Bild: Vanish Films

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In diesem Beitrag verraten wir ein bisschen was über die Serie, das Spiel oder den Film — aber eigentlich nichts, was dir den Spaß verderben könnte.

Es knallt. Der Polizist schlägt mit einem Metallschläger die Fensterscheibe ein. Seine Kollegen stürmen mit schusssicheren Westen, Helmen und Waffen ausgestattet ins Haus. Ihr Ziel: einen angeblichen Drogendealer zu überführen. Was sie finden, nachdem sie jeden Schrank durchwühlt und die Motorhaube seines Wagens durchsucht haben: Ein paar Krümel Gras in seiner Schultasche – und seine Familie, die von der Erstürmung ihres Hauses völlig schockiert ist.

In der Dokumentation "Do Not Resist" zeigt Regisseur Craig Atkinson, die rasante Militarisierung der US-Polizei. Wie Überwachungstechnologie von örtlichen Polizeibehörden eingesetzt wird, die einst nur für Geheimdienste bestimmt war. Wie Polizisten mit Militärwaffen ausgestattet werden. Und wie gewöhnliche Hausdurchsuchungen plötzlich einem Anti-Terroreinsatz gleichen (Homepage zum Film).

Das ist der Trailer:


An diesem Donnerstag kommt die US-Dokumentation in die deutschen Kinos. Wir haben sie uns vorab angesehen und mit dem Regisseur gesprochen.

Das erwartet dich:
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Drei beängstigende Szenen:
  • Der Film startet mit Aufnahmen aus Ferguson im Bundesstaat Missouri 2014. Dort ist gerade der 18-jährige afroamerikanische Schüler Michael Brown von einem Polizisten erschossen worden. Hunderte Demonstranten versammeln sich trotz Ausgangssperre auf der Straße, um gegen Gewalt gegen Schwarze zu demonstrieren – friedlich. Dann fliegen plötzlich Leuchtraketen auf die Demonstranten zu, Panzer versperren die Straßen. Die Filmcrew ist mittendrin.
  • In Orlando begleitet das Filmteam die sogenannten SWAT Games, bei denen Spezialkräfte der Polizei gegeneinander antreten und Taktiken austauschen: Wer kann sich an einem fahrenden Panzer festhalten? Wer schleppt die Attrappe eines Verletzten am schnellsten? Wer kann am besten mit dem Sturmgewehr umgehen? Das alles erinnert an Stuntübungen für einen Hollywood-Action-Movie – ist aber Realität.
  • Der Ex-Militär Dave Grossman schult SWAT-Einheiten – das gleicht nicht mehr einer normalen Schulung sondern dem Treffen einer Sekte. Früher brachte er Soldaten bei, wie sie weniger Angst vorm Töten haben, heute tut er das bei Polizisten: "Wir befinden uns im Krieg und ihr seid die Kämpfer an vorderster Front." Gewalt müsse man bekämpfen – mit übergeordneter Gewalt.
Das stärkste Zitat:
Terrorism works, cause it makes people irrational and it makes them destroy themselves.
Eine US-Bürgerin

Dieses Zitat stammt von einer Frau aus der Stadt Concord, in der seit 2004 zwei Menschen umgebracht wurden. Auf einer Bürgerversammlung debattieren Anwohner über die Finanzierung eines Polizeipanzers.

Die Aussage der Frau fasst wohl am besten zusammen, was in den USA zu derart gravierenden Veränderungen in der Polizeiarbeit geführt hat. Seit dem 11. September hat die Regierung mehr als 40 Milliarden Dollar in die Ausrüstung der Polizeikräfte gesteckt.

Doch zur Terrorbekämpfung werden die neuen Techniken nicht verwendet: Polizisten rollen auf ihren gewöhnlichen Streifenfahrten mit Panzerfahrzeugen durch die Kleinstädte. Polizeibehörden verwenden dieselben Programme wie die NSA, um Hausdurchsuchungen zu planen – selbst bei einfachen Drogendelikten.

Das sagt der Regisseur über den Film:
Regisseur Craig Atkinson(Bild: Vanish Films)

Warum hast du diese Dokumentation gedreht?

Den Entschluss fasste ich 2013 nach dem Anschlag auf den Boston Marathon. Die ganzen Waffen und Fahrzeuge, die in den Tagen danach eingesetzt wurden, das Auftreten der Beamten – das kannte ich aus der Polizeiarbeit so nicht. Mein Vater war fast 30 Jahre lang Polizist und Kommandant einer SWAT-Einheit. Er hat mich viel an seiner Arbeit teilhaben lassen. Er nahm mich mit zu Trainingseinheiten, ich spielte mal die Geisel, später den bewaffneten Angreifer. Er war ein Ordnungshüter, der immer das Richtige tun wollte. Von meinem Film war er erschüttert.

Welche Veränderung in der Polizeiarbeit hat dich bewegt?

Ich habe rund 20 Polizei-Dienststellen innerhalb von zwei Jahren besucht. Mein Eindruck ist, dass die meisten Polizisten nicht mehr in der Lage sind, deeskalierend zu arbeiten. Wenn sie zu Einsätzen mit geistig verwirrten Menschen kommen oder Menschen, die häusliche Gewalt erfahren, sind sie überfordert. Sie versuchen Probleme mit Gewalt zu lösen.

Was macht das mit der Gesellschaft?

Nach meinen Erfahrungen gibt es Bürger, die wieder zu einem Zustand zurückfinden wollen, in dem die Polizei nicht der Feind der Gesellschaft ist, sondern wieder ein Teil von ihr. Andererseits gibt es Menschen, die sehr glücklich sind mit dem jetzigen Zustand. Und dann gibt es die, die sich erst einmal einen Überblick verschaffen müssen, die schockiert sind von unseren Aufnahmen.

Haben die Menschen in den USA wirklich so viel Angst vor Terrorismus?

Ich denke, Angst ist vor allem ein Mittel der Verantwortlichen. Es ist sinnvoll, Menschen in einen Angstzustand zu versetzen, um Sicherheitsmaßnahmen zu begründen. Ich glaube, die Amerikaner versuchen die ganze Zeit zu einem Zustand zurückzufinden, in dem sie sich wieder sicher fühlen.

Dein Film zeichnet ein sehr düsteres Bild. Gibt es einen Ausweg?

Ich denke an die Frau, die gesagt hat, dass die Angst vor Terrorismus uns irrational macht. Sie hat sich für die Freiheit eingesetzt. In dieser Szene steckt viel Hoffnung. Ihre Stimme wird durch den Film von vielen gehört. Das motiviert vielleicht andere, auch Initiative zu zeigen.

Was du von dem Film mitnehmen kannst:

Folgende Fragen werden dich beschäftigen: Betonklötze am Rande von Weihnachtsmärkte stören uns nicht? Panzer, die unser Straßenbild prägen schon? Fingerabdrücke sind okay? Aber die Überwachung unser sozialen Profile nicht? Kameras auf öffentlichen Plätzen dienen unserem Schutz? Wenn nur noch Polizei-Drohnen über unseren Köpfen kreisen, geht das zu weit? Kurz: Wie viel Freiheit geben wir auf – in der Hoffnung uns vor Terror zu schützen?

"Do not resist" macht uns klar, wie sehr die oft unberechtigte Angst vor Terror die USA dazu gebracht hat, in einer überwachten, militärischen Welt zu leben. Es sollte uns eine Warnung sein und Anlass, sich dagegen zu wehren.

(Hier findest du den Film bei iTunes oder bei Amazon)


Gerechtigkeit

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