Bild: Kataskop Filmproduktion
Übergeschnappte Bildungsbürger im Kriechkeller

Seit Donnerstag läuft "Der Bunker" in den Kinos. Es geht nicht um Adolf Hitler oder Josef Fritzl, sondern um eine schrecklich nette Familie, die einen Studenten bei sich aufnimmt. Der will in dem Hausbunker eigentlich nur Ruhe für seine Arbeit haben. Doch die Eltern können ihn überreden, ihren Sohn Klaus zu unterrichten. Der soll acht Jahre alt sein, ist aber ganz offensichtlich ein 30-jähriger Mann.

"Der Bunker" von Nikias Chryssos ist düster, verstörend und auf eine angenehme Art und Weise weird: Nicht so durchformatiert und vorhersehbar wie das, was Hollywood oder die deutsche Filmförderung sonst hervorbringen. Sondern ganz eigen, mit großer Sorgfalt und noch größerem Stilwillen gefilmt. Manchmal absurd und lustig, dann wieder furchtbar quälend.

Was den "Bunker" so großartig macht:

1. Der Bunker
(Bild: Kataskop Filmproduktion)

Der gesamte Film spielt in dem Bunker, in dem sich die Familie eingerichtet hat. Er ist der heimliche Star des Films – das Team von Nikias Chryssos hat jeden Raum sorgfältig hergerichtet, sich Farbkonzepte überlegt und sogar die Decke tapeziert und gestrichen. Bei einem Filmset eher unüblich, aber weil die Decke niedrig hängt und Licht reflektiert, zahlen sich diese eigentlich unsichtbaren Details aus.

2. Klaus
(Bild: Kataskop Filmproduktion)

So heißt der Junge, der von Daniel Fripan gespielt wird. Seine Eltern haben Großes mit Klaus vor, Präsident soll er einmal werden. Dabei kann er sich noch nicht einmal die Hauptstädte Europas merken und trinkt auch mit acht Jahren noch von der Brust seiner Mutter. UND ER SIEHT AUS WIE 30, ABER MUSS DAS NOCH ERWÄHNT WERDEN?

3. Der Herr Student
(Bild: Kataskop Filmproduktion)

Man weiß gar nicht, wer ärmer dran ist: Klaus oder der Student, gespielt von Pit Bukowski. Als Zuschauer besuchen wir mit dem Studenten die sonderliche Familie und wundern uns. Verzweifeln mit ihm am begriffsstutzigen Klaus. Schreien mit ihm, als alles viel zu absurd wird in den dunklen Katakomben. Bis der Student anfängt, Grenzen zu überschreiten, und wir uns langsam von ihm lösen müssen.

4. Die Eltern
(Bild: Kataskop Filmproduktion)

Oona von Maydell und David Scheller spielen die reizenden Eltern. Übergeschnappte Bildungsbürger im Kriechkeller, die stets adrett gekleidet nur das Beste für ihren, nun ja, Sohn wollen.

5. Heinrich
(Bild: Kataskop Filmproduktion)

Hier soll nicht zu viel verraten werden, aber die Mutter hat eine klaffende, nässende Wunde am Bein. Sie heißt Heinrich. Sie hat einen eigenen Plan. Welcher Film kann schon mit so etwas aufwarten?

6. Die Gewalt

"Der Bunker" ist nicht sonderlich brutal oder blutrünstig, im Gegenteil: Vieles passiert eher subtil im drückend engen Betonkäfig. Dafür werden Schläge mit einem Rohrstock so ausführlich gezeigt, dass es noch Minuten später schmerzt.

7. Der Humor
(Bild: Kataskop Filmproduktion)

Wenn man sich nicht gerade ekelt oder wundert, was denn bitte noch alles Furchtbares passiert, ist "Der Bunker" ein sehr lustiger Film. Mindestens so lustig wie Helge Schneiders "Praxis Dr. Hasenbein" oder Antonin Svobodas "Immer nie am Meer". Sehr, sehr, sehr lustig also.

8. Die Reaktionen
(Bild: Kataskop Filmproduktion)

Wir haben den Film in der Redaktion gesehen – und die Hälfte ist mittendrin verstört nach Hause gegangen. "Der Bunker" ist so anders und merkwürdig, dass man als Zuschauer in jedem Fall etwas zu erzählen hat. Kino ist doch dann am besten, wenn wir in eine fremde Welt eintauchen, wenn wir überrascht werden, wenn wir nicht von Explosionen zugedröhnt und gelangweilt werden.

Hier ist der Trailer: