Auf der Bühne vier Tänzerinnen und zwei Tänzer, in der Mitte Barbara Schöneberger: Sie und die Tänzer haben etwas an, die Tänzerinnen fast nichts – Nipple Patches mit Troddeln, dazu ein Höschen mit goldenen Bananen.

So wurde vor einer Woche der Deutsche Fernsehpreis 2018 eröffnet. Die Preisverleihung gesehen haben die wenigsten, sie wurde diesmal nicht im Fernsehen gezeigt. Jetzt rechnet die Journalistin Anja Reschke im Medienmagazin "Zapp" mit den Machern des Preises ab.

Den Eröffnungstanz nennt Reschke "nicht nur sexistisch, sondern auch noch rassistisch", wegen des Bananenröckchens. Er sollte eine Hommage an die deutsche Fernsehserie "Babylon Berlin" sein, die an dem Abend zahlreiche Preise abräumte. Darauf wies der Schriftzug "Babylon Köln" im Hintergrund hin. Die Serie lief bisher nur beim Abo-Sender Sky. Reschke verstand nach eigenen Angaben anfangs nicht, was der komische Tanz sollte – nicht alle haben die "Babyboln Berlin" schon gesehen.

Die Journalistin ist empört, dass der Fernsehpreis nur einen Tag nach weiteren Vorwürfen zu sexuellen Übergriffen von Fernsehregisseur Dieter Wedel gerade so tut, als sei alles in bester Ordnung. "Auf diese Idee muss man erstmal kommen", meint sie.

Dabei wäre die Verleihung des Fernsehpreises die Gelegenheit für ein Statement gewesen, findet Reschke. Doch während bei der Golden-Globe-Verleihung vor ein paar Wochen in den USA Prominente mit schwarzer Kleidung auf sexuelle Belästigung und Machtmissbrauch in der Filmbranche aufmerksam machten, gab es beim Deutschen Fernsehpreis kein Zeichen von Solidarität. "Dafür gäbe es hierzulande ja auch den einen oder anderen Anlass", findet Reschke. 

Reschkes sagt: "Die Film- und Fernsehwelt ist nach wie vor eine männliche." Das Männer-Frauen-Verhältnis war tatsächlich mehr als unausgeglichen: 19 Männer wurden in den Kategorien wie beste Kamera, beste Ausstattung oder beste Regie ausgezeichnet.

Die einzige weibliche Preisträgerin – ausgenommen die Kategorie Beste Schauspielerin – war Marietta Slomka. Die Moderatorin des "heute journal" setzte sich in der Kategorie "Beste Moderation/ Einzelleistung Information" gegen die ebenfalls nominierten Carmen Miosga und Dunja Hayali durch. 

Ein Lichtblick, könnte man meinen. Doch bevor Slomka überhaupt ihren Preis überreicht bekommt, legt Barbara Schöneberger mit ihrer Anmoderation nach und trällert:

"Das bisschen Info macht sich von allein, sagt der Claus. Das bisschen Info kann so schlimm nicht sein, sagt der Claus. Das, was Marietta macht, ist echt ja ein Jaus, total einfach, sagt der Claus."

Damit war Slomkas Kollege Claus Kleber, dessen Bild währenddessen an die Bühnenwand projiziert wurde.

Die einzige Frau, die in den geschlechtsneutralen Kategorien einen Preis gewinnt, muss sich zur Krönung also auch noch anhören, wie leicht es sei, einen Text abzulesen. "Vielleicht war so viel Frauenpower den Veranstaltern unheimlich", ätzt Reschke.

Vielleicht war es gar nicht so schlimm, dass der Fernsehpreis nicht im Fernsehen lief?

Seien Sie froh. Die Fernsehbranche hat nichts zu sagen.
Anja Reschke

Ein trauriges Fazit, das auch Dunja Hayali teilt:


Fühlen

Warum Menschen Lotterie spielen – trotz der geringen Gewinnchancen

90 Millionen Euro. Damit könntest du die Rolling Stones schätzungsweise zwölf Abende hintereinander bei dir zuhause auftreten lassen, 75.000 Mal um die Welt fliegen oder den Fußballverein Eintracht Frankfurt kaufen. Um so viel Geld geht es am Freitag bei der Ziehung des Eurojackpots. Mit der Summe hat er seine gesetzliche Obergrenze erreicht (Frankfurter Rundschau).

Wer fünf aus fünfzig und zwei aus zehn Zahlen in Kombination korrekt tippt, knackt den Jackpot. Die Chance, diese unglaubliche Summe zu gewinnen, ist allerdings verschwindend gering: sie liegt bei etwa 1 zu 95 Millionen (Lottostiftung). Trotzdem spielen viele Menschen erst dann mit, wenn der Höchstgewinn extrem groß ist, sagt Bodo Kemper, Sprecher von Eurojackpot – solche Spieler werden von ihm "Jackpotspieler" genannt.