Wer schon mal ein schlechtes erstes Date hatte, der weiß, wie unangenehm sich Gesprächspausen anfühlen können, oder wie sehr man sich dafür verdammen kann, das gemütliche Sofa verlassen zu haben. Doch die 36-jährige Gurki Basra hat – auch noch vor Millionen von Zuschauerinnen und Zuschauern – ein besonders schlimmes erstes Date erlebt. Und es ist leider exemplarisch für Kommunikationssituationen, die viele Frauen kennen. 

Aber von Vorne: Gurki war eine der Teilnehmerinnen der neuen Netflix-Sendung "Dating Around". In jeder Folge der ersten Staffel trifft sich ein New Yorker Single mit fünf Menschen zu Blind Dates. Am Ende erfahren die Zuschauerinnen und Zuschauer dann, ob und mit wem die Person auf ein zweites Date geht. 

Das Schöne an der Show: Es gibt keine nervigen Spielchen und großen dramaturgischen Eingriffe, wie bei anderen Dating-Sendungen. Man beobachtet einfach nur zwei Personen dabei, wie sie sich allmählich kennenlernen – ob queer oder nicht, ob jung oder alt. Das wirkt erfrischend echt. Zum Beispiel, wenn Witwer Leonard über den Tod seiner Frau spricht oder die lesbische Mila über die unbeabsichtigten Klischee-Sprüche ihrer Dates lacht.

Aber manchmal ist diese Realitätsnähe auch sauschwer zu ertragen. 

Vor allem Folge zwei von "Dating Around" hat die Zuschauerinnen schockiert.

Denn eines von Gurkis fünf Dates nahm ein absurdes Ende. 

Das passiert in der Folge:

Gurki lernt Justin (34) kennen. Die Pre-Dinner-Drinks und das gemeinsame Essen verlaufen noch recht ereignislos. Als Gurki davon erzählt, dass sie ihren Ex-Mann heiratete, obwohl sie Zweifel an der Beziehung hatte und sich dann später von ihm scheiden ließ, legt Justin los. Der "Dialog" – Justin lässt Gurki zwar keinen Satz beenden, aber nennen wir es mal so – gipfelt in diesen Sätzen, die Justin Gurki an den Kopf wirft: 

„Wer sagt "Ja" zum Heiraten, wenn man Zweifel hat? Du hast acht Jahre deines Lebens ruiniert. Du hast ihn und dich angelogen (...) Wie könnte ich dir jemals vertrauen? Wie könnte irgendjemand dir jemals vertrauen?“
Justin, "Dating Around"

Gurkis Versuche, den gesellschaftlichen Druck zu erklären, den sie damals spürte, weil beide Familien indisch sind und nach gut fünf Jahren Beziehung eine Hochzeit erwarteten, ignoriert Justin komplett. Stattdessen unterbricht er sie und greift sie persönlich an

Hier kannst du dir die Szene selbst ansehen:

Nicht nur Gurki muss nach diesen zwei Minuten tief Luft holen und ein paar Tränen wegwischen. Auch vor den Bildschirmen brechen die Emotionen los. Auf Twitter teilen viele Menschen selbst etliche Tage nach Erscheinen der Show noch ihre Fassungslosigkeit – und ihre Wut.

Okay, jetzt haben wir uns alle über diesen Typen aufgeregt. Man könnte nun sagen: Ist doch egal, war doch nur ein Mensch in einer Netflix-Show. 

Doch das Schlimme ist: Die Situation ist nicht einzigartig, sondern passiert sehr häufig – ein Mann, dessen gefühlte Machtposition von einer Frau angekratzt wird, teilt aus.

Denn die Hasstirade von Justin beginnt genau dann, als Gurki ihm zum ersten Mal widerspricht – einfach nur, weil sie eine andere Auffassung davon hat, wie eine gute Beziehung sein sollte. Er findet, man sollte einen Teil von sich in einer Beziehung aufgeben. Sie findet, beim richtigen Partner muss man das nicht. 

Justin reißt überrascht die Augen auf, offenbar völlig schockiert davon, dass sie seine Meinung nicht bestätigt. Ab diesem Moment entgleist ihm die Mimik, er schüttelt fassungslos den Kopf. Und was ein interessanter Austausch unterschiedlicher Ansichten hätte sein können, wird zu dem bereits erwähnten Schwall an Vorwürfen. 

Was an der ganzen Szene exemplarisch ist:

  • Die Frau stellt die Autorität des Mannes in Frage, daraufhin beginnt dieser, sie persönlich anzugreifen, um sie niedriger zu stellen und damit seine Machtposition wieder herzustellen. Die University of Queensland in Australien hat in zwei Studien herausgefunden, dass Männer, die sozial sehr dominant sind, eher aggressiv auf Ablehnung reagieren. Das kennt frau auch von abgelehnten Flirtversuchen: Auf ein "Danke, aber kein Interesse" folgt nicht selten ein "Ich hab' dich eh nicht gemeint, du bist hässlich". 
  • Auch das ständige Unterbrechen von Justin drückt aus: Was du zu sagen hast, ist nicht so wichtig wie das, was ich sagen möchte. Das ist schon merkwürdig, da es immerhin um ihr Leben geht, über das die beiden sprechen. Aber er nimmt sich nicht die Zeit, zuzuhören. Stattdessen mansplaint er Gurki ihr Leben. Auch das ist ein gängiges Muster, wie diverse Studien zeigen (Psychology Today). Die Annahme, die eigene Meinung sei wichtiger und die Tendenz, andere zu unterbrechen, wird in der Forschung vor allem bei Männern beobachtet und auf den sogenannten "Unconcious Bias" zurückgeführt: Also unbewusste Voruteile, die in den Geschlechtern geprägt sind.

Es ist also für die weitere Interaktion total egal, dass Gurki sachliche Argumente für ihre Sichtweise bringt, während Justin einfach nur Quatsch raushaut, wie "jeder Mann in New York wird dir das selbe sagen" (komisch nur, dass die anderen Dates Gurki dafür ein Kompliment gemacht haben, dass sie so reflektiert über ihre Scheidung spricht). Am Ende wundert sich Justin sogar, dass Gurki kein zweites Date mit ihm möchte und stürmt empört aus der Bar.

Was lernen wir daraus?

Machen wir es wie Gurki! Denn während einige Zuschauer Justin am liebsten angebrüllt oder eine gescheuert hätten, blieb sie erstaunlich souverän und völlig bei sich. Sie beendete das Date auf ruhige Art und blieb die einzige Person der Staffel, die sich mit keinem der Dates ein zweites Mal verabredete. Stattdessen sieht man sie am Ende der Folge, wie sie sich alleine einen schönen Tag macht. 

You go, girl!

Selbst für Justin hat sie keine harten Worte. In einem Interview antwortete sie auf die Frage, was sie ihm sagen würde, wenn sie die Situation noch einmal durchspielen könnte: 

"Das nächste Mal, wenn du mit jemandem auf ein Date gehst, der einen anderen Hintergrund hat als du, bleib offen und sei vorsichtig mit dem, was du sagst. Worte haben viel Macht und können jemanden verletzen (...) Triff Menschen, die anders sind als du. Geh erkunden und reisen. Sieh', was es da draußen noch gibt, dann bilde dir eine Meinung."

Das Date sei für sie geradezu therapeutisch gewesen, so Gurki, weil sie gemerkt habe, wie gut sie mit der Negativität umgegangen sei. Trotz der absurden Erfahrung sagte Gurki auch, die Show habe sie optimistisch gemacht, was ihr Datingleben angeht. Nach den vier anderen – sehr netten – Dates, habe sie gedacht: "Okay, vielleicht gibt es dort draußen tatsächlich jemanden für mich."

Nach diesem Date kann es wirklich nur besser werden.


Gerechtigkeit

Löschen von Satire-Video: Grüne Jugend und Jusos kritisieren Horst Seehofer
"Krasse Gefahr für die Rechtsstaatlichkeit"

Die Jugendorganisationen von SPD und Grünen kritisieren Innenminister Horst Seehofer (CSU), weil er gegen ein Satire-Video vorgeht. 

Es sei nicht Seehofers Job, Zivilgerichten Arbeit zu beschaffen, sagte Stephan Schumann, stellvertretender Vorsitzender der Jusos. Ricarda Lang, Sprecherin der Grünen Jugend, bezeichnet Seehofer als "krasse Gefahr für die Rechtsstaatlichkeit" in Deutschland.

Worum wird gestritten? 

Das Innenministerium ist mit einer einstweiligen Verfügung gegen YouTube vorgegangen. Das Ministerium forderte die Löschung eines Videos, das vom Künstlerkollektiv "Peng!" gedreht und online gestellt wurde. Die Begründung: Nutzerinnen und Nutzer könnten es für echt halten.