Bild: Netflix

In einer prunkvollen Hochzeits-Zeremonie soll die Allianz zwischen zwei mächtigen Reichen besiegelt werden. Von überall sind hohe Herren und edle Damen angereist, um dem Ereignis beizuwohnen. Doch dann gibt es einen Eklat: Statt ihrem Zukünftigen das Ja-Wort zu geben, sagt die Prinzessin einfach Nein – und rettet sich dann mit einem Sprung aus dem Fenster.

Nein, das ist nicht "Game of Thrones", sondern "Disenchantment", die neue Serie von "Simpsons"-Schöpfer Matt Groening. 

In "Futurama" nahm er sich das Science-Fiction-Genre zur Brust, jetzt geht die Reise ins Mittelalter, zu Mythen und Legenden. "Disenchantment" erzählt die Geschichte der widerspenstigen Prinzessin Bean, die nach ihrem Platz in der Märchenwelt sucht. Zur Seite stehen ihr der treudoofe Elf Elfo und der großmäulige Mini-Dämon Luci. Bei dem Trio ist Ärger natürlich vorprogrammiert.

Wer jetzt eine zotige Parodie auf "Game of Thrones" oder "Herr der Ringe" erwartet, hat sich geirrt. Ja, "Disenchantment" greift immer wieder Fantasy-Klischees auf, aber im Vordergrund stehen nicht die Gags, sondern die Charaktere. Und die sind erstaunlich vielschichtig.

Bean ist von der ersten Folge an auf der Suche nach sich selbst. Eine klassische Prinzessin im Disney-Stil will sie nie werden – nur eine echte Alternative hat sie nicht auf Lager.

Außerdem möchte Bean bei aller Rebellion auch ihren Vater nicht verlieren. Dass der hitzköpfige König gewisse Parallelen zu US-Präsident Donald Trump aufweist, dürfte kein Zufall sein. Je abgedrehter Groenings Welten sind, umso spitzer fällt oft die Satire aus.

Es wäre natürlich ein Leichtes gewesen, Bean als niemals zweifelnde Power-Frau zu verkaufen, die stets genau weiß, was sie will, und das gegen alle Widerstände durchsetzt. Es wäre wohl aber auch schnell langweilig geworden.

Durch ihre Zweifel, ihre Fragen und Ängste wird Bean nicht nur echt und sympathisch – sie wird vor allem interessant.

Dass er denkwürdige Charaktere schreiben kann, hat Groening schon oft genug bewiesen. Die "Simpsons" funktionieren immer dann am besten, wenn es um die Gefühle und Beziehungen der gelben Kult-Familie geht. "Futurama" hielt die Fans über Jahre mit der unerfüllten Liebe zwischen Lieferjunge Fry und Zyklopin Lila bei der Stange. 

Die Reise von Bean, Elfo und Luci verspricht besonders spannend zu werden, denn in "Disenchantment" kriegt Groening zum ersten Mal die Chance, eine fortlaufende Geschichte zu erzählen. Während das Leben der Simpsons auch nach 30 Jahren noch weitgehend unverändert ist, verändert die Welt um Bean sich in fast jeder Folge. Handlungen haben Konsequenzen; eine Episode geht in die nächste über.

Auf eine endlose Fortsetzung ist "Disenchantment" also schon mal nicht angelegt. Das Ende der Reise ist anfangs noch ungewiss, aber doch von Anfang an in Sicht.

"Disenchantment" startet am 17. August bei Netflix.


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