eine Nacht ihren konfliktgeprägten Alltag vergessen – das einzige was zählt, ist das Tanzen bis zum Morgengrauen. "Dancing on Narrow Ground: Youth & Dance in Ulster" erzählt von jungen Menschen, die sich nach dem Exzess wieder in eine kranke Gesellschaft eingliedern müssen.

(Länge: 59:28 Min.)

Mediasteak x bento

MediasteakAnne und Laura von Mediasteak zeigen, was in den Mediatheken steckt. Jeden Freitag empfehlen sie die besten Spielfilme, Dokumentationen und Serien bei bento.

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