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Mit „Deutschland 83“ kommt an diesem Donnerstag eine fantastische Eventserie zu RTL. Wer sich auf den Achtteiler einlässt, wird mit einer wunderbaren Spionage- und Coming-of-Age-Geschichte belohnt.

„Deutschland 83“ ist eine Serie, die aufgrund ihrer frischen Hauptdarsteller und einer letztlich universellen Prämisse auch etwas für nach 1983 Geborene ist. Die oft erbarmungslose Kritikerseite Rotten Tomatoes gibt der Serie eine „100% fresh“ Wertung, in der IMDB hat sie Bestnoten eingeheimst – und sogar zur letzten Berlinale geschafft.

Jonas Nay als Martin Rauch alias Moritz Stamm(Bild: RTL)

Über die jüngere deutsch-deutsche Geschichte gab es in den letzten 25 Jahren eine Flut von Serien, Filmen, Dokus und sonstigen Beiträgen. Nur zu verständlich, dass sich irgendwann ein Sättigungsgefühl einstellt. Themen wie ‚Stasi’, ‚eiserner Vorhang’ oder ‚Kalter Krieg’ führen oft zu kollektivem Augenverdrehen.

Darum lohnt sich Deutschland 83

„Deutschland 83“ unterscheidet sich aber wesentlich vom normalen, deutschen Serienbrei: Die Serie vereint genau die Faktoren, die wir an vielen internationalen Produktionen schätzen: glaubwürdig gezeichnete Charaktere, interessante Drehorte und tolle Schauspieler.

Lisa Tomaschewsky als Yvonne Edel(Bild: RTL)

Geschrieben wurde die Serie von Anna Winger, einer amerikanischen Autorin. Winger lebt schon viele Jahre in Deutschland, hat sich aber ihren Blick von außen bewahrt und sehr viel Feingefühl bei der Entwicklung der Charaktere bewiesen.

Produziert wurde sie von ihrem Mann Jörg Winger, und diese Zusammenarbeit Gleichgesinnter – von Ideengeber/Autor und Produzent – bringt durchaus Vorteile mit sich. Weder an der Produktion (Budget, Drehorte, Schauspieler) noch auf kreativer Seite (vielseitige, dreidimensionale Figuren, frische Ideen) wurde gespart.

Auch das Casting der Serie ist gelungen – das richtige Verhältnis von bekannten Gesichtern wie Maria Schrader oder Ulrich Noethen und frischen Talenten. Der 1990 geborene und inzwischen zum Qualitätsgaranten gewachsene Jonas Nay spielt die Rolle der Hauptfigur Martin in all ihren Facetten so überzeugend, dass er die Serie problemlos trägt.

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Die Handlung

Im Mittelpunkt von „Deutschland 83“ steht Martin: ein 24 Jahre alter, sorgloser ostdeutscher Grenzer, der von seiner manipulativen Tante (Maria Schrader) dazu gezwungen wird, im Westen als Bundeswehrsoldat ‚Moritz Stamm’ zu spionieren. Er wird gegen seinen Willen nach Bonn verschleppt und erklärt sich widerwillig bereit, auszuhelfen. Im Gegenzug soll seine kranke Mutter dafür auf der Nierenspendenliste in der Charité nach oben rutschten.

Maria Schrader als Lenora Rauch(Bild: RTL)

Martin fühlt sich als ‚Moritz Stamm’ im Westen anfangs noch wie ein Fisch auf dem Trockenen. Sehr bald aber wächst er in seine neue Aufgabe als Spion hinein und scheint auch nach und nach Gefallen daran zu finden.

Derweil sitzen seine kranke Mutter und seine Verlobte zuhause in Kleinmachnow, ohne auch nur die geringste Ahnung zu haben, was sich in seinem Leben abspielt, welche harten Entscheidungen er zu treffen hat und wie er auf sich allein gestellt plötzlich erwachsen sein muss.

All dies spielt sich vor dem Hintergrund einer der gefährlichsten Krisen des Kalten Krieges ab, als die Nato mit einer Übung für einen möglichen Atomkrieg diesen angeblich fast auslöste. Zwar zweifeln Historiker inzwischen an, dass die Sowjetunion von der Militärübung überhaupt Notiz nahm – einer fiktionalen Serie kann man das aber nachsehen.

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Fazit

Wer bei „Deutschland 83“ Geschichtsunterricht mit gehobenem Zeigefinger erwartet – oder eine Actionserie, in der in jeder Episode die Welt gerettet werden muss – wird enttäuscht.

Zwar orientiert sich die Serie an der wahren politischen Situation im Jahre 1983, aber es ist nicht einfach nur eine Serie über den Kalten Krieg. Vielmehr wird durch die einzigartige und sehr angespannte Freund-/Feindbeziehung, die zwischen Ost- und Westdeutschland damals herrschte, der perfekte Hintergrund geschaffen, vor dem sich persönliche Erfolge und Schicksalsschläge, Kurioses und Dramatisches abspielt.

Die Serie hat durchweg starke Figuren fernab jeglicher Klischees. Auch deshalb ist sie sicher eine der besten Coming-of-Age-Geschichten der letzten Jahre, unterlegt mit einem gelungenen 80er-Jahre-Soundtrack.

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Man kann nur hoffen, dass nach dem beachtlichen internationalen Erfolg diese Serie auch in Deutschland genug Zuschauer hat, dass RTL eine zweite Staffel in Auftrag gibt. 

Läuft: ab dem 26. November 2015 auf RTL, im amerikanischen iTunes Store und bei Amazon Prime.
Hier ist der Trailer: