Was haben Werner Herzogs "Fitzcarraldo", Wim Wenders "Der Himmel über Berlin" und "Lola rennt" von Tom Tywker gemeinsam? Es sind drei Filme, die von Deutschland ins Rennen um den Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film eingereicht wurden – keiner der drei wurde jedoch am Ende von der Academy nominiert.

Blickt man in die Nominierungsliste, so lässt sich erahnen, warum: Dort befinden sich vor allem Filme, die sich mit der deutschen Geschichte beschäftigen. 18 Filmen gelang seit 1957 eine Oscar-Nominierung, fast alle drehen sich um Nazi-Deutschland, den Ersten oder Zweiten Weltkrieg oder Adolf Hitler.

Doch seit dieser Woche hat sich das geändert. Denn Maren Ades "Toni Erdmann" wurde am Dienstag als 19. deutscher Film in der Kategorie "Bester nicht-englischsprachiger Film" nominiert.

Hier stellen wir euch die besten deutschen Oscar-Nominierten und -Gewinner vor.
"Jakob der Lügner" (1974/75)

Ein polnisches Ghetto 1944: Der inhaftierte Jude Jakob wird auf das Revier der Gestapo gerufen. Dort hört er zufällig im Radio, dass die Rote Armee auf dem Vormarsch ist. Jakob erzählt die guten Neuigkeiten seinem Freund, der ihm nicht glauben will. Daraufhin behauptet Jakob, er besäße heimlich ein Radio.

Die Nachricht von einer baldigen Befreiung verbreitet sich wie ein Lauffeuer im Ghetto. Als Jakob merkt, dass der Lebenswille der Menschen zurückkehrt, kann er nicht anders – als weiter zu lügen. Die Romanverfilmung "Jakob der Lügner" war die einzige DEFA-Produktion, die für den Oscar in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" nominiert wurde.

"Die Blechtrommel" (1979)

"Es war einmal ein Blechtrommler, dem gefiel die Welt der Erwachsenen nicht." Als der dreijährige Oskar (David Bennent) eine Blechtrommel geschenkt bekommt, beschließt er, nicht mehr zu wachsen. Zu sehr widern ihn die Denkweise der Erwachsenen und der immer stärker werdende Faschismus an.

Also beginnt er mit Trommel und Geschrei, durch das er Glas zum Zerbersten bringt, seine Eltern und sein naziverseuchtes Umfeld zu tyrannisieren. Obwohl Oskars Körper nicht mehr wächst, entwickelt sich sein Geist zu dem eines erwachsenen Mannes. Doch er weigert sich weiterhin, sich in die verlogene Welt der Erwachsenen einzugliedern.

Mit der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Günther Grass bekam zum ersten Mal ein deutscher Beitrag 1980 den Oscar als bester nicht-englischsprachiger Film.

"Schtonk! - Hitlers Tagebucheintragung" (1992)

"Die übermenschlichen Anstrengungen der letzten Tage verursachten mir Blähungen im Darmbereich und Eva sagt, ich habe Mundgeruch."

Die Komödie "Schtonk!" von Helmut Dietl verarbeitet satirisch die Veröffentlichung der gefälschten Hitler-Tagebücher im "Stern" im Jahr 1983. Sowohl Uwe Ochsenknecht, der den Fälscher Fritz Knobel spielt, als auch Götz George – in der Rolle des Skandalreporters Hermann Willié – schauspielern hervorragend in diesem zum Brüllen komischen Film.

Schon allein beim Schauen dieses kurzen Ausschnitts bekommen wir Lust, "Schtonk!" noch mal anzuschauen. Wir sagen nur: Führers Hund.

"Nirgendwo in Afrika" (2001)

Auf der Flucht vor den Nazis immigriert die jüdische Familie Redlich 1938 nach Kenia. Die Ehefrau Jettel weigert sich zunächst, die neue Heimat anzunehmen. Ihre Tochter Regina hingegen genießt dieses Abenteuer und freundet sich eng mit den Einheimischen an.

Der Film verdeutlicht eindringlich: Während in Deutschland Menschen aufgrund ihrer Herkunft und ihres Glaubens ermordet werden, lernen sich in Kenia Menschen gegenseitig wertschätzen, obwohl sich ihre Hautfarbe, Sprache und Kultur voneinander unterscheiden.

Für "Nirgendwo in Afrika" erhielt Caroline Link (als eine der sehr wenigen weiblichen Regisseurinnen) 2003 den Oscar. So gewann nach 23 Jahren wieder ein deutschsprachiger Film in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" das goldene Männchen.

"Der Untergang" (2004)

In Oliver Hirschbiegels preisgekröntem und für den Oscar-nominierten Spielfilm vom Jahr 2004 schlüpft Bruno Ganz in die Haut von Adolf Hitler.

Es werden die letzten Tage im Bunker des Führers geschildert und schließlich der Untergang des Dritten Reiches. Der Film gilt neben seinen 4,5 Millionen deutschen Kinozuschauern auch international als einer der erfolgreichsten deutschen Filme überhaupt.

"Sophie Scholl - Die letzten Tage" (2005)

Bei einer Flugblatt-Aktion gegen die Nazi-Diktatur wird die junge Studentin Sophie Scholl 1943 zusammen mit ihrem Bruder Hans in der Münchner Universität verhaftet. Tagelange Verhöre bei der Gestapo entwickeln sich zu nervenzehrenden Psycho-Duellen.

Am Ende werden die Geschwister zum Tode verurteilt. Der Film konzentriert sich ausschließlich auf die letzten sechs Tage in Sophie Scholls Leben. Vor allem die schauspielerische Leistung der Hauptdarstellerin Julia Jentsch ist überragend. Auch dieser Film war die deutsche Hoffnung auf einen Oscar, aber leider blieb es 2006 bei der Nominierung.

"Das Leben der Anderen" (2006)

Ost-Berlin, 1984. Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler (Ulrich Mühe) – ein grauer Herr, der ein karges Leben führt – wohnt zurückgezogen und einsam. Sein einziger Freund ist der Sozialismus.

Als er, der Vorzeigespitzel, den Auftrag erhält, den Theaterschriftsteller Georg Dreyman und dessen Lebensgefährtin auszuspionieren, gewinnt er Einblicke in die Welt der Kunst und des freien Geistes sowie in zwischenmenschliche Beziehungen, die er selbst nicht kennt.

Wiesler beginnt am Leben dieser anderen Menschen teilzuhaben und gerät dabei immer mehr in moralische Konflikte. Der wirklich wunderbare Film, der an das Gute im Menschen glauben lässt, erhielt 2007 den Oscar für den besten fremdsprachigen Film.

"Der Baader Meinhof Komplex" (2008)

Andreas Baader (Moritz Bleibtreu), Ulrike Meinhof (Martina Gedeck) und Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) gründeten 1970 die Rote Armee-Fraktion und erklärten der Bundesrepublik Deutschland den Krieg.

Bernd Eichinger produzierte und schrieb das Drehbuch für den Film. Es ist eine der teuersten deutschsprachigen Produktionen, die sich zweieinhalb Millionen Kinobesucher ansahen. Schließlich wurde der Film auch für den Oscar im Jahr 2009 nominiert, doch der Preis ging an einen japanischen Film.

"Das weiße Band - Eine deutsche Kindergeschichte" (2009)

Ein norddeutsches Dorf wird kurz vor Beginn des 1. Weltkrieges plötzlich von mysteriösen Zwischenfällen heimgesucht: Es kommt zu ungewöhnlichen Unfällen, schweren Misshandlungen und Attentaten. Die zur Hilfe gerufene Polizei ist machtlos und kann keinen Täter ausfindig machen. Unter den Dorfbewohnern wächst deshalb zunehmend das Misstrauen. Keiner ist mehr sicher vor den gegenseitigen Anschuldigungen.

Mit "Das weiße Band" konnte sich der österreichische Regisseur Michael Haneke bei den Oscars 2010 gleich über zwei Nominierungen freuen: für den besten fremdsprachigen Film und die beste Kamera.

"Toni Erdmann" (2016)

Als sein Hund verstirbt, beschließt der pensionierte Musiklehrer Winfried, seine Tochter Ines unangekündigt in Bukarest zu besuchen. Während seines Aufenthaltes schlüpft er in sein Alter Ego Toni Erdmann und macht mit schiefen Zähnen und Langhaar-Perücke die peinliche Familienzusammenkunft perfekt. Wir drücken der Regisseurin Maren Ade die Daumen für den 26. Februar – dann wird die alljährliche Oscar-Prozedur wieder stattfinden.


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Das sind die wichtigsten Sätze aus der Rede von Martin Schulz

Er ist der größte Herausforderer von Angela Merkel: Martin Schulz. Die SPD hat ihn am Sonntag bei der Vorstandsklausur in Berlin zum Kanzlerkandidaten und Parteivorsitzenden nominiert, kurz nachdem Sigmar Gabriel seinen Verzicht auf beide Posten bekanntgegeben hatte und zum Außenminister ernannt wurde (bento).

Schulz war jahrelang der Präsident des EU-Parlaments – dort war er dafür bekannt, klar zu sagen, was er denkt. Nun gilt er als Hoffnungsträger im Kampf gegen den wachsenden Rechtspopulismus in Deutschland und für ein vereintes Europa.

Seine Parteikollegen stehen hinter ihm, in den Umfragen liegt Schulz nur knapp hinter Kanzlerin Angela Merkel (ZDF). "Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam einen super Wahlkampf machen", schreibt Schulz auf seiner Facebook-Seite in einem Beitrag.