Silber geht in der ersten Award-Runde auch an das Krimi-Magazin Real Crime. Seine Ausgabe 2/2016 wird für maximale Dramatisierung geehrt. Auf seinem Cover präsentiert es nicht etwa nur gefährliche Serienmörder, sondern gleich die “weltweit tödlichsten”, die “schlimmsten Psychopathen der Welt”. Drunter macht es Real Crime nicht.

Nichts mit Gewalt hat der letzte Silber-Preisträger zu tun, das Ausmalheft FarbenFroh mit dem Slogan “Mal dir dein Leben neu aus”. Es wird ausgezeichnet für übertriebene Vorsicht. Dabei geht es weniger darum, dass das Heft das Leben als eine Ansammlung von Torten, Cupcakes und Kaffeetassen darstellt. Nein, primär gibt es den Preis für die Warnung unten rechts bei den mitgelieferten Stiften: “Achtung, das ist kein Spielzeug. Nicht für Kinder unter 14 Jahren geeignet.”

Viel weniger für Unter-14-Jährige geeignet ist das Sexmag, das Bronze gewinnt. Es wird ausgezeichnet für besonders durchschaubare Verführung, weil das Heft auf der Titelseite als “Erotikmagazin für Mann und Frau” inszeniert wird – trotz eines Covermodels, das wohl in erster Linie Männer anspricht.

Im Heft selbst immerhin finden sich tatsächlich Themen, die beide Geschlechter ansprechen, von den “besten Erotik-Blogs” bis zu einem Artikel über Sex in Fernbeziehungen. Dazu gibt es aber auch 16 Seiten erotische Fotostrecken, darunter 16 Seiten mit mehr oder weniger nackten Frauen und exakt 0 mit Männer-Models. Und auch auf den restlichen Seiten sieht man vor allem wenig bekleidete Frauen. Sicher genau das, was sich Leserinnen wünschen.

Nicht unausgezeichnet lassen konnte ich die AngelWoche, deren denkwürdige Cover vergangenen Sommer schon mit einem eigenen Beitrag gewürdigt wurden. Das für seine Wortspiele berühmt-berüchtigte Heft bekommt jetzt noch einen Bronze-Award, für besonders unnötiges Kopfkino.

“Die Mädels mischen mit” heißt es auf dem Cover des Heftes 10/2016: “Immer mehr, immer besser, immer öfter”. Unter dem Titelbild mit Frau und Karpfen findet sich dann der Hinweis: “Was Anglerinnen bei uns jetzt sonst noch fangen, lesen Sie auf Seite 2.” Man will die Auflösung eigentlich gar nicht wissen.

Bronze für ein besonders überflüssiges Pin-up-Girl geht derweil an das Heft Original Schwedenrätsel. Hier dachte man wohl, Rätsel allein genügen nicht, also muss noch eine leicht bekleidete Frau aufs Cover – Blond ist ja bestimmt typisch für Schweden.

Da lobt man sich Hefte, die sich nicht ausschließlich auf Bilder verlassen, weil sie auch die Kraft des Textes kennen. Bronze für den fiesesten Zungenbrecher als Titelzeile geht daher an das Magazin Humane Wirtschaft.

Das muss man mal nachsprechen, so schnell wie möglich und mehrfach hintereinander: “Ist Bares Wahres oder war es das mit Barem?” Und wenn man das auf Anhieb fehlerfrei schafft, kann man ja immer noch das Titelbild aus 200er- und 500er-Scheinen nachbasteln. Und, ja: Die Würfel gehören zwingend mit dazu.

Geld ist aber nicht alles im Leben – manchmal freut man sich übers pure Überleben. Für die martialischste Inszenierung eines Restaurant-Tipps geehrt wird Wilde Hunde, ein Jagdmagazin für “Jäger von morgen”. Die Titelstory des Januar-Heftes dreht sich um einen Frankfurter Food-Truck namens Wild Smoker, dessen Personal am Arbeitsplatz ganz sympathisch aussieht. Dem bewaffneten Wild-Smoker-Trio vom Wilde-Hunde-Cover dagegen will man lieber nicht nach Einbruch der Dunkelheit begegnen.

Weniger beängstigend wirkt die Titelseite von Naturarzt, einem Gesundheitsheft mit dem Slogan “Natürlich heilen – gesund leben”. Einen Bronze Award bekommt es für sein auf unerklärliche Weise fesselndes Titelmotiv, ein Schneckenhaus. Man muss nur lang genug daraufschauen, dann hat man den Eindruck, dass sich die Linien drumherum zu bewegen beginnen. Ob das wirklich gesund ist?

Als letztes ausgezeichnet wird dieses Frühjahr noch das Magazin So gestalten Sie ihr Dorfpuppenhaus. Das Sammelheft bekommt einen Lebenswerk-Preis für überraschende Langlebigkeit, weil offenbar seit über zwei Jahren Woche für Woche neue Ausgaben an den Kiosk kommen. Mit Heft 114 zum Beispiel hat die Leserschaft endlich ein Besteckset für ihr Häuschen bekommen, ebenso Abstrebungen.

Wer das Puppenhaus-Magazin durchgehend gekauft hat, hat rechnerisch mittlerweile mehr als 1000 Euro ausgegeben, denn mit Ausnahme der Startausgaben kostet jede Ausgabe 8,99 Euro. Wer jemanden kennt, der jemanden kennt, der wirklich alle Hefte gekauft hat, der möge sich gern bei mir melden. Für so viel Treue zu einem Sammelmagazin hätte man eigentlich auch einen Preis verdient.

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Hundebesitzer unterstützen Hamburger

Pudel trifft auf Pudel: Um Solidarität mit dem abgebrannten legendären Hamburger Club zu zeigen, hat der "Deutsche Pudel-Club e.V." den "Golden Pudel" besucht. Königspudel, Zwergpudel, wollweiße Pudel, schwarze Pudel kamen mit Frauchen und Herrchen am Wochenende vor der kleinen Kaschemme in Fischmarktnähe zusammen.